Leserbriefe
Stimmen für und wider die 99-Prozent-Initiative der Juso

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 26. September

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Der baselbieter alt Ständerat René Rhinow betonte, dass «die Mässigung letztlich das A und O einer eigenverantwortlichen Ausübung und Nutzung von Freiheitspielräumen» darstelle. Liberalismus konzentriere sich nicht auf den Kampf gegen die Reichen. Der Fokus habe auf die Schwachen gerichtet zu sein. Er nannte dies einen mitfühlenden Liberalismus. Damit und auch mit seinem «Ökoliberalismus» liegt er im Gegensatz zu den Neoliberalen auf der Linie aller relevanten Vertreter eines menschlichen politischen Liberalismus. Moderne Wirtschaftsvertreter haben mit all dem nichts am Hut. Sie sind masslos und gierig sowie bar jeglicher Verantwortung gegenüber Menschen und Umwelt. Sie provozieren Initiativen wie die 99%-Initiative geradezu. Man könnte geneigt sein, eine Sympathie zu entwickeln. Ein Ja würde jedoch den verantwortungsvollen Wirtschaftsvertretern massiv schaden und die Wirtschaft in den Abgrund führen. Ausserdem ist sie schlecht durchdacht und nicht umsetzbar. Ein echter Liberaler kann ihr nicht zustimmen. Aber fangt endlich an, Mass zu halten, sonst wird das Volk irgendwann zu so einem missratenen Konstrukt Ja sagen.

Michel Ebinger, Rotkreuz


Letzten März wurden in Zug wieder mal die Steuern gesenkt – profitieren tun davon nur die Reichsten. Denn verschiedene Steuerreformen der letzten Jahre haben bereits zu einem Loch in der AHV und zu massiven Sparmassnahmen in Bildung, Gesundheit oder Kultur zur Folge. Aber auch steigende Mieten und Krankenkassenprämien fressen ein immer grösseres Loch in das Einkommen der Menschen.

Die 99-Prozent-Initiative will Steuerschlupflöcher schliessen und Kapitaleinkommen (z.B. Dividenden) höher besteuern als Arbeitseinkommen. Die dadurch entstehenden Mehreinnahmen von mehreren Milliarden für Bund, Kantone und Gemeinde können in den Service Public investiert werden. Aus diesem Grund empfehle ich, am 26. September ein Ja in die Urne zu legen.

Amélie Krause, Baar


Von der AHV-Rente allein kann heute niemand leben. Deshalb sind wir alle auf die Leistungen der 2. Säule angewiesen. Aber viele Kleinverdienende, Kunstschaffende, Selbständig-Erwerbende oder Teilzeitler haben – wenn überhaupt – nur eine magere PK-Vorsorge. Für solche Betroffene bilden allfällig vorhandene Miet- oder Dividendenerträge einen wichtigen Zustupf zu mageren Renten. Dies will die Juso nun mit 150 Prozent anstatt der bisherigen 100 Prozent besteuern. Hallo Juso, Gruene, EVP, SP und SGB? Der willkürlich tief angesetzte «Freibetrag» von 100000 Franken reicht ja oft nicht einmal, um die jährlichen Lebenskosten in einem Heim zu finanzieren. Es handelt sich wieder um einen undurchdachten Angriff der sozialistischen Träumerinnen und Träumer auf Eigentum. Sie können nicht zwischen Superreichen und bescheiden lebenden Normalbürgern unterscheiden. Und KMU sind das Rückgrat der Schweiz, denn sie tragen die Wirtschaft wesentlich mit. Jedes KMU investiert seine Kapitalerträge in die Firma und somit in Arbeitsplätze.

Die schädliche 99-Prozent-Initiative bedroht damit nicht nur die meisten KMU, sondern auch viele Arbeitsplätze. Deshalb und aus vielen weiteren Gründen der Vernunft: Nein zu dieser desaströsen Initiative! Denken Sie an den Spruch: Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber.

Ueli Krasser, Hagendorn


Kunst und Kultur, vieles wird leiden. Die Initiative würde ihre eigenen Wähler strafen, d.h. SP und Grüne Lohnbezüger aus der Kulturbranche. Welcher Verein, welche Organisation welcher Kunst- und Kulturbetrieb kann ohne Mäzene leben? In der Zeit als Kantonalpräsident und Vereinsvorstandsmitglied schätzte ich es enorm, dass wir für die geplanten Anlässe immer genügend Geldgeber gefunden haben. Ob kleine oder grosse Beiträge, wir waren dankbar. Bei der Annahme dieser Vorlage wird sich mancher fragen, soll ich freiwillig noch spenden oder jemanden unterstützen. Vor allem Kunst und Kultur leben von den wohlhabenden Spendern. Zoo Zürich und Basel haben Millionenbeträge für die Erweiterung erhalten. All dies wollen die Gegner zerstören. Diese profitieren sehr stark von den Wohlhabenden aber sie wollen noch mehr, richtige Rosinenpicker.

Benno Schicker, Steinhausen