Volksmusik
Gläuffig präsentieren in Unterägeri ihre Gratwanderung zwischen Tradition und Innovation

Althergebrachte alpenländische Musik bringen die vier Zentralschweizer Profi-Musiker von Gläuffig mit internationalen Stilen zusammen. Ihre neue Platte präsentieren sie in Unterägeri. Ein Hörerlebnis bei weitem nicht nur für Ländlerfreunde.

Andreas Faessler
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Tradition pflegen und Überliefertes erhalten ist der grösste Dienst, den man immateriellem Kulturgut erweisen kann. Und doch: Es heisst nicht, dass Altem nicht auch ein neues Gewand angezogen werden kann, denn wird Tradition in musealen Schauvitrinen auf ewig versiegelt und somit von jeglicher Veränderbarkeit und Neuinterpretation ausgeschlossen, so stirbt auch sie.

Mit diesem Gedanken hat sich die vierköpfige Formation Gläuffig der Volksmusik verschrieben. Seit 2008 musizieren die vier Männer aus der Zentralschweiz im Spannungsfeld von traditionellem Schweizer respektive alpenländischem Musikgut und Zeitgenössisch-Experimentellem und/oder internationalen Musikstilen des 20. Jahrhunderts – und führen alles gekonnt zusammen, ohne je einen der Stile seiner Wurzeln zu berauben.

Gläuffig, das sind (v. links) Pirmin Huber, Mathias Landtwing, Lukas V. Gernet und Fränggi Gehrig.

Gläuffig, das sind (v. links) Pirmin Huber, Mathias Landtwing, Lukas V. Gernet und Fränggi Gehrig.

Bild: Gian Marco Castelberg

Dass an den Gläuffig-Konzerten sich Heim- und Fernweh abwechseln können, ist nicht aussergewöhnlich: Etwa dann, wenn der lüpfige urschwyzer Schottisch nahtlos in eine Tarantella, einen Bossa Nova oder einen Klezmer übergeht – oder aber man sich erst im Alpenpanorama über dem Urnersee wähnt und dann unversehens in einer schummrigen Chicagoer Jazzkneipe wiederfindet. Stilistische Grenzgänge sind die Spezialität der vier Männer und ihren Eigenkompositionen.

Wie so zahlreiche beständige Musikcombos haben auch die vier von Gläuffig während ihres Musikstudiums zusammengefunden. Der Urner Akkordeonist Fränggi Gehrig, der Luzerner Pianist Lukas V. Gernet, der Schwyzer Bassist Pirmin Huber sowie der Zuger Klarinettist und Komponist Mathias Landtwing – Letzterer gebürtig aus Unterägeri – machen sich mit ihrem neuen Programm «Gesellenwanderung» auf dem Weg. So lautet denn auch der Titel ihrer aktuellen CD mit einer gehörigen Portion «neuer Schweizer Volksmusik», welche sie am Samstag, 4. Juni, in Mathias Landtwings Heimatort Unterägeri vorstellen.

Vom Gesellen- zum Meisterstück

Die LP vereint in sich alles, was die experimentierfreudige Ländlerkapelle Gläuffig ausmacht. Die Eigenkompositionen reichen vom virtuosen Schottisch bis zum gemütlichen Ländlerwalzer, immer wieder erweitert mit dem «stilfremden» Ideenreichtum, mit dem Gläuffig die Traditionen zusammenführen – ohne sie jedoch zu brechen. Musikalität und eine ausgeprägte Spielfreude, die sie auf der Bühne unverblümt zum Ausdruck bringen, sind dabei stets ein Markenzeichen des eingespielten Profi-Quartetts.

Das Konzert in Unterägeri ist der Startschuss für die Tournee, auf welche die vier bereits 2018 und 2019 hätten gehen wollen. Aber aus altbekannten Gründen hat sie verschoben werden müssen. Dafür dürfen sich nun traditionsbewusste Ländlerfreunde genauso wie solche, die an musikalischen Innovationen interessiert sind, auf eine klangliche Live-Darbietung mit besonderem Tiefgang freuen – die Gesellenwanderung ist inzwischen zum Meisterstück gereift.

«Gesellenwanderung», Konzert und CD-Taufe von Gläuffig am Samstag, 4. Juni, um 20 Uhr im Konzertsaal der Musikschule Unterägeri. Tickets an der Abendkasse oder via Vorverkauf unter www.eventfrog.ch.