Kolumne
«Seitenblick»: Die 50:50-Frage kommt am Ende

Unser Redaktor Marco Morosoli über die Tücken des Reisens.

Marco Morosoli
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Das Reisen ist heutzutage komplizierter. Im an sich grenzenlosen Europa haben die einzelnen Staaten plötzlich wieder fühlbare Mauern hochgezogen. Als in der Schweiz das Einkaufen bereits maskenlos möglich war, galten in Deutschland noch rigorosere Coronaregeln. Dumm zudem, dass sich die Mund-Nase-Bedeckungsregeln beim nördlichen Nachbarn noch von Bundesland zu Bundesland unterschieden. Aber letztlich war alles im grünen Bereich.

Reisen über den grossen Teich in die USA oder nach Kanada sind bezüglich der Vorbereitung aktuell zu einer Pein verkommen. Ja, vieles kann online erledigt werden. Doch wer glaubt, dass die «Ausfüllerei» über virtuelle Kanäle viel einfacher von der Hand geht, der kann böse Überraschungen erleben.

Noch vor drei Jahren konnte einer in Kanada einreisen, der ein paar Fragen – natürlich ehrlich – beantwortete. Die Coronapandemie hat aus den vier bis fünf Fragen einen Fragenmarathon entstehen lassen. Heutzutage holt also auch die kanadische Datenkrake aus.

Für die spezifischen Fragen zur Coronapandemie existiert noch eine zusätzliche App. Wer ein gutes Gedächtnis hat, der mag punkten. Die übrigen potenziellen Kanada-Reisenden müssen gut flunkern lernen. Die kanadischen Zollbeamten sehen ja auch nicht so furchteinflössend aus wie ihre US-Kollegen.

Der US-Zoll hat schon vor längerer Zeit seinen Fragebogen massiv ausgebaut und ihn nun im Zuge der Pandemie noch angepasst, oder besser gesagt ihm noch eine intime Note hinzugefügt. Eine Frage lautet: Hatten Sie schon den Tripper? Wer genau im Zweifelsfall den Beweis erbringen müsste, ob dem so sei, darüber klärt einem das Zollformular leider nicht auf.

Eine eher lustige Einlage mag die Frage sein, wie die beiden Elternteile der reisenden Person heissen, oder in meinem Falle hiessen. Noch deren Wohnort angeben zu müssen, setzt der Absurdität die Krone auf.

Noch härter geht es zu und her, wenn es bei den US-Zollbehörden um den Impfstatus geht. Selbst wer dreimal geimpft ist, muss noch einen Coronatest nachschieben. Ferner müssen alle Impfnachweise hinzugefügt werden. Ich bin nur schon froh, diese lückenlos vorliegen zu haben. Ich habe meine Unterlagen durch einen Schnelltest laufen lassen. Selbsttest gemacht, Die Antwort kam eine halbe Stunde später via ein E-Mail. Alles gut, aber der negative Coronatest fehlt.

So fahre ich nun mit weichen Knie zum Flughafen und lasse mich auf das Coronavirus testen. Das muss so sein, denn der Test darf bei der Einreise in die USA nicht älter als 24 Stunden sein. Die Flugzeit ist zu berücksichtigen. Ich hoffe auf das Gute. Ich habe alles so gemacht, wie mir befohlen. Jetzt hilft mir hoffentlich eine höhere Macht. Eine 50:50-Frage zum Schluss, das müsste nicht sein.