Kolumne «Standpunkt»
Mehr Platz für die Realität

Die Stadtzuger Ortsplanung soll bald in trockenen Tüchern sein. Und ist dennoch weit weg. Bei diesem Regelwerk allerdings gilt es realistisch zu bleiben, was die Forderungen betrifft.

David Meyer, Gemeinderat GLP, Oberwil
David Meyer, Gemeinderat GLP, Oberwil
Drucken

Sie soll bald so weit sein, ist aber irgendwie doch weit weg. Die Ortsplanung. Abstrakt aber doch konkret wirkt sie in unserm Alltag. Wozu ist die gut? Sie ordnet den Ort. Wo wird was gebaut: Häuser, Wege, Parks, Strassen, Schulhäuser, Schwimmbäder, Parkplätze etc. also alles das, was wir künftig um uns herum aufgestellt haben und in dem wir uns tagtäglich bewegen.

Dazu wurden Umfragen gemacht, wie die Leute es denn gerne haben möchten. Um die 1000 Personen nahmen daran teil, die grosse Zahl gilt als erfolgt. Es sind aber von den 30000 Einwohnern der Stadt Zug nur um die 3 Prozent. Ob es aussagekräftig ist? Die restlichen 97 Prozent der Bewohner von Zug blieben fern.

Die Krux an solchen Umfragen ist, dass man selber aktiv werden muss, aktiv etwas tun muss, um nicht übergangen zu werden. Anstatt die vorgefertigten Antworten anzukreuzen hoffen 97 Prozent der Leute auf die offiziellen Institutionen der Demokratie. Zu Recht haben sie die Detailarbeit delegiert, an die Vertreter, die sie in den GGR oder den Kantonsrat gewählt haben. Etwas, das Sie just diesen Monat bei den Gesamterneuerungswahlen wieder tun können.

Wir im Parlament schauen uns die Geschäfte an, diskutieren und entscheiden in einer Mischung aus Sachzwängen und dem Antrieb, der Stadt und dem Kanton eine gute Zukunft zu schaffen. Stein für Stein, Geschäft für Geschäft. Aber zurück zu den Umfragen der Ortsplanrevision. Wenn 3 Prozent der Einwohner ihre Vorstellungen zu Protokoll gegeben haben und diese als Massstab der Zukunft gelten sollen, sind 97 Prozent der Einwohner nicht abgebildet. Wie gross ist die Chance, dass die Vorstellungen der wenigen bestehen können gegen Mehrheit die unausgesprochen blieben? Breit abgestützt ist sicher anders.

Eine Ortsplanrevision ist als erstes abstrakter Hochglanz. Später dann werden wir viel von den farbigen Bildern in den Schnetzler der Realität werfen müssen. So erläutert die städtische Broschüre, dass es mehr getrennten Verkehr geben soll, mehr Grünraum in der Innenstadt, mehr schöne Aufenthaltsorte, mehr Wohnraum für alle, mehr Platz für das Gewerbe und mehr Zuzüger. Mehr von allem?

Mehr Platz für die Realität wär gut. Es wäre ein Luftschloss, in dem wir wohnen würden. Der Boden ist begrenzt, die Mittel nicht unendlich, wir werden Prioritäten setzen müssen. Bei all den Umfragen in der Bevölkerung waren die Schwergewichte in einer Ortsplanung kaum enthalten.

Zum Beispiel Schulhäuser, wo der Mangel schon länger mit Provisorien kaschiert wird. Es ist seit Jahren ein Hin und Her der Ideologien. Am Schluss steht eben gar kein Schulhaus. Ein neues Schwimmbad wäre mal was, wie eine just angelaufene Initiative möchte. Die Idee ist nach Jahrzehnten bestimmt angebracht. Wo soll es denn stehen? Plötzlich wird es eng. Wie war das schon wieder mit den Prioritäten?

Die Pflichtbauten und Bestandsbauten müssen gesichert sein, also die Sache mit den Schulhäusern geklärt, dann die mit dem gealterten Feuerwehrdepot, dem Werkhof, den in die Jahre gekommenen Sportanlagen oder die Frage wo man in unserer Stadt denn fair wohnen kann. Arbeiten und etwas Geld verdienen möchte man ja auch und da, immerhin, da haben wir in der Politik einen Erfolg zu verbuchen, denn der Bebauungsplan der V-Zug mit vielen modernen Arbeitsplätzen kam mit Bravour durchs Parlament und auch die Bevölkerung begrüsste ihn.

Das ist eben das Schöne an durchdachten Strategien. Für die Ortsplanrevision ist das ein Ansporn und man nehme für sich mit: Es gibt noch viel zu tun.

In der Kolumne «Standpunkt» äussern sich Mitglieder des Grossen Gemeinderats Zug zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.