Leserbrief
Lesermeinungen zum Krieg in der Ukraine

Zu den aktuellen Entwicklungen in der Ukraine.

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Es ist einer der schwärzesten Augenblicke in der europäischen Geschichte seit dem 2. Weltkrieg: die Invasion in die Ukraine durch eine übermächtige russische Militärmacht. Sie bringt millionenfaches Leid über die Zivilbevölkerung und könnte Europa an den Rand eines Atomkrieges führen. Der Kanton Zug, insbesondere aber auch die Stadt Zug, sind in einer besonderen Verantwortung. In Zug sitzen die beiden Nord-Stream-Firmen, welche einerseits die bestehende aktive Pipeline von Zug aus steuern und anderseits mit Nord Stream 2 die neue Pipeline durch die Ostsee gebaut haben und in Betrieb nehmen wollen. In Zug sitzt ebenfalls Gazprom Schweiz AG mit einer Tochtergesellschaft. Die CSP ruft die Regierung von Stadt und Kanton dazu auf, unverzüglich alle informellen und formellen Kanäle zu nutzen, um auf die Führungsriege der genannten, dem Kreml personell und finanziell stark verbundenen Firmen einzuwirken, damit diese ihren Einfluss auf Moskau geltend machen. Es kann nur ein Ziel geben: sofortiger Waffenstillstand und Rückzug der russischen Truppen. Jeder Tag zählt.

Vroni Straub-Müller, Co-Präsidentin, und Martin Iten, Vorstand CSP, Zug


Ab und zu muss man sich eingestehen, dass man sich getäuscht hat. Putin ist ein Despot, aber er war für mich berechenbar. Ich hätte nie gedacht, dass er die Ukraine direkt angreift. Es gibt nun zwei Erklärungsversuche: Putin ist immer noch der gewiefte Stratege und hat Informationen, die uns unbekannt sind, dann bleibt der Konflikt regional, oder er ist ganz einfach krank und dann wäre es brandgefährlich für alle. Er wäre nicht der erste kranke Despot, welcher als Kranker einen Flächenbrand verursacht. So oder so, man darf zwei Aspekte nicht vergessen: Mit der Osterweiterung der EU und der Nato wurde Russland aggressiv in die Enge getrieben. Für mich hat der Westen an der heutigen Eskalation einen nicht zu unterschätzenden Anteil. Zudem darf man die Machtfülle von Putin nicht vergessen. Er hat sein Land noch im Griff. Aber wenn der Westen mit seinen unsinnigen Massnahmen destabilisiert, dann dürften die Folgen massiv sein, denn dann hätte der Westen nach dem Irak, nach Libyen wieder einmal ein Land von einem Despoten befreit und ein Volk in die Armut getrieben, dem es mit Ausnahme einiger «Rebellen» und Intellektuellen gut ging. Bis jetzt hat nämlich der Export der westlichen Demokratien nur Leid und Tod gebracht.

Michael Ebinger, Rotkreuz


Als in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 die Truppen des Warschauer Paktes, angeführt von der Sowjetunion, mit ihren Panzern in die damalige Tschechoslowakei einfuhren und den Demokratisierungsprozessen ein jähes Ende bereiteten, erfasste auch die Schweiz eine ungemeine Welle der Solidarität, ja Wut. Meine Erinnerung bleibt, wie wir als Schulkinder durch die Strassen zogen und «Dubcek, Svoboda» – zwei der damaligen tschechoslowakischen Freiheitsführer – riefen. Die Erinnerung begleitete mich ein Leben lang – und so war es für mich fast ein Muss, am 20. August 2018 auf dem Prager Wenzelsplatz zu stehen und nach 50 Jahren das tschechische Volk zu erleben. Nun war aber spürbar, dass bei der jüngeren tschechischen Generation das damals vergossene Blut durch mutige Widerstandskämpfer schon etwas in Vergessenheit geraten war. Item. Nun geschieht in der Ukraine Ähnliches. Ich finde das anfängliche Zögern des Bundesrates in Sachen Sanktionen beschämend. Auch die Zuger Regierung könnte aus dem Schatten treten und die im Kanton Zug ansässigen, Putin-freundlichen Oligarchen zu unerwünschten Personen erklären. Auf diese Steuereinnahmen können wir getrost verzichten und wahre Anteilnahme zeigen und nicht nur leere Worte.

Gianni Pirali, Rotkreuz


Als Einwohner der Stadt Zug erwarte ich, dass sich in Zug ansässige Firmen wie Nord Stream 2, Gazprom M&T etc. und der russischen Führung nahestehende Einzelpersonen, wie zum Beispiel Viktor Vekselberg, vorbehaltlos von dem völkerrechtswidrigen Überfall Russlands auf die Ukraine und insbesondere dem Sturm auf die Hauptstadt Kiew distanzieren und ihren Einfluss für eine friedliche Lösung geltend machen. Andernfalls sind sie meiner Meinung nach bei uns nicht mehr willkommen.

Martin Würmli, Zug


Wladimir Putin hat der Ukraine das Recht auf Souveränität abgesprochen, womit er das Völkerrecht mit Füssen getreten hat. Indem er die Ukraine mit Krieg überzieht und in ein unabhängiges Land einmarschiert, darf sich wohl niemand mehr Illusionen über seine Absichten machen. Es ging ihm nie um eigene Sicherheitsbedürfnisse oder um die Einhaltung von Versprechungen, welche möglicherweise vor über 30 Jahren gemacht wurden. Nein, es geht ihm darum, durch Tod und Zerstörung anderen Staaten seinen Willen aufzuzwingen und Grenzen neu zu ziehen. Eine Art der Politik, welche zumindest in Europa der Vergangenheit anzugehören schien. Wir müssen uns eingestehen, dass die Machtpolitik doch nicht aus Europa verschwunden ist. Was dies für die Zukunft für die Sicherheit unseres Landes und von Europa bedeutet, lässt sich noch nicht abschätzen.

Die Schweiz soll sich nun nicht hinter der Neutralität verstecken, wenn es darum geht, dieses Vorgehen hart zu sanktionieren. Neutralität kann nicht heissen wegzuschauen, wenn das Völkerrecht und fundamentale Werte wie Freiheit und das Recht zur Selbstbestimmung auf so brutale Art und Weise angegriffen werden. Diese Werte sind auch für uns zentral und darum muss die Schweiz hier und heute klar Farbe bekennen. Es braucht aber auch eine grundsätzliche Neubeurteilung der sicherheitspolitischen Lage. Daraus müssen auch weitere Investitionen in unsere Armee erfolgen. Denn ohne eine starke Armee lässt sich unsere Neutralität und unsere Freiheit nicht glaubhaft schützen. Höhere Investitionen in die Armee waren seit 30 Jahren kaum mehr ein Thema, in dieser Zeit konnten wir von der Friedensdividende profitieren. Doch seit dem 24. Februar ist diese definitiv aufgebraucht.

Mark Gustafson, Gemeinderatskandidat FDP, Baar