Zug
Preisgekrönte Destillate vom Zurlaubenhof

Sie sind stets mit dem Besten zufrieden: Augenschein am nationalen Brennertag in einer von mehreren Zuger Schnapsmachereien. Die «Brennerei des Jahres» verzeichnete regen Besuch.

Nils Rogenmoser
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Ein eingespieltes und kreatives Team: Thomas und Cordula Heiner in ihrer Brennerei.

Ein eingespieltes und kreatives Team: Thomas und Cordula Heiner in ihrer Brennerei.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 12. November 2021)

Die Brennereikultur ist in der Schweiz seit Jahrhunderten tief verankert. Am Samstag fand landesweit der nationale Brennertag statt, in dessen Rahmen Neugierige diverse Brennereien besuchen, Köstlichkeiten degustieren sowie erwerben und das Handwerk bestaunen konnten. Im Kanton Zug öffneten die Brennereien «Heiner’s Destillate», «Etter Soehne AG» sowie die «Distillerie Hotz» ihre Pforten für die Öffentlichkeit.

Beim Aufrufen der Website der Schnapsmacherei «Heiner’s Destillate», springt einem sogleich ein Zitat des schillernden Schriftstellers Oscar Wilde (1854–1900) ins Auge: «Ich habe einen ganz einfachen Geschmack. Ich bin stets mit dem Besten zufrieden.» Diese Philosophie haben die Schnapsmacher Thomas und Cordula Heiner in ihr Wirken implementiert. Sie führt aus: «Unser Obst kaufen wir möglichst regional ein, was seinen Preis hat – bei der Qualität machen wir keine Abstriche, das ist uns wichtig. Nebst klassischen Obstbränden und Geisten bieten wir auch Spezialitäten wie unseren Safran Gin an, der in Zusammenarbeit mit der bündnerischen Safranerei entstanden ist.» Die Leidenschaft ist aus ihren Worten offenkundig herauszuspüren, und die hat dem Ehepaar gepaart mit viel Fleiss heuer den Titel «Brenner des Jahres» eingebracht.

Sich informieren und degustieren

Thomas und Cordula Heiner brennen nebenberuflich seit dem Jahr 2017 auf dem Zurlaubenhof in Zug. Am Samstagvormittag haben sich an ihrer Wirkungsstätte schon einige Besucherinnen und Besucher eingefunden. Diese können bestaunen, wie im Brennofen vor ihren Augen Schnaps gebrannt wird und selbst auch einige der Produkte testen – wobei die Wahl bei den vielen Leckereien nicht leichtfällt. Gleich ins Auge fällt die klare grafische Linie der Produkte-Etiketten, denen die Farbe Orange zugrunde liegt. Cordula Heiner erklärt, dass der Vertrieb von zu vielen Produkte wirtschaftlich gesehen keinen Sinn mache:

«Wir haben gelernt, uns ein wenig einzugrenzen und so unseren Grundsätzen treu zu bleiben. Der Verkauf von Gin lohnt sich für uns, da sich Gins in der Schweiz momentan einer grossen Beliebtheit erfreuen.»

Als humorvolle Zeitgenossen überlegt sich das Paar jeweils auch kreative Produktnamen. In Anlehnung an die flachen Schokoladentäfelchen mit Pfefferminzgeschmack (After Eight) werde ein neuer Schokoladenlikör der beiden «Nach Acht» heissen, erläutert Thomas Heiner mit einem Schmunzeln.

Das Interesse der Besucherinnen und Besucher an den Produkten und deren Herstellungsweise war gross.

Das Interesse der Besucherinnen und Besucher an den Produkten und deren Herstellungsweise war gross.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 12. November 2021)

«Die Inspiration finde ich bei Waldspaziergängen»

Das Ehepaar ist ein eingespieltes Team – während Cordula Heiner beispielsweise beim Verkauf auftrumpft, ist die Tätigkeit des Brennens seine Sache. «Als Sensoriker habe ich schon mit fast allem herumgetüftelt – eine Liebhaberin oder ein Liebhaber findet sich für jeden Geschmack. Die unterschiedlichen Aromen sind für mich das Schönste an meiner Arbeit. Es ist immer wieder erstaunlich, dass der rohe Geschmack eines Obstes sich derart vom Gebrannten unterscheiden kann», meint Thomas Heiner. Er hebt die Spezialität «Vogelbeere Imholz» hervor, die während 15 Monaten im Eichenfass geruht hat. Es sei faszinierend, dass nach dem Brennen der roh giftigen Vogelbeeren ein derart wunderbares Produkt entstehen könne. «Die Inspiration fürs Brennen finde ich, wenn ich durch die Wälder gehe und mich bewusst auf die Düfte und Geschmäcker der diversen Waldfrüchte achte», erklärt er abschliessend. Parallel sorgen Sepp Feierabend, Richi Grunder und Werni Kessler als Fyrabig-Musig für volkstümliche Klänge, welche die Stimmung auf dem Zurlaubenhof zusätzlich erheitern.

27./28. Nov.: AusZug, Desigmesse in der Shedhalle; 11. Und 19. Dezember Degustation in der Schnapsmacherei; Infos unter www.heiners-destillate.ch