Serie Royals in Zug
«Die grosse Geschichte bildet das Bühnenbild, und die Royals stehen wie Artisten auf der Bühne»

Die siebenteilige Serie der «Zuger Zeitung» über Royals, die im Kanton Zug zu Gast waren, kam beim Lesepublikum sehr gut an. Wir blicken mit dem Autor Michael van Orsouw zurück ‒ und etwas voraus.

Interview Harry Ziegler
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Wie kommen Sie als Zuger dazu, sich vertiefter mit Blaublütigen zu beschäftigen?

Zuger sind wohl kaum Royals-affiner als andere Kantonsangehörige. Aber auch nicht weniger, wie die Geschichten zeigten, als die Zugerinnen und Zuger den gekrönten Häuptern zugejubelt hatten. Interessanterweise berichteten die Zeitungen damals eher wenig über die royalen Besuche. Dafür haben die Zugerinnen und Zuger die persönlichen Erlebnisse in eigenen Erinnerungen festgehalten oder einfach weitererzählt. Denn ein Erlebnis mit einem royalen Promi sichert einem sicherlich ein aufmerksames Publikum!

Eine Frage, die Ihnen wohl häufig gestellt wird: Sind Sie mit Ihrem Namen «van Orsouw» etwa adlig?

Michael van Orsouw.

Michael van Orsouw.

Bild: Maria Schmid, Zug, 21. Dezember 2020)

In Kreuzworträtseln wird jeweils nach einem niederländischen Adelsprädikat gefragt, wenn man «van» eintragen soll. Das ist falsch. Im Niederländischen ist das «van» eine Herkunftsbezeichnung, kein Hinweis auf etwas Adeliges.

Was fasziniert Sie an Adligen?

Die Royals agierten nie im luftleeren Raum. Vielmehr spielten ihre persönlichen Erlebnisse sehr direkt in die Weltgeschichte hinein. Mir kam es jeweils so vor: Die grosse Geschichte bildet das Bühnenbild, und die Royals stehen wie Artisten auf der Bühne, spielen brave und manchmal auch verrückte Rollen.

Tatsächlich! Denn in etlichen Folgen der Serie in der ZZ schildern Sie doch einige Royals, die abgehoben scheinen. Täuscht der Eindruck?

Abgehoben scheint mir nicht das richtige Attribut zu sein. Natürlich waren die Royals reich und privilegiert, aber sie hatten auch eine Rolle zu erfüllen, nämlich ihren Stand würdig zu repräsentieren. Doch bei ihren Schweizer Aufenthalten fiel oftmals etwas Druck weg, wenn sie unter falschem Namen reisten wie etwa Queen Victoria, die als «Gräfin von Kent» durch den Kanton Zug reiste. Doch selbstverständlich konnte es schon mal passieren, dass ihr Verhalten etwas exzentrisch wirkte. Sie waren ja in einer Art höfischen Blase aufgewachsen, was einen schon ein bisschen sonderlich werden lassen konnte.

Queen Victoria mit ihrem Stallknecht John Brown, der sie auch auf ihrer Schweizer Reise begleitete. Er stand ihr so nahe, dass die Königin am Hof scherzeshalber «Mrs. Brown» genannt wurde, wenn sie es nicht hören konnte.

Queen Victoria mit ihrem Stallknecht John Brown, der sie auch auf ihrer Schweizer Reise begleitete. Er stand ihr so nahe, dass die Königin am Hof scherzeshalber «Mrs. Brown» genannt wurde, wenn sie es nicht hören konnte.

Bild: Wikicommons

Von all den Royals, die im Laufe der Zeit im Kanton Zug Station machten – wer ist Ihr Liebling?

Alle sieben Geschichten der Serie, die jetzt auch als Büchlein erhältlich sind, haben ihre Reize. Louis-Philippe ist bemerkenswert, weil er ein wilder Kerl war. Queen Victoria, da sie in Zug etwas verwechselte. Wilhelmina, weil sie trotz königlicher Pflichten eine natürliche Jugendliche geblieben war. Kaiser Karl I., da er die Chamer Klosterfrauen zum Jauchzen brachte. Erzherzog Leopold, weil er komplett neben der Spur lief. Der König von Bhutan, da er Abenteuern am Spieltisch nicht abgeneigt war. Prinz Philip schliesslich, weil von ihm so viele Sprüche überliefert sind, bei denen er sich erfrischend direkt ausdrückte.

Angenommen, sie könnten heute noch lebende Royals zum Abendessen einladen: Wer wäre das? Und was würden Sie kochen?

Das Leben und Leiden der heutigen Royals überlasse ich gerne den Fachleuten von «Glückspost» und «Gala». Insofern muss ich mir auch nicht überlegen, ob ich zum Apéro «Kir Royal» servieren würde, als Hauptgang «Dorade Royal» und zum Nachtisch eine «Charlotte royale».

Wie detailliert haben Sie sich mit dem Leben der Porträtierten befassen müssen, um diese als Mensch zu erfassen?

Das ist bei den Royals nicht anders als bei gewöhnlichen Menschen, über die man schreiben will: Als Autor muss man viel wissen und erfahren wollen, um dann die wirklich spannenden Aspekte herausstreichen zu können. Insofern habe ich wirklich lange recherchiert und auch viel Stoff nicht verwenden können, um am Ende abgerundete Storys erzählen zu können.

Welches ist der heftigste royale Spleen, der Ihnen bei der Recherche begegnet ist?

Queen Victoria bestand als gute Engländerin auf das pünktliche Einnehmen des Five-o-clock-Teas, egal, ob sie auf einer Schweizer Alp war oder gerade auf einem Schiff. Für sie war das wohl kein Spleen, sondern eine lieb gewordene Gewohnheit.

Schildern Sie kurz die neue Serie, die Sie für die Zuger Zeitung erarbeiten?

Wir haben darüber diskutiert, welche Geschichtsserie den Royals folgen könnte. Dabei sind wir auf starke Frauen der Zuger Geschichte gestossen – diese haben ihre Aufgaben königlich erfüllt und Projekte majestätisch durchgezogen, ohne blaues Blut in den Adern zu haben.

Hinweis: Der Zuger Autor und Historiker Dr. Michael van Orsouw hat seine royale Serie der «Zuger Zeitung» auch als Buch herausgegeben: Königliches Zug ist für 25 Franken bei info@hellerdruck.ch oder im Buchhandel erhältlich. Die neue Serie «Starke Frauen» beginnt am 1. September 2021.