Religion
Zehn Jahre Pastoralraum Zug Walchwil: Instagram, ein Konzert und das Kafi mit Seelsorge

Der Zusammenschluss von den vier katholischen Stadtzuger Pfarreien und der Walchwiler Pfarrei St.Johannes wurde am Dienstag gefeiert. Die Rednerinnen und Redner stimmten die Gläubigen auf weitere Veränderungen ein.

Fabian Gubser
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Der gemeinsame Instagram-Kanal. Ein Konzert auf dem Landsgemeindeplatz – in Zusammenarbeit mit lokalen Konzertagenturen. Das Kafi «d’Bauhütte» neben der Kirche St.Oswald in Zug, ein niederschwelliges Angebot für Seelsorge.

Das Kafi «d’Bauhütte» neben der Kirche St.Oswald in Zug ist ein niederschwelliges Angebot für Seelsorge.

Das Kafi «d’Bauhütte» neben der Kirche St.Oswald in Zug ist ein niederschwelliges Angebot für Seelsorge.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 7. November 2018

In der fast voll besetzten Kirche in Walchwil nennt der Pastoralraumpfarrer Reto Kaufmann drei Beispiele dafür, was in den letzten zehn Jahren zusammen erreicht wurde. Auch wenn er in Analogie zur Ehe gesteht, dass unterschiedliche Meinungen dazugehören, zieht er eine positive Bilanz: Insgesamt sei die Zusammenarbeit unter den Pfarreien heute enger als früher.

Unter dem Motto «Mutig in die Zukunft – gemeinsam» feierte der Verbund von den vier katholischen Stadtzuger Pfarreien und einer Walchwiler Pfarrei am Dienstag sein zehnjähriges Jubiläum.

In einem ersten Teil des Abends in der Kirche St.Johannes der Täufer erzählen verschiedene Mitarbeitende des Pastoralraumes davon, was sie antreibt. «Mein Herz schlägt für die Teilhabe aller Menschen an einem menschenwürdigen Leben», sagt Margrith Brechbühl, mitverantwortlich für den Fachbereich Diakonie und soziale Arbeit.

Bei Agatha Schnoz-Eschmann, die sich um die Altersarbeit kümmert, sind es die Diskussionen mit den Gläubigen, welche sich oft um die existenziellen Fragen des Lebens drehen. Nadin Imfeld vom Fachbereich Religionsunterricht und Katechese möchte «den Kindern mitgeben, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist und sie nicht alleine auf ihrem Weg sind».

Für unkonventionelle Auflockerungen sorgen, ganz gemäss dem Motto des Abends, eine Comedyshow und eine Gesangsimprovisation. Das Duo «Ohne Wiederholung» entwickelt, inspiriert von Begriffen aus dem Publikum und selbst gemachten Notizen während der vorangehenden Reden, spontan originelle Szenen. Diese zeigen humorvolle Alltagsgespräche zwischen Eheleuten – das Publikum amüsiert sich prächtig.

Dass solche Auftritte in der Kirche nicht zur Tagesordnung gehören, verdeutlicht die zuvor geäusserte Aufforderung an die Gläubigen, dass man lachen und klatschen dürfe.

Ebenso erfrischend ist die Gesangsimprovisation mit Kirchenmusiker Philipp Emanuel Gietl, bei der sich die Anwesenden singend frei im Raum bewegen und sich auf ihre Gegenüber wortwörtlich einstimmen.

Regionalverantwortliche fordert mehr Gleichberechtigung und Diakonie

Im Walchwiler Gemeindesaal, in dem der zweite Teil des Abends verbracht wird, wendet sich nach einem Apéro riche Brigitte Glur-Schüpfer an die Katholikinnen und Katholiken des «Zuger Westens». Als Regionalverantwortliche bildet sie in der pastoralen Hierarchie die Verbindung von Bischof Felix Gmür zum Pastoralraum. «Wir stehen vor grossen Herausforderungen wie Mitgliederschwund, Vertrauensverlust und schwindenden personellen und finanziellen Ressourcen.»

Damit machte sie klar, dass sich die Kirche verändern muss. Konkret: Neue Räume für Begegnungen, neue Korporationspartner und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. «Die Kirche soll wieder mehr diakonal funktionieren.»

Damit meine sie, dass sich die Kirche – ohne Berührungsängste – wieder mehr den Menschen zuwenden müsse, präzisiert sie auf Nachfrage. So, wie es ursprünglich Jesus getan habe.

Die neue Organisationsform des Pastoralraums wurde ursprünglich vom Bistum Basel unter seinem ehemaligen Bischof Kurt Koch beschlossen, um Synergien zu schaffen. Der Pastoralraum Zug Walchwil führte unter anderem gemeinsame Fachbereiche ein und entwickelte für jede Pfarrei ein eigenes Profil. Er zählt rund 15’000 Gläubige, 100 Mitarbeitende und 27 Kirchen und Kapellen.