Öffentlicher Verkehr
Die Coronapandemie sorgt bei der ZVB für tiefrote Zahlen

Der Verlust der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) im Jahre 2021 beträgt 3,38 Millionen Franken. Diese Zahl hat das Transportunternehmen anlässlich seiner Generalversammlung in Steinhausen präsentiert.

Marco Morosoli
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Der öffentlichen Hand geht es im Kanton Zug trotz Coronapandemie blendend. Der öffentliche Verkehr hingegen darbt. Bei der Generalversammlung der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) vom Donnerstag, 9. Juni, in Steinhausen blieb den Anwesenden denn auch hinterher nichts im Halse stecken. Ein erneuter Verlust bei der operativen Tätigkeit der ZVB war erwartet worden – und ist eingetreten. Er liegt für das Jahr 2021 bei 3,38 Millionen Franken.

Wie die ZVB in einer Medienmitteilung schreiben, war es möglich, dieses Finanzloch dank solider Reserven, angespart aus zurückbehaltenen Gewinnen aus früheren Jahren, auszugleichen. Die Politik des Zurückhaltens kann sich die ZVB leisten, da sie sich sind mehrheitlich im Besitze der öffentlichen Hand befindet. Alleine der Kanton Zug hat 68 Prozent sämtlicher ZVB-Aktien in seinem Portfolio.

Der öffentliche Verkehr ist ein Produkt mit langen Vorlaufzeiten. Wohl kaum einer der Planer hat in der Mitte der 2015er-Jahre an eine Coronapandemie gedacht. Diese langen Zyklen sind im Kanton Zug aktuell. Dass ausgerechnet im schwierigsten Pandemiejahr 2021 der öffentliche Verkehr im Kanton Zug einen neuerlichen Angebotsausbau orchestrierte, ist reiner Zufall.

So gibt es nunmehr zum ersten Mal überhaupt eine Verbindung zwischen den Dörfern Menzingen und Neuheim. Diese Premiere und viele weitere Neuerungen bezeichnen die ZVB in ihrem Bericht zur Generalversammlung als vorausschauend: «Die weitsichtige Planung ermöglicht es, das Mobilitätswachstum der kommenden Jahre aufzunehmen.» Die ZVB schreiben weiter, dass Abend- und Sonntagsverbindungen hinzugekommen seien.

Viertelstundentakt auf Hauptlinien wieder im Angebot

So fahren die ZVB seit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember den Viertelstundentakt auf ihren Hauptlinien wieder. Dieses Angebot war unter den Hammer des kantonalen Sparprogramms 2015-18 geraten. Stolz vermerken die ZVB zudem, dass trotz des Minus die Arbeitsplätze erhalten blieben. Ebenfalls habe die finanzielle Lücke hausintern gedeckelt werden können.

Im Vorjahr haben die ZVB 14,75 Millionen Menschen transportiert. Das sind rund 30 Prozent weniger als im Vorpandemiejahr 2019. Der ZVB-Verwaltungsratspräsident Peter Letter, er sitzt für die FDP im Zuger Kantonsrat, betonte an der ordentlichen ZVB-Generalversammlung zudem, dass erste Zahlen in diesem Jahre zuversichtlich stimmen. Seit März steigen die Fahrgastzahlen auf dem ZVB-Netz wieder deutlich an.

Möglicherweise hat auch der Wegfall der Maskenpflicht ab dem 1. April 2022 schon eine positive Wirkung gezeitigt und den Fahrgäste-Zuspruch erhöht. Die Maske war seit Juli 2020 in den Bussen wie auch Zügen in der Schweiz obligatorisch.

Hohe Ziele bei der Elektromobilität

Oberste Priorität geniesst bei den ZVB auch die Umstellung der Strassenfahrzeuge auf Elektrobusse. Die ZVB-Flotte wächst in diesem Jahr um acht Busse mit Elektroantrieb. Es handelt sich dabei um E-Gelenkbusse. Diese kommen auf verschiedenen Linien im Talboden zum Einsatz. Bekanntlich haben sich die ZVB zum Ziel gesetzt, bis ins Jahr 2035 komplett auf Elektrobetrieb umzustellen.

Still beerdigt ‒ und anderen ÖV-Anbietern folgend ‒ haben die ZVB den Taschenfahrplan fürs laufende Fahrplanjahr. Dazu steht im Geschäftsbericht 2021: «Es sind immer weniger Nicht-digital-Reisende unterwegs.» Dabei sei die Nutzung der Taschenfahrpläne um rund 75 Prozent eingebrochen. Dieser Verzicht hat den praktischen Nebeneffekt, dass Fahrpläne auch während des Jahres anpassbar sind. Nur was sich ändert, bleibt erhalten.