Bildung
Praktisch und ästhetisch: Die gelungene, sanfte Renovation eines denkmalgeschützten Schulhauses

Das aus den 1970-er Jahren stammende Schulhaus Röhrliberg I in Cham wurde ausgebaut und saniert. Dabei gehen Alt und Neu nahtlos und harmonisch ineinander über. Pandemiebedingt fand die offizielle Einweihung erst am Samstag, 25. September statt.

Dorotea Bitterli
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Die Nahtstelle zwischen Altbau und Aufstockung ist durch die eigens für das Schulhaus hergestellten Klinkersteine kaum sichtbar.

Die Nahtstelle zwischen Altbau und Aufstockung ist durch die eigens für das Schulhaus hergestellten Klinkersteine kaum sichtbar.

Bild: Mathias Blattmann (Cham, 26. September 2022)

Zur offiziellen Eröffnung ihres neu sanierten Schulhauses Röhrliberg I hatte die Einwohnergemeinde Cham am Samstag Bevölkerung und Medien zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Gemeinderätliche Begrüssung, zwei Führungen und Stände mit Kaffee, Gipfeli und Grill gehörten zum Programm. Gemeinderat Rolf Ineichen, Projektleiter Hochbau/Liegenschaften, Basil Stocker und weitere Fachpersonen waren vor Ort und standen für Interviews zur Verfügung.

Näherte man sich dem bekannten markanten Backsteinbau, fielen einem an der Aussenwand neben dem Aula-Eingang Fotos aus verschiedenen Bauetappen und filigrane Baupläne ins Auge, die erahnen liessen, wie hochkomplex die Herausforderungen für das nun abgeschlossene Projekt gewesen sein müssen.

Architekt Marcel Baumgartner zeigt die Baupläne.

Architekt Marcel Baumgartner zeigt die Baupläne.

Bild: Mathias Blattmann (Cham, 24. September 2022)

Der Originalbau stammt aus den 1970-er Jahren

Gemeinderat Ineichen fasste in seiner Begrüssungsrede denn auch zusammen, was 2013 bis 2022 zwischen Architektur-Wettbewerb und Vollendung alles passiert war. Die in den 1970er-Jahren vom Architekten Josef Stöckli erbaute Schulanlage benötigte zu Beginn der 2010er-Jahre aufgrund der Zunahme der Schülerzahlen einerseits mehr Raum, und musste andrerseits den neusten sicherheits- und energietechnischen Anforderungen genügen.

Dass zudem im Herbst 2015 das Schulhaus ins Inventar schützenswerter Baudenkmäler aufgenommen wurde, bedingte eine Überarbeitung der ursprünglichen Projektpläne von Architekt Marcel Baumgartner. Dank guter Zusammenarbeit mit Stöckli und der Denkmalpflege gelang das Projekt optimal. Das abgeschlossene Gesamtwerk beweist, wie Alt und Neu sich fast unsichtbar und nahtlos ineinanderfügen und bis ins kleinste Detail überzeugende Lösungen gefunden werden konnten.

Der ursprüngliche Bau aus den 1970-er Jahren wurde von Architekt Josef Stöckli entworfen.

Der ursprüngliche Bau aus den 1970-er Jahren wurde von Architekt Josef Stöckli entworfen.

Bild: Mathias Blattmann (Cham, 24. September 2022)

Nebst Erneuerungen von Sanitäranlagen und Elektroleitungen, neuen Fenstern und IT-Installationen wurden zwei Anbauten und zwei Aufstockungen erstellt. Somit konnte über 2000 Quadratmeter Nutzfläche hinzugewonnen werden.

Klinkerwände wiederholen sich auch im Gebäudeinneren, wie hier in der hellen Bibliothek.

Klinkerwände wiederholen sich auch im Gebäudeinneren, wie hier in der hellen Bibliothek.

Bild: Mathias Blattmann (Cham, 24. September 2022)

Für die nächsten 40 Jahre gewappnet

Eingefügte Betonscheiben garantieren Erdbebensicherheit, und eine Fotovoltaik-Anlage liefert Energie von rund 130000 kWh im Jahr. «Das Röhrliberg I ist für die nächsten 40 Jahre ertüchtigt», meinte Ineichen. An den beiden Führungen durch Projektleiter Basil Stocker konnten die schätzungsweise 200 Interessierten mit eigenen Sinnen wahrnehmen, wie schulische Praktikabilität, Technik-Anforderungen und Materialien eine ausserordentlich ästhetische Symbiose eingegangen sind.

Angefangen bei der gelungenen Begegnung von warm-rotem Backstein und gefaserter Beton-Oberfläche, über die vermittelnde Transparenz zwischen Schulzimmern und Gruppenräumen durch Glaswände, die perfekt ausgerüsteten neuen Schulküchen mit gemütlicher Dachterrasse und bewässertem Kräutergärtchen, bis zur lichtdurchfluteten Bibliothek samt Arbeitsecken über den renovierten Turnhallen.

Interessante Aus- und Einblicke durch Bullaugenfenster.

Interessante Aus- und Einblicke durch Bullaugenfenster.

Bild: Mathias Blattmann (Cham, 24. September 2022)

Auch die Kunst am Bau wurde aufgefrischt

Auffallend schön auch die aufgefrischten gelben und roten Email-Schalungen an den Türen: Sie wurden in den 70er-Jahren von der Künstlerin Eva Pauli als «Kunst am Bau» geschaffen. Die Betagte wurde denn auch beim Neubau hinzugezogen und vermittelte in einem Workshop das Know-how zum Material.

Das mahagonifarbene Aulaparkett wurde aufpoliert, Lampen-, Lavabo-, Möbeldesigns und Farben bewahrt oder mit Geschmack ergänzt. Die Neupflästerung von Eingängen und Plätzen und eine vorbildliche naturnahe Umgebungsgestaltung führten schliesslich dazu, dass Cham im Mai 2022 sogar mit dem Label der Stiftung Natur & Wirtschaft ausgezeichnet wurde.

Ein wohnlicher Küchenbereich für die Lehrpersonen.

Ein wohnlicher Küchenbereich für die Lehrpersonen.

Bild: Mathias Blattmann (Cham, 24. September 2022)