Männersport pflegt Brauch

Seit 2005 frönt der Männersport Hünenberg dem Chugeli-Trölen.

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Immer im Herbst treffen sich zahlreiche Männersportler zu diesem Wettbewerb in der freien Natur. Beim einfachen, aber spannenden Kugelspiel stehen sich üblicherweise zwei Mannschaften von vier bis sechs Spielern gegenüber. Es können aber auch mehrere Mannschaften in verschiedenen Spielabschnitten spielen. Gespielt wird mit einer Eisenkugel von ca. 1,5 Kilogramm Gewicht.

Der Männersport Hünenberg beim Chugeli-Trölen.

Der Männersport Hünenberg beim Chugeli-Trölen.

Bild: PD

Die Mannschaften werden nach den Farben von Jasskarten (Eichle, Schälle, Rose, Schilte) bezeichnet. Diese werden von den Spielern an den Hut geheftet und mit ihnen wird auch bestimmt, welche Farbe beginnen kann. Gespielt wird auf einer Naturstrasse. Das Werfen der Chugeli (rollen) ist eine grosse Herausforderung. Unebenheiten des Strassenbelages können dazu führen, dass die Kugel im Strassengraben oder in der Wiese landet. Dabei gelten folgende Regeln: Der erste Werfer wirft so weit wie möglich. Dort, wo die Kugel stillsteht, ist dann der Ausgangspunkt für den nächsten Wurf. Fliegt die Kugel aus der Strasse, wird dort weitergespielt, wo die Kugel die Strasse verlassen hat. Wenn alle Teilnehmer geworfen haben, gilt diejenige Mannschaft als Sieger, die die weiteste Strecke geworfen hat. Sie erhält einen Gutpunkt. Sieger ist die Mannschaft mit den meisten Punkten. Sie hat damit die gesamthaft weiteste Strecke geworfen. Die Gewinnermannschaft zahlt im Zielrestaurant eine Runde.

Chugeli-Tröle wurde schon vor 300 Jahren gespielt

Man nimmt an, dass dies auf die Zeit zurückgeht, als Schweizer Söldner in fremden Diensten tätig waren und nach ihrem erfüllten Kriegsdienst zu Fuss heimkehrten. Dabei sollen sie sich den langen Heimweg abwechslungsreicher gestaltet haben, in dem sie jeweils eine Kanonenkugel vor sich hinwarfen, wie es der Historiker Franz Karl Stadlin in seinem Buch über Hünenberg aus dem Jahre 1819 beschrieb. Dieses Chugeli-Tröle wurde in verschiedenen Orten der Schweiz weitergepflegt. Vor allem im Bernbiet, im Züribiet, im Freiamt usw. sollen Hochburgen des Spiels gewesen sein.

Niklaus Holzmann, der einstige Gemeindeschreiber und Hünenberger Chronist, war der Ansicht, dass die Hünenberger das Spiel vom Freiamt übernommen hätten. Anfang des 20.Jahrhunderts bildeten sich verschiedene Interessengruppen. So erwachten in Hünenberg die Fasnachts- und Chugeli-Trölergesellschaft wieder zum Leben. Es entstand ein Chugeli-Trölerverein mit eigenen Satzungen, Statuten und Protokollen. Zeitweise wies der Verein über 50 Mitglieder auf. Mit dem Aufkommen des immer dichteren Strassenverkehrs wurde es für die Chugeli-Tröler schwieriger, geeignetes Gelände für ihren Sport zu finden. Das führte dazu, dass das Interesse an diesem Spiel mehr und mehr verloren ging. 1984 versuchte eine Gruppe Hünenberger dieses Spiel wieder zu beleben, leider ohne Erfolg. Bei der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft im Jahr 1991 wurde das Chugeli-Tröle in Hünenberg wieder zum Leben erweckt. Über Jahre spielte man es dann auch in einzelnen Quartieren. Der Männersport nahm das Turnier 2005 in das sportlich gesellschaftliche Mittwochsprogramm der Senioren auf. Inzwischen wurde auch ein geeignetes Gelände gefunden. Gespielt wird nun seit einigen Jahren auf der vom Gestüt Schlatt (Müswangen) bis zum Restaurant Horben führenden Naturstrasse auf einer Strecke von rund vier Kilometern. Beda Boos war seit Beginn für die Organisation verantwortlich. Nun übergibt er den Stab an Walter Wyss. Seit der Gründung des Vereins im Jahr 1966 hat sich Beda Boss über Jahrzehnte sehr verdienstvoll für den Männersport engagiert.

Für den Männersport Hünenberg: Alois Rast