Leserbrief
Trump trägt nicht die ganze Schuld am Debakel

Zur Situation in Afghanistan

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Es fällt zwar schwer, jemanden zu verteidigen, der einem nicht sympathisch ist. Dennoch, Trump die ganze Schuld des Afghanistan-Debakels anzulasten, wäre unfair. Dies aus folgenden Gründen: Als er mit den Taliban die Vereinbarung über den Abzug schloss, gab es Widerstände von prominenter republika-nischer Seite.

Der ehemalige Sicherheitsberater John Bolton zum Beispiel gehört dazu, wie er kürzlich in einem ARD-Interview bestätigte. Von demokratischer Seite gab es damals keinen Protest gegen die Abzugsverein-barung. Auch in dieser Zeitung war davon nichts zu lesen. Zweitens: So wie Joe Biden wichtige Entscheide Trumps ins Gegenteil kehrte (Pariser Klimaabkommen, Öl-Gas-Fracking in Wyoming und Alaska), so hätte er auch die Vereinbarung mit den Taliban ausser Kraft setzen können.

Auch die katastrophale Fehleinschätzung der Wehrbereitschaft der afghanischen Armee durch die Geheimdienste fand längst nach seinem Amtsantritt statt. Joe Biden mag ein netter Kerl sein, wie weiland Jimmy Carter. Wie dieser ist er aber ein schwacher Präsident – das Letzte, was Amerika braucht.

Christian Mächler, Hünenberg