Leserbrief
Wir verunsichern die Jugendlichen

Gedanken zum Thema Schicksal

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«Da operative Geschlechtsangleichungen heutzutage medizinisch leichter möglich sind als je zuvor und die Gesellschaft eine andere Toleranz entwickelt hat, wagen wohl deutlich mehr Menschen diesen Eingriff.» Dieser Behauptung, welche ich kürzlich gelesen habe, muss vehement widersprochen werden. Ich bin überzeugt, dass eine unverantwortliche intellektuelle Schicht verkennt, dass die Pubertät eine Übergangsfrist darstellt, welche alle Betroffenen verunsichert.

Statt den Pubertierenden Leitplanke zu bieten, wird ihnen vorgegaukelt, alles sei relativ und disponibel. Wir verlieren jegliche natürlichen Bezugspunkte und verunsichern so vor allem die Jugendlichen. Statt sie zu lehren, sich mit dem abzufinden, was ihnen das Schicksal «geschenkt» hat, machen wir ihnen vor, sie könnten alles beeinflussen und ändern und das Schicksal sei irrelevant.

Ich bin überzeugt, dass wir die Jugendlichen leiten müssen und sie vor Quacksalbern in Psychologie und Medizin schützen müssen. Das hat nichts mit konservativ zu tun, sondern mit beruflicher, politischer und gesellschaftlicher Verantwortung.

Das Ganze hat übrigens System. Auch wir Erwachsenen werden immer mehr zur Beliebigkeit verführt. Statt wie normal freudig die neuen «Wilder»-Staffel zu erwarten, können wir sie schon vor dem Sendetermin im Fernsehen auf Plattformen des Schweizer Fernsehens anschauen. Das ist unnötig und schädlich! So verlernen wir uns auf etwas zu freuen. Aber das ist weniger schlimm, als dass wir unserer Jugend die Akzeptanz der Realität (Schicksal) erschweren.

Michel Ebinger, Rotkreuz