Kolumne
«Zuger Ansichten»: Was bedeutet Eigenverantwortung?

«Halten wir die Hygieneregeln ein und gehen impfen», schreibt FDP-Kantonsrätin Helene Zimmermann in ihrem Meinungsbeitrag.

Helene Zimmermann, Kantonsrätin FDP, Risch
Helene Zimmermann, Kantonsrätin FDP, Risch
Drucken

In den letzten Monaten hörte man den Begriff «Eigenverantwortung» immer und immer wieder im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie. Aber was bedeutet Eigenverantwortung überhaupt? Man nimmt das eigene Leben in die Hand und trifft bewusste Entscheidungen, welche ganz direkt das eigene Leben beeinflussen. Man übernimmt selbst die Verantwortung für die Folgen, welche aus der bewussten Entscheidung entstehen. Bezüglich der Impfung bedeutet Eigenverantwortung: Man trägt die Folgen, wenn man wider Erwarten an Covid-19 erkrankt. Hier stellt sich die Frage: Kann man dies dann tatsächlich? Dies ist sicher der Fall, wenn man nur einen sogenannt leichten Verlauf hat. Aber wie sieht es bei einem Spitalaufenthalt oder wenn man sogar auf die Intensivstation muss, aus? Da sind dann andere für die Pflege zuständig und auch die Kosten werden durch die Gesellschaft mitgetragen. Möglich ist auch, dass Personen, die operiert werden müssten, nicht operiert werden können.

Wenn man hört, wie es jungen Frauen mit kleinen Kindern ergangen ist, welche ihren Ehemann für Wochen im künstlichen Koma auf der IPS gehabt haben und nicht wussten, wann und wie dieser wieder aufwachen wird, muss man sich fragen: Kann man mit diesem Wissen nur für sich selbst entscheiden? Es sind dann auch andere von der Entscheidung betroffen: Der Arbeitgeber, welcher für längere Zeit auf den Mitarbeiter verzichten muss. Arbeitskollegen, die in dieser Zeit für den erkrankten Kollegen einspringen müssen. Ärzte und Pflegepersonal, die Mehrstunden leisten. Ein Covid-19-Patient benötigt um einiges mehr Pflege als ein anderer Patient. Weiter darf man nicht vergessen, dass unter den Genesenen eine höchstwahrscheinlich nicht unwesentliche Zahl an Long-Covid leidet. Hier kennt man zurzeit weder das Ausmass (Anzahl der Betroffenen noch die Einschränkungen) noch die Folgekosten. Man kann diese nur erahnen.

Wenn man dann noch von Angestellten aus verschiedenen Branchen hört, ein Lockdown sei besser als die Zerti­fikatspflicht, fragt man sich, wo ist das Verständnis für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge? Ein Lockdown bedeutet einen immensen Schaden für die Allgemeinheit. Die Firmen, welche geschlossen werden, können meist nur mit Hilfsgeldern überleben und der Lohn bei Kurzarbeit wird auch von der Allgemeinheit mitfinanziert. Die «verteilten» Beträge sind über Steuern finanziert und die Kurzarbeitsentschädigungen der Arbeitslosenkasse über Lohn- und Arbeitgeberbeiträge. Das heisst somit, dass jeder, der Steuern bezahlt, Lohn erhält oder Arbeitgeberbeiträge abliefert, den Lockdown trägt. Die letzten Lockdowns mussten auf Bundesebene bereits mit einer zusätzlichen Verschuldung finanziert werden. Weitere Lockdowns müssten somit wahrscheinlich mit zukünftig höheren Steuern und der Erhöhung der Lohnbeiträge bezahlt werden. Ich persönlich glaube nicht, dass dies im Sinn der breiten Bevölkerung sein kann.

Mein Fazit: Wir kommen nur gemeinsam aus der jetzigen Situation. Halten wir die Hygieneregeln ein und gehen impfen, egal ob zum ersten, zweiten oder dritten Mal. Damit schützen wir die, welche sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Und damit schützen wir auch die Wirtschaft vor weiteren Schliessungen und das Gesundheitswesen (Ärzte und Pflegepersonal) vor der Überlastung. Ich wünsche allen ein gutes und gesundes Jahr 2022.

In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.