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Erste Halbzeit fatal, in der zweiten der Sieg: Pausenansprache des Trainers zeigte Wirkung

Der SC Cham gewinnt die Promotion-League-Partie gegen die Young Boys II 3:1. Das Verhalten des SC Kriens bewegte die Gemüter.

Martin Mühlebach
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Vor dem Anstoss des Spiels verabschiedete der Chamer Sportchef Marcel Werder nicht weniger als sieben Spieler: Mario Bühler, Marco Rüedi, Lukas Riedmann und Mauro Bender werden in der kommenden Saison die Farben des SC Kriens tragen. Und es ist nicht auszuschliessen, dass auch Julian Hermann, Célien Wicht und Rrezart Hoxha den SC Cham Richtung Kriens verlassen werden.

Marin Wiskemann (links) vom SC Cham erzielte zwei Tore gegen die Young Boys II.

Marin Wiskemann (links) vom SC Cham erzielte zwei Tore gegen die Young Boys II.

Bild: Roger Zbinden (Cham, 28. Mai 2022)

Auf der Tribüne wurden diese Vereinswechsel mit Worten kommentiert wie: «Es ist eine Schande, dass sich Kriens nach dem Abstieg aus der Challenge League schamlos beim zukünftigen Ligakonkurrenten Cham bedient.» Oder: «Die Spieler beteuern immer wieder, wie gut es ihnen wegen des Zusammenhalts innerhalb des Vereins in Cham gefällt. Wenn aber ein Ligakonkurrent ein paar Franken mehr bezahlt, zählt der Vereinszusammenhalt plötzlich nichts mehr.»

Marin Wiskemann, der zum Sieg gegen YB U21 einen Doppelpack schnürte, meinte nach dem Abpfiff: «Der Exodus würde wohl kaum stattfinden, wenn die Verträge mit den eingangs erwähnten Spielern im Winter verlängert worden wären, als der Abstieg des SC Kriens bereits so gut wie sicher feststand. Zu diesem Zeitpunkt hätten alle, die nun zu Kriens wechseln, ihre Verträge verlängert.»

Trotz Ermahnungen anfänglich stümperhaft

Doch nun zum Spiel. Cham geriert bereits nach vier Minuten durch ein vermeidbares Tor 0:1 in Rückstand. Vermeidbar, weil die Abwehr der Platzherren schlicht und einfach schlief. Was die Chamer, mit wenigen Ausnahmen, während der gesamten ersten Halbzeit taten.

Trainer Roland Schwegler forderte sein Team mehrmals lautstark auf, entschlossener in die Zweikämpfe zu steigen, die ­Lücken zwischen Abwehr und Angriff zu schliessen und den Torerfolg entschlossener anzustreben. Es nützte nichts. Die Chamer Spieler überboten sich mit stümperhaften Ballannahmen und Fehlzuspielen.

Nach dem Wiederanstoss agierte Cham sichtlich entschlossener. Der Pausentee schien die vorhin schläfrigen Gemüter geweckt zu haben. Assistenztrainer Emilio Gesteiro verriet: «Roland Schwegler hat in seiner Pausenansprache an den richtigen Schrauben gedreht. Er hat an den Ehrgeiz seiner Spieler appelliert und deutlich gemacht, dass die Abwehr aktiver verteidigen muss. Von der Offensive hat er mehr Druck auf die gegnerische Defensive gefordert.»

Dank Wiskemann geht Cham in Führung

Schweglers Worte zeigten Wirkung. In der 50. Minute ­verwertete Nico Siegrist ein Zuspiel von Daniel Follonier zum 1:1-Ausgleich. Und in der 62. Minute führte eine herrliche Ballstafette zur 2:1-Führung. Der sich nun immer vehementer in den Angriff einschaltende Aussenverteidiger Julian Hermann sprintete der Aussenlinie entlang und lancierte Lukas Riedmann, der zur Mitte flankte, wo Marin Wiskemann den viel umjubelten Führungstreffer erzielte.

Und als Wiskemann den Ball in der 71. Minute in die Maschen knallte, stand der 3:1-Heimsieg des SC Cham fest. Marin Wiskemann meinte bescheiden: «Ich bin froh, dass ich einen Doppelpack schnüren konnte. Aber mehr noch freut es mich, dass wir als Team gewonnen und uns den 8. Tabellenrang definitiv gesichert haben.»