Rätselhafte Gräber- und Feuergrubenfunde in Chamer Kiesabbaugebiet

Archäologen haben im Kiesabbaugebiet in Cham-Oberwil Funde aus dem frühen Mittelalter und aus der Bronzezeit gemacht. Entdeckt wurden Gräber und Feuergruben, ein Schwert und Skelettreste.

Raphael Biermayr
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Hisham Zobair beim Freilegen der verkohlten Holzreste aus einer bronzezeitlichen Feuergrube.

Hisham Zobair beim Freilegen der verkohlten Holzreste aus einer bronzezeitlichen Feuergrube.

Bild: Kathrin Rüedi, Amt für Denkmalpflege und Archäologie/PD

Die Fachleute der Zuger Archäologie stiessen im Kiesabbaugebiet Cham-Oberwil auf drei frühmittelalterliche Gräber. Die Grabstätten sind rund 1300 Jahre alt und waren schlecht erhalten, was ihre Entdeckung umso bemerkenswerter macht.

Das erste entdeckte Grab enthielt nicht nur Skelettreste der darin bestatteten Person, sondern auch farbige Glasperlen, teilt der Kanton mit. In einer zweiten Grube waren kaum mehr Skelettreste erhalten, stattdessen stiess man dort auf ein rund 80 Zentimeter langes Schwert und eine eiserne Gürtelschnalle.

Teil einer Gürtelschnalle aus dem 7. Jahrhundert. Auf der Gürtelschnalle, am rechten Rand, haben sich durch Rost geschützt Leder und Stoffreste erhalten.

Teil einer Gürtelschnalle aus dem 7. Jahrhundert. Auf der Gürtelschnalle, am rechten Rand, haben sich durch Rost geschützt Leder und Stoffreste erhalten.

Bild: Maria Ellend, Amt für Denkmalpflege und Archäologie/PD

Gleich daneben kam eine dritte, etwas kleinere Grube zum Vorschein, die neben Glasperlen auch sämtliche Zähne einer jungen Frau enthielt; die übrigen Knochen waren laut Mitteilung bereits vollständig zersetzt.

Alle drei Gräber gruppieren sich in der Nähe einer grossen Steinkonstruktion in Hufeisenform mit einem Durchmesser von über 10 Metern. Dazu wird Gishan Schaeren, Abteilungsleiter Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie, folgendermassen zitiert: «Die Gräber waren allesamt sehr schlecht erhalten und nur schwierig zu entdecken. Die Funde bieten einen faszinierenden Einblick in das Leben der ländlichen, aber dennoch nicht armen Bevölkerung vor rund 1300 Jahren.»

Hisham Zobair beim Freilegen des Grabes eines frühmittelalterlichen Kriegers aus der Zeit um 700 nach Christus. Deutlich erkennbar in der Bildmitte ist das erhaltene Eisenschwert.

Hisham Zobair beim Freilegen des Grabes eines frühmittelalterlichen Kriegers aus der Zeit um 700 nach Christus. Deutlich erkennbar in der Bildmitte ist das erhaltene Eisenschwert.

Bild: David Jecker, Amt für Denkmalpflege und Archäologie

Feuergruben mit verbrannten Knochensplittern

Im Weiteren stiessen die Fachleute auf mehrere Feuergruben, die mit dicht aneinander liegenden Hitzesteinen – also im Feuer zersprungenen Steinen – bestückt waren und verkohlte Hölzer enthielten. Die Gruben stammen aus der Bronzezeit (2200–850 vor Christus), und reichten teilweise noch bis 25 Zentimeter tief in den Boden. Ein vorgefundener Brandrötungssaum lässt darauf schliessen, «dass die Hitzeentwicklung innerhalb der Grube stark gewesen sein muss, denn nur dann wird der umgebende Boden wie Ton gebrannt und rötlich verfärbt», heisst es weiter. Die Feuergruben enthielten zahlreiche verbrannte Knochensplitter. «Unklar ist, ob es sich um tierische oder auch um menschliche Überreste handelt. Die Verwendung der Gruben bleibt deshalb vorerst noch rätselhaft.»

Die Besiedlung des Gebiets durch die Kelten (450–58 vor Christus) wird durch neue Funde bestätigt: etwa durch das Fragment eines Glasarmrings, eine Silbermünze mit stilisiertem Menschenkopf sowie eine mit eingraviertem Fabelwesen versehene Bronzemünze.