Kolumne
Seitenblick: Sendepause zu Weihnachten

Unsere Redaktorin über das Vergnügen einer weihnachtlichen Auszeit.

Vanessa Varisco
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Vanessa Varisco.

Vanessa Varisco.

Endlich. Endlich! Vier Monate lang habe ich ausgeharrt. Vier Monate Durststrecke. Vier Monate habe ich mich immer wieder mit dem Gedanken getröstet, dass wir uns am Weihnachtstag wiedersehen würden. Vier Monate lang sind wir uns immer mal wieder flüchtig begegnet, haben ein stilles Lächeln geteilt. Bald, sehr bald sind die vier Monate des Wartens um. Und nach vier Monaten stehe ich dir, lieber Zugersee, endlich gegenüber, bereit, mich einen Tag lang von der Welt zu verabschieden und mich nur diesem Marsch um den See zu widmen. Diese Beständigkeit des Sees brauche ich nach diesem wilden Jahr.

Wer denkt, ich hätte gehörig einen Sprung in der Schüssel, weil meine grösste Freude darin besteht, mir an einem freien Tag einen gut 45 Kilometer langen Spaziergang anzutun, dem will ich das nicht ausreden. Aber sind die Feiertage nicht dazu da, um nach Lust und Laune umherzu­gurken?

Überhaupt, die Weihnachtstage sind besonders beständig. Seit sechs Jahren fällt meine Lernphase in diese festliche Zeit. Das Muster ist immer dasselbe: 4 Uhr Tagwache, die Zeit herumbringen mit unzähligen Stunden des Lernens, irgendwo eine Stunde Sport reinquetschen, abends das Familienessen.

Das zeichnete sich übrigens neben dem festlich gedeckten Tisch dadurch aus, dass ein Song immer gespielt wird, aufgrund besonderer Faszination eines Familienmitglieds dafür: «Driving Home For Christmas» von Chris Rea. Als Jugendliche liess mich die Faszination für dieses Stück etwas ratlos zurück, da die einzige Strophe des Songs eben ist: I’m driving home for christmas düdüdüdüdüüü. Und das wiederholt der gute Mann 40 Mal. Oder 100. Ich weiss es nicht. Mittlerweile, mit meinem fortgeschrittenen Alter, mag ich den Song und seine Besinnlichkeit – die Neigung wird genetisch bedingt sein.

Den Tag Pause, den ich mir dieses Jahr gönne, liess ich bislang aus. Da ich aber weiss, dass bis zum nächsten Treffen mit dem Zugersee gut sechs Monate verstreichen werden, habe ich mich dazu überwunden. In diesem Sinne, liebe Leser und Leserinnen, hoffe ich, Sie mögen sich ebenfalls einen Tag Pause gönnen.