Stadt Zug
Frauenthaler Lebkuchen für drei verdiente Frauen

Alljährlich zeichnet der Zuger Stadtrat an seiner traditionellen Lebkuchenfeier Menschen aus, die ohne grosses Aufheben Wesentliches für die Stadt geleistet haben. Je einen Frauenthaler Lebkuchen für besondere Dienste erhalten in diesem Jahr Prof. Dr. Annelies Häcki Buhofer, Helena Todorovic und Monika Gisler-Locher.

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Die Geehrten mit dem Stadtrat von Zug nach der Lebkuchenfeier vor dem alten Rathaus. Vorne (von links): Monika Gisler-Locher, Helena Todorovic, Annelies Häcki Buhofer. Hinten (von links): Stadtrat Urs Raschle, Stadträtin Vroni Straub-Müller, Stadtpräsident Karl Kobelt, Stadträtin Eliane Birchmeier, Stadtrat André Wicki und Stadtschreiber Martin Würmli.

Die Geehrten mit dem Stadtrat von Zug nach der Lebkuchenfeier vor dem alten Rathaus. Vorne (von links): Monika Gisler-Locher, Helena Todorovic, Annelies Häcki Buhofer. Hinten (von links): Stadtrat Urs Raschle, Stadträtin Vroni Straub-Müller, Stadtpräsident Karl Kobelt, Stadträtin Eliane Birchmeier, Stadtrat André Wicki und Stadtschreiber Martin Würmli.

Bild: PD

Frau Professor Dr. Annelies Häcki Buhofer steht dem Ornithologischen Verein Zug seit zwei Jahrzehnten als Präsidentin vor. In dieser Zeit war sie massgeblich an der Weiterentwicklung des Tierschutzgesetzes beteiligt. Die Volieren beim Landsgemeindeplatz und der Rehgarten wusste sie in artgerechte Gehege umzubauen und die Abläufe und die Pflege der Tiere wurden unter ihrer Führung professionalisiert. Sie ging Kooperationen mit dem Tierpark Goldau, der Vogelwarte Sempach und anderen Institutionen zum Wohle der Tiere ein und war unter anderem auch am Auswilderungsprojekt des Waldrapps beteiligt, wie die Stadt Zug mitteilt. Ihr Wissen gab sie in Führungen und Begehungen an Interessierte weiter. Sie ist eine Förderin der Interaktivität von Mensch und Natur. Ihr langjähriges verbindendes und integrierendes Handeln und Wirken ist mit Blick auf die aktuell viel diskutierte Nachhaltig­keit seit jeher modern und zukunftsorientiert.

Nicht nur bekannt als Organisatorin

Engagierte Personen im Event- und Gastrobereich gibt es in der Stadt Zug viele. Eine wichtige ist die 48-jährige Helena Todorovic, welche viele Zugerinnen und Zuger als Betreiberin der Panorama Schiff-Bar kennen. Nach der Auszeichnung als Zugerin des Jahres 2015 kann sie nun eine weitere Ehrung entgegennehmen – einen Lebkuchen als verdiente Persönlichkeit der Stadt Zug. Helena Todorovic kennt das Zuger Kulturleben wie kaum eine zweite. Sie hat in der Stadt Zug und der Umgebung mehrere Gastrobetriebe und Clubs erfolgreich geführt, die 1.-August-Feiern 2001, 2005 und 2019 mitgestaltet, 14 Jahre lang auf freiwilliger Basis die Festwirtschaft für den Chriesi-Sturm organisiert sowie jene im Jahr 2010 für die SRF-Sendung «SRF bi de Lüt» geführt. Weitere Engagements kamen hinzu wie die Zuger Filmtage, das Akkordeonfestival und die Landammann-Feiern für Manuela Weichelt-Picard und Heinz Tännler. Viele Einsätze leistete sie auf freiwilliger Basis. Sie sieht das als Ehrensache an, wenn es um Tradition, Kultur und die Stadt Zug geht.

Erste Präsidentin des Grossen Gemeinderats

Als eine Pionierin in der Zuger Politlandschaft kann Monika Gisler-Locher bezeichnet werden. Sie war 1992 als erste Frau zur Präsidentin des Grossen Gemeinderates gewählt worden. Notabene in einer Zeit, wo Frauen in der Politik noch nicht gerne gesehen und kurzerhand von Wahllisten gestrichen wurden. In diesem schwierigen Umfeld hat sie es verstanden, den Rat in einer partnerschaftlichen, aber unmissverständlichen Weise zu führen. Eine weitere Leidenschaft war die Gemeinnützige Gesellschaft Zug, welche sie über 20 Jahre mitgeprägt und als erste Frau präsidiert hat. Monika Gisler-Locher setzt sich mit viel Herz und wachem Geist für ihre Mitmenschen ein. Mit einer beeindruckenden Natürlichkeit packt sie neugierig und mutig Herausforderungen an und wagt sich auch, Neues auszuprobieren. Neben ihren beruflichen, sozialen und politischen Tätigkeiten ist Monika Gisler-Locher eine engagierte Ehefrau, Mutter und Grossmutter.

Die Beziehung zum Kloster Frauenthal

Die Lebkuchenfeier geht auf eine besondere historische Beziehung zwischen der Stadt Zug und dem Kloster Frauenthal zurück. Am 5. Januar 1386 nahmen Ammann, Rat und Bürger der Stadt Zug die Äbtissin und den Konvent des Gotteshauses Frauenthal ins Bürgerrecht der Stadt auf. Gleichzeitig wurde das Kloster unter den «Schutz und Schirm» der Stadt gestellt; dafür hatte das Kloster eine Steuerabgabe (3 Pfund Geld), Zoll und Umgeld zu entrichten.

Seit Menschengedenken haben die Nonnen von Frauenthal zur Weihnachtszeit grosse Lebkuchen gebacken, die von den Zuger Schirmherren ganz besonders geschätzt und als Teil der geschuldeten Abgaben entgegengenommen wurden. Nicht immer allerdings war das Verhältnis ungetrübt zwischen den Nonnen und den Ratsherren von Zug. Im Jahre 1735 begehrte der Stadtrat, dass jedem Ratsherrn auf Neujahr ein Lebkuchen von 14 Pfund oder einen Dukaten zu überreichen sei. Anscheinend wurden weiterhin nur 12 Pfund schwere Lebkuchen gebacken und mit den guten Wünschen an die Ratsherren versandt. Denn bereits zwei Jahre später, am 5. Januar 1737, kam der Rat auf die Sache zurück und rügte, «dass die Lebkuchen an Gewicht und Wesenheit zu gering seien». Man einigte sich, dass von nun an ein Lebkuchen von genau 14 Pfund geschickt werde, aber nur einer für den gesamten Rat. (haz)