ROTKREUZ: Sie pflegen ein schönes Brauchtum

Die Klausengesellschaft Rotkreuz und Umgebung feiert ihr 50-Jahr-Jubiläum mit einem eindrucksvollen Umzug. Das Publikum spendet spontan Applaus.

Martin Mühlebach
Drucken
Der Iffelenträger ziehen durch Rotkreuz. (Bild: Werner Schelbert (3. Dezember 2016))

Der Iffelenträger ziehen durch Rotkreuz. (Bild: Werner Schelbert (3. Dezember 2016))

Martin Mühlebach

redaktion@zugerzeitung.ch

Rotkreuz, Samstag, 19.30 Uhr: Ein lauter Knall ertönt. Die Lichter gehen aus. Auf der Luzernerstrasse lassen weissgewandete Geisslechlöpfer ihre Peitschen rhythmisch knallen. Das zahlreich aufmarschierte Publikum spendet spontan Applaus. Wenig später hört man aus der Ferne das Geläut von unzähligen Trychlen. Und plötzlich tauchen, angeführt von Fackeln tragenden Kindern, hell leuchtende, mit christlichen Symbolen versehene Iffelen auf.

Marco Gull, der erst seit wenigen Monaten in Rotkreuz wohnt, strahlt mit den aus Karton gestanzten und mit farbigem Seidenpapier überklebten Kunstwerken um die Wette. Er sagt: «Die hell leuchtenden Iffelen gefallen mir sehr. Sie vermögen die eher düstere Stimmung aufzulockern, die während der Adventszeit herrscht.» Nach den Iffelenträgern sorgen drei Trychlergruppen für ein akustisches Feuerwerk. Ein kleines Mädchen stupst seine Mutter an und fragt: «Gsechsch de Godi?» Gemeint ist der 78-jährige Godi Hert, der seit 1972 ununterbrochen als stolzer Trychler der Klausengesellschaft Rotkreuz und Umgebung angehört. Noch länger dabei ist allerdings der nicht mehr aktive 86-jährige Pius Gunz, den Vereinspräsident Pirmin Achermann als «Mann der ersten Stunde» bezeichnet. Zu Recht, denn Pius Gunz hat vor 50 Jahren als Heimweh-Küssnachter mitgeholfen, das Brauchtum des Klausjagens in Rotkreuz ins Leben zu rufen. Pirmin Achermann erklärt: «Das Klausjagen basiert auf archaischen Ursprüngen mit verschiedenen rituellen Ansätzen. Auf die heidnische Dämonenvertreibung mit Licht und Feuer, auf das altgermanische Fruchtbarkeitsritual mit Lied und Tanz und auf dem christlichen Gabenspender Sankt Nikolaus.»

Allseits beliebte Klausbesuche

Mit rund 25 Geisslechlöpfern, 40 Iffelenträgern und gegen 100 Trychlern hat sich die Klausengesellschaft Rotkreuz und Umgebung zu einer Institution entwickelt, die einen wertvollen Beitrag zur Pflege eines schönen Brauchtums leistet. «Unserer Gesellschaft gehören Vertreter aus allen Volksschichten an, vom einfachen Büezer bis zum Generaldirektor», betont Achermann. Nebst hiesigen und auswärtigen Teilnahmen an Umzügen gehö­ren auch die allseits beliebten Klausbesuche bei Alleinstehenden, Kranken, Betagten und Kindern zum Programm. Wer einmal vom Virus des Klausjagens angesteckt worden sei, könne dieser Faszination kaum mehr entrinnen, schiebt Achermann nach.