Zuger Wahlen 2022
Den Frauenanteil in der Politik erhöhen: Frauenzentrale Zug lanciert Kampagne

In Zusammenarbeit mit dem Dachverband Alliance F unterstützt die Frauenzentrale Kandidatinnen, die sich für ein politisches Amt zur Verfügung stellen. Zentral ist der Aufruf zu guten Listenplätzen.

Rahel Hug
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«Helvetia ruft!» Unter diesem Motto haben Politikerinnen auf Bundesebene im Hinblick auf die Eidgenössischen Wahlen 2019 eine neue überparteiliche Bewegung ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, dass Frauen und Männer zu gleichen Teilen politische Entscheidungen treffen. Angesiedelt ist die Bewegung bei der Frauenorganisation Alliance F.

Dieses Jahr stehen bekanntlich im Kanton Zug Wahlen an. Die Frauenzentrale Zug hat nun in Zusammenarbeit mit dem Dachverband die Kampagne «Helvetia ruft! Zug» lanciert, um auch hier mehr Frauen zu motivieren, für ein politisches Amt zu kandidieren.

Heidi Hauenstein-Ringger, Präsidentin der Frauenzentrale Zug.

Heidi Hauenstein-Ringger, Präsidentin der Frauenzentrale Zug.

Bild: PD

Heidi Hauenstein-Ringger, Präsidentin der Frauenzentrale, sagt: «Damit setzen wir unser langjähriges überparteiliches Engagement zu Gunsten einer grösseren Geschlechtervielfalt in politischen Gremien fort.»

Seit Jahrzehnten betreibe der Verein parteiunabhängige Wahlunterstützung für Frauen. Bei den Gesamterneuerungswahlen vor vier Jahren setzten die Initiantinnen neben der Onlinekampagne primär auf Plakate. In diesem Jahr soll die Aktion vor allem online stattfinden.

Zentral ist der Aufruf zu guten Listenplätzen für Frauen. Die Erfahrung zeige, dass der Listenplatz einen grossen Einfluss auf die Wahlchancen habe, sagt Heidi Hauenstein. «Dafür wollen wir die Verantwortlichen entsprechend sensibilisieren.» Konkret sollen die Parteien Frauen und Männer gleichermassen berücksichtigen und Frauen chancenreiche Listenplätze anbieten. So könne sichergestellt werden, dass auch tatsächlich mehr Frauen gewählt werden.

Das Logo von «Helvetia ruft! Zug».

Das Logo von «Helvetia ruft! Zug».

Bild: PD

Workshops und Mentoringprogramme

Eine weitere Massnahme von «Helvetia ruft! Zug» ist ein Coaching für alle Kandidatinnen, das aus Workshops und Mentoringprogrammen besteht. Damit sollen die Frauen unterstützt und auf ein politisches Mandat sowie den Wahlkampf vorbereitet werden. Expertinnen erläutern Strategien für die Suche nach der politischen Positionierung, vermitteln Auftrittskompetenz für Podien und Referate, erklären den Umgang mit Medien und geben Tipps für die Nutzung von sozialen Medien.

Vor allem junge Frauen würden sich sorgfältig überlegen, ob sie sich aufstellen lassen sollen, denn die Mehrfachbelastung von Familie, Beruf und politischer Karriere sei oft gross, erklärt die Präsidentin der Frauenzentrale.

«Frauen, die eng begleitet werden und praxisnahe Tipps von erfahrenen Politikerinnen erhalten, sind eher bereit, die Herausforderung anzupacken.»

Weitere Bestandteile der Kampagne sind Kurzporträts auf der Website sowie eine Auswertung der Listen wie auch der Wahlergebnisse.

Die Coachings beispielsweise werden von Alliance F organisiert. Mit im Boot ist aber auch die Mehrheit der politischen Parteien im Kanton. Bereits aktive Politikerinnen agieren als Kontaktpersonen für alle interessierten oder angehenden Amtsträgerinnen in ihrer jeweiligen Partei. Es sind dies Mitte-Kantonsrätin Mirjam Arnold-Herrmann (Baar), FDP-Gemeinderätin Claudia Benninger Brun (Hünenberg), ALG-Kantonsratspräsidentin Esther Haas (Cham) und SP-Kantonsrätin Virginia Köpfli (Hünenberg).

Nach Auskunft von Heidi Hauenstein war die SVP nicht an einer Mitarbeit interessiert, die GLP hat auf eine Anfrage noch nicht reagiert. Diese Woche findet ein erstes Treffen mit den Projektträgerinnen statt. Genaue Eckpunkte und der Zeitplan der Kampagne sollen danach ausgearbeitet werden.

Das Bewusstsein für das Thema stärken

Der Frauenanteil im Zuger Kantonsrat betrug nach den letzten Wahlen knapp 29 Prozent. In der siebenköpfigen Zuger Kantonsregierung sitzt eine Frau. Die Exekutiven der Zuger Gemeinden weisen einen durchschnittlichen Frauenanteil von 28 Prozent auf.

Einen Prozentsatz als Ziel für die Wahlen im Herbst hat die Frauenzentrale nicht formuliert. «Mit der Kampagne möchten wir das Bewusstsein für das Thema stärken, es soll darüber geredet und entsprechend gehandelt werden», sagt Heidi Hauenstein abschliessend.

«Es geht nicht um die Einführung einer Frauenquote oder darum, Männer gegen Frauen auszuspielen. Vielmehr wollen wir zeigen, dass es uns um ein stärkeres Miteinander und eine grössere Vielfalt geht.»