Leserbriefe
Lesermeinungen zum Transplantationsgesetz

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 15. Mai über die Änderung des Bundesgesetzes

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Um es gleich klar zu sagen, ich werde zur erweiterten Widerspruchslösung ein Nein einlegen. Selber bin ich Organspender. Den Ausweis habe ich vor Jahren ausgefüllt, und ich trage ihn ständig bei mir. Natürlich habe ich im Unterricht (ich war mal Biologielehrer) erwähnt, dass man neben dem Blut auch Organe spenden könne. Es genüge unter anderem das Vorliegen eines ausgefüllten Organspendeausweises. Was das bewirkt hat, ich weiss es nicht. Weshalb scheint mir ein Nein die vernünftigere Lösung, zwei Argumente stehen im Vordergrund.

Die körperliche Unversehrtheit ist als Grundrecht auch über den Tod hinaus gültig. Grundrechte stehen uns vorbehaltlos zu. Tatsächlich dürfen gemäss Bundesverfassung Grundrechte eingeschränkt werden. Mir scheint diese Einschränkung im Zusammenhang mit der Organspende falsch. Es heisst in der Verfassung, dass der Kerngehalt des Grundrechtes erhalten werden muss. Ist es nicht gerade ein Kerngehalt, dass mir das Grundrecht ohne Vorbehalt zusteht. Wenn jetzt für ein Grundrecht eine Aktivität (ich muss ein Nein eintragen) verlangt wird, ist meines Erachtens der Kerngehalt verletzt.

Will ein Mensch mit der neuen Regelung keinesfalls ein Organ spenden, muss das Nein sicher vermerkt sein, z.B. im Organ- und Gewebespenderegister, und das Nein muss in nützlicher Frist zweifelsfrei gefunden bzw. eruiert werden. Die vorgesehenen Regelungen sind umfangreich, detailliert und scheinen sicher. Nur, welche Gewähr hat der oder die Einzelne, wie speziell sie oder er auch immer sein mag, dass ihr oder sein Nein ein Nein sein wird? Ich bin mir da, nicht zuletzt aufgrund der teilweise grandios gescheiterten Projekte zur Einführung von insbesondere elektronischen Registern bzw. Dossiers und der menschlichen Willenskundgebung in letzten Dingen nicht so sicher. Ich unterstelle niemandem unlautere Absichten, aber Fehler sind möglich. Diese Art Fehler zu verhindern, ist nur möglich, indem ich zur vorgeschlagenen Änderung Nein sage.

Vielleicht, die bisherigen Abläufe im Umfeld der Organspenden lassen mich das zumindest vermuten, sind wir im tiefsten Innern gar nicht so freigebig mit unserem Körper und unseren Organen, wenn es denn um die höchst persönlichen, letztendlichen Dinge geht.

Pirmin Jans, Steinhausen


Das Transplantationsgesetz wird keine gewöhnliche Abstimmung sein. Es ist eine Abstimmung, welche wichtiger und weitreichender ist als viele Gesetzesänderungen zuvor.

Steuerpolitik, Umweltpolitik oder Sozialpolitik sind alles relevante Themenbereiche. Im Vergleich zum Transplantationsgesetz wirken jene Themen jedoch belanglos. Denn in dieser Abstimmung entscheiden wir über das Grundlegendste und Wertvollste auf der Welt: das Menschenleben!

Indem wir die erweiterte Widerspruchslösung für Organspenden annehmen, können jährlich bis zu 250 Menschenleben gerettet werden. Es ist ein «Ja», das uns nichts kostet und dennoch viel bewirkt.

Wir haben es in der Hand, jenen Menschen zu helfen, die zurzeit auf der Warteliste stehen. Stimmen Sie am 14. Mai Ja zum Transplantationsgesetz. Sie können dann später ja immer noch «Nein» sagen!

Tao Gutekunst, Präsident, FDP Cham