Zug
Wie kann die Wirtschaft grüner werden?

Bis zu 60 Prozent ihrer CO2-Emissionen könnten Unternehmen vermeiden. Am Tag der Zuger Wirtschaft stand die Frage nach dem Wie im Fokus.

Laura Sibold
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Wie ernst ist es Unternehmen mit der CO2-Neutralität? Wie kann die Wirtschaft einen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen leisten? Am Dienstagabend, dem Tag der Zuger Wirtschaft im Theater Casino, stellte die Zuger Wirtschaftskammer (ZWK) diese aktuellen Fragen.

Gesprächsrunde am Tag der Zuger Wirtschaft im Casino Zug. Im Bild (von links): Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz, Mirjam Staub-Bisang, CEO BlackRock Schweiz, Karin Kofler, Moderation und Geschäftsführerin Zuger Wirtschaftskammer, Suzanne Thoma, CEO BKW, Jan Jenisch CEO Holcim.

Gesprächsrunde am Tag der Zuger Wirtschaft im Casino Zug. Im Bild (von links): Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz, Mirjam Staub-Bisang, CEO BlackRock Schweiz, Karin Kofler, Moderation und Geschäftsführerin Zuger Wirtschaftskammer, Suzanne Thoma, CEO BKW, Jan Jenisch CEO Holcim.

Bild: Mathias Blattmann (9. November 2021)

«CO2-Emissionen sind ein wichtiges Thema und werden zu einem zentralen Standortfaktor», machte ZWK-Präsident Andreas Umbach zu Beginn klar. Künftig würden Unternehmen bei der Bewertung eines Standortes auf umweltfreundliche Technologien und CO2-Neutralität achten. «Zudem erwartet die Mehrheit der Bevölkerung, dass Firmen einen positiven Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstosses leisten.»

«Netto-Null ist nicht möglich»

Ohne einen Beitrag der Wirtschaft lassen sich Treibhausgas-Emissionen nicht reduzieren. Laut Green-Check-Studie der Wirtschaftskammer stossen wir im Kanton Zug jährlich 560'000 Tonnen CO2 aus. Für rund die Hälfte davon ist die Wirtschaft verantwortlich.

«Netto-Null ist heute nicht möglich. Im besten Fall können wir im Kanton Zug 60 Prozent der CO2-Emissionen reduzieren», erklärte Umbach. Potenzial haben der Verkehr und der Wärmebedarf – gemäss Studie die wichtigsten Quellen von Treibhausgasen. Hier könnten Unternehmen viel bewirken; mittels Optimierung des Pendlerverhaltens, mehr Elektromobilität, Fotovoltaikanlagen, Fernwärmenetzen, Strom aus Wasserkraft sowie der Sanierung von Gebäudehüllen und energetischen Betriebsoptimierungen.

Nachhaltigkeit kann rentieren

Wie kann die Wirtschaft Etikettenschwindel vermeiden? Diese Frage stellte sich am Tag der Zuger Wirtschaft eine illustre Diskussionsrunde.

«Versprechen wie jene an der UN-Klimakonferenz in Glasgow sind ein erster Schritt, um in den Folgejahren messbare Resultate zeigen zu können»,

sagte Mirjam Staub-Bisang, Schweizer CEO des Vermögensverwalters BlackRock. Das sah auch Thomas Vellacott so. «Wer in Zukunft erfolgreich sein will, muss sich auf Netto-Null einstellen», zeigte sich der CEO von WWF Schweiz überzeugt.

Ein Problem sei, dass Investitionen ins Klima erst spät rentieren, warf ZKW-Geschäftsführerin Karin Kofler ein. Das sahen ihre Gesprächspartner nicht so. Nachhaltige Anlagen würden schon heute eine Rendite abwerfen, betonte Staub-Bisang. Vallacott ergänzte: «Für zwei Drittel der Menschen ist erneuerbare Energie die günstigste Form der Energieproduktion. So haben sich etwa die Kosten für Solaranlagen und jene für elektrische Batterien in den letzten Jahren um 80 Prozent reduziert.» Die Entwicklung beschleunige sich enorm, fand auch Jan Jenisch, CEO des Zementherstellers Holcim. «Vor fünf Jahren hielten wir wettbewerbsfähige Elektroautos für undenkbar. Heute haben wir in der Schweiz die ersten vollelektrischen Lastwagen im Einsatz.»

Grüne PR oder echtes Engagement?

Investoren, Regulatoren und Kunden erwarten von Firmen Bekenntnisse zum Klimaschutz. Das kann Druck aufbauen, der ins Beschönigen von «grünen» Bestrebungen, also in sogenanntes Greenwashing mündet. «Dieses Bewusstsein in Unternehmen gibt es», gestand Suzanne Thoma, Chefin des Energiekonzerns BKW, ein. Doch die Zusammenhänge seien komplex. «Auch der Antrieb für den elektrischen Tesla kommt manchmal aus Kohlestrom. Man sollte sich die Fakten genau anschauen und realistische Ziele stecken», forderte Thoma.

Das A und O gegen Greenwashing sei Transparenz, die mit Nachhaltigkeitsratings und Geschäftsberichten erreicht werden könne, ergänzte Mirjam Staub-Bisang von BlackRock: «Heute kann hinter jedem Mitarbeiter ein Whistleblower stecken. Unternehmen können sich Etikettenschwindel nicht mehr leisten.»

Sowohl Grosskonzerne als auch KMU könnten bei der Nachhaltigkeit noch viel tun, sagte WWF-Chef Thomas Vellacott. «Sie sollen anhand schlüssiger Berechnungen langfristige Ziele setzen. Um Transparenz zu schaffen, sollten immer wieder Fortschritte gezeigt werden.» Vier Fünftel der von Firmen gesetzten Ziele erfüllten diese Anforderungen heute nicht, so Vellacott. Da sich Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Standortfaktor entwickelt, habe auch der Kanton Zug die Chance, sich zu positionieren – nicht mit grüner PR, sondern mit echtem Engagement gegen den Klimawandel.