Strafbefehl
Eine Mutter lässt in einem Zuger Einkaufszentrum ihren jungen Sohn stehlen

Gross für die Familie einkaufen, das ist in einer geräumigen Filiale eines Schweizer Detailhandelskonzerns praktisch und zeitsparend. Anfang 2020 hat ein Elfjähriger mit einem Einkaufswagen voller Lebensmittel den Hinterausgang genommen. So kam er nicht an der Kasse vorbei.

Marco Morosoli
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Ob es eine Masche war, ist nicht erstellt. Doch was eine Frau im Januar 2020 gemacht hat, auf diese Idee muss einer selbst noch kommen. Die 41-Jährige geht zum Einkaufen über die Kantonsgrenze. Das macht mehr Spass und das Parkieren ist auch schnell erledigt. Im Schlepptau hat sie ihren elfjährigen Sohn. Mit ihm streift sie durch das Verkaufslokal einer grossen Handelskette in einem Zuger Einkaufszentrum. Was genau alles in ihrem Einkaufswagen Platz gefunden hatte, das ist unbekannt. Bekannt ist hingegen der Wert der Objekte, die sich im Einkaufswagen befanden: 538 Franken und 5 Rappen.

Die Mutter hatte wohl zu Beginn des Einkaufs bemerkt, dass ein jeder in dieser Filiale den Weg zurück antreten kann, ohne bei diesem Manöver von einer Aufsichtsperson erwischt zu werden. Vor allem dann, wenn in diesem Eingangsbereich ein grosses Gewusel herrscht.

Welchen Auftrag die Mutter ihrem Sohn erteilte, geht aus dem Strafbefehl nicht hervor. Erstellt ist aber, dass die Mutter auf dem gleichen Weg, auf dem sie in den Laden kam, wieder zurück ging. Ihr Sohn folgte ihr. Der Diebstahl war vollführt.

Anstiftung zu Diebstahl

Die Mutter war dabei die Anstifterin. Ihr Sohn wäre eigentlich schon strafmündig. Als Strafmündigkeit gilt das Alter, ab welchem jemand für eine Tat, die das Gesetz mit einer Strafe bedroht, bestraft werden kann. Die strafrechtliche Verantwortung beginnt in der Schweiz mit dem 10. Geburtstag. Es ist bei diesem Fall eines gefüllten Einkaufswagens jedoch davon auszugehen, dass der Antrieb für das Tun des Jungen wider einer Strafnorm keinesfalls seinem Wollen entsprang.

Im Strafbefehl ist dann zu lesen, dass der Tatbestand der Anstiftung zum Diebstahl gegeben sei: Die Frau handelte in der Absicht, sich «dadurch einen unrechtmässigen Vermögensteil zu verschaffen» und über «diesen nach eigenem Gutdünken» zu verfügen. Die Ausstellung des Strafbefehls kostet die Frau 400 Franken. Ebenso hoch ist die Busse. Da hätte die gute Frau doch lieber gleich alles ordnungsgemäss bezahlt. Ob ihr Verhalten der weiteren Entwicklung des Sohns förderlich war respektive ist, steht auf einem anderen Blatt Papier.