ZUG: Wenn eine Kirche zur Oase wird

Seit zehn Jahren wirkt die City-Kirche Zug in der Stadt – und in sie hinein. Eine Videoinstallation verdeutlicht, dass dies auch in der Kirche Spuren hinterlässt.

Martin Mühlebach
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Pfarrer Andreas Haas (links) und Remo Hegglin, der in der City-Kirche Zug eine Videoinstallation präsentierte.Bild: Werner Schelbert (7. Dezember 2016)

Pfarrer Andreas Haas (links) und Remo Hegglin, der in der City-Kirche Zug eine Videoinstallation präsentierte.Bild: Werner Schelbert (7. Dezember 2016)

Die City-Kirche Zug zeigt seit einem Jahrzehnt, was in, um und mit einer Kirche möglich ist. Geschlossene Kirchentüren ausserhalb der Gottesdienstzeiten gehören der Vergangenheit an. Dies ist nicht zuletzt Pfarrer Andreas Haas zu verdanken, der mit der Installation der «Offen Bar» den Grundstein legte.

Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat gab es eine abendliche Saftbar mit Snacks, was auch nicht regelmässigen Kirchgängern ein ungezwungenes Treffen ermöglichte. Bis Andreas Haas und sein Pfarrkollege Hans-Jörg Riwar anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Stadtkirche Zug das Konzept City-Kirche Zug zu realisieren vermochten, mussten die Behörden und die Bevölkerung dafür sensibilisiert werden, dass der mit moderner Technik ausgestattete Kirchenraum nicht nur für Gottesdienste und Beerdigungen genutzt werden kann. Es entstand ein ökumenisches Konzept, das zu zwei Dritteln von der reformierten und zu einem Drittel von der katholischen Kantonalkirche getragen wird und das durch seine spirituelle Offenheit besticht.

Dass es keine Widerstände gab, bezeichnet Andreas Haas als «nicht nur vorteilhaft». Man frage sich dann immer: «Ist es den Mitgliedern der verschiedenen Gremien im Grunde egal, was wir machen – oder machen wir es einfach gut?»

Diese Frage ist schnell beantwortet: Die regelmässigen Angebote, wie das Handauflegen oder die mittägliche City-Oase, werden rege benutzt. Die City-Kirche Zug ist zu einem Begegnungsraum geworden, der den Menschen ein ungezwungenes Treffen ermöglicht.

Wie fruchtbar das Wechselspiel zwischen der City-Kirche Zug und der Stadt und ihrer Umgebung ist, zeigt eine Videoinstallation, die am Mittwochabend in der Zuger Stadtkirche zur Aufführung gelangte. Remo Hegglin und Georges Bonetti haben sich gefragt, was hinter den Kulissen der Kirche abläuft. Wer backt das Brot oder die Hostien für den Gottesdienst? Wie wird eine Kirchenglocke hergestellt? Und was braucht es sonst noch, damit kirchliche Anlässe reibungslos über die Bühne gehen können?

Die gleiche Technik wie vor hundert Jahren

Die an verschiedenen Standorten meisterhaft gedrehte Videoinstallation liefert schlüssige Antworten. Es wird ersichtlich, dass sich die Vielfalt auch reiben kann – und darf.

Der in Berlin lebende Musiker und Tonkünstler Cyrill Lim, den Remo Hegglin aus der gemeinsamen Schulzeit an der Kanti Zug kennt, und der Organist Miklos Arpas untermalen die Bilder mit authentischen Geräuschen. Remo Hegglin erzählt: «Besonders beeindruckt bin ich von der Arbeit des Orgelbauers Goll in Luzern. Zum einen, weil bei der Herstellung der Orgelpfeifen verschiedene Berufsleute Hand in Hand zusammenspielen, und zum anderen, weil noch immer die gleiche Technik angewandt wird wie vor hundert Jahren.»

Die City-Kirche Zug darf dank ihrer Innovationen auf ein erfreuliches Jahrzehnt zurückblicken. Nach seinem Erfolgsrezept befragt, sagt Andreas Haas: «Die Steuergruppe, die das Programm erarbeitet, macht gute Arbeit. Brigitta Kühn-Waller, Hans-Jörg Riwar, Helga Mrusek, Roman Ambühl, Toni Wilhelm und ich ergänzen uns gut. Wir fordern uns gegenseitig heraus und gehen dann motiviert an die Arbeit.»

Martin Mühlebach
redaktion@zugerzeitung.ch