Kolumne
«Die junge Sicht»: Regionales Fleisch oder Fleischalternativen?

Fabienne Michel zu vegetarischer und veganer Ernährung.

Fabienne Michel, Junge GLP Zug, Doktorandin Lebensmittelwissenschaften ETH
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Fabienne Michel.

Fabienne Michel.

Bild: PD

Die aktuelle Debatte um den Entscheid der Uni Luzern, auf vegetarische und vegane Gerichte zu setzen, beweist: Die vegetarische oder vegane Ernährung ist noch lange nicht so akzeptiert, wie es notwendig wäre, um den Klimawandel einzudämmen. Denn die extremen Wetterereignisse der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass der Klimawandel real ist und Politik, wie auch Gesellschaft, gefordert sind, Massnahmen zu ergreifen.

Rund ein Drittel aller CO2-Emissionen entfällt auf die Produktion von Lebensmitteln. Die Ernährung bietet also ein enormes Potenzial zur CO2-Reduktion. Im Fokus stehen vor allem proteinhaltige, tierische Lebensmittel. Denn es leuchtet ein, dass pflanzliche Produkte einen niedrigeren CO2-Ausstoss verursachen als tierische Produkte, da die Tiere zuerst aufgezogen und gefüttert werden müssen, bevor Milch, Eier oder Fleisch konsumiert werden können.

Oftmals werde ich als Lebensmittelingenieurin jedoch gefragt, ob nicht regionales Fleisch umweltfreundlicher als importierte oder stark verarbeitete Milch- und Fleischalternativen sei. Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick darauf, wie effizient verschiedene Tiere darin sind, Futter in Fleisch umzuwandeln. Während Hühner vergleichsweise gut darin sind, aus Futter Muskelmasse, also Fleisch, aufzubauen, sind Schweine etwas schlechter und Rinder wiederum noch viel weniger effizient.

Bei pflanzlichen Fleischersatzprodukten fällt der Anbau der Hauptbestandteile wie Soja, Erbsen oder anderen Hülsenfrüchten kaum ins CO2-Gewicht, jedoch sind der Grad der Verarbeitung und die Herkunft der Produkte zu berücksichtigen. Da der Transport per Schiff oder Lastwagen jedoch immer noch viel weniger CO2 verursacht als der Anbau von Futtermitteln und die Tierhaltung, lässt sich generell sagen, dass immer, wenn der Mensch in der Lage ist, pflanzliche Produkte direkt zu konsumieren, zum Beispiel in Form von Linsen, Tofu oder Bohnen, dies die umweltfreundlichste Option ist.

Auch die stark verarbeiteten Fleischalternativen sind in puncto CO2-Ausstoss dem einheimischen Rind- und Schweinefleisch überlegen. Der Vergleich zu Geflügel fällt je nach Vegi-Alternative mal zu Gunsten von Fleisch, mal zu Gunsten der pflanzlichen Produkte aus. Gleich wie beim Fleisch verhält es sich übrigens auch bei der Milch: Pflanzliche Milchalternativen verursachen deutlich weniger CO2 als Kuhmilch.

Die aktuellen Ereignisse haben uns gezeigt, dass es höchste Zeit ist, unsere Verhaltensweisen zu überdenken, um gegen den Klimawandel vorzugehen. Deswegen lohnt es sich auch, den eigenen Fleischkonsum kritisch zu reflektieren, anstatt sich über vegane Menupläne aufzuregen. Veränderung beginnt im Einzelnen. Brauche ich wirklich Schinken und Salami auf der Pizza oder tun es auch mal frische Champignons? Wie wäre es zur Abwechslung mit einer Karotten-Tomatensauce statt einer Bolognese zu den Spaghetti oder gebackenem Barbecue Blumenkohl statt einer Bratwurst? En Guete!

In der Kolumne «Die junge Sicht» äussern sich Mitglieder der Zuger Jungparteien zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.