Kontroverse
Flötenunterricht – schöne oder grauenvolle Erinnerung?

Die meisten haben ihre ersten musikalischen Erfahrungen an der Blockflöte gemacht. Die Beurteilung dieser Zeit fällt unterschiedlich aus.

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Raphael Biermayr

Raphael Biermayr

Wer in Cham einst Blockflötenunterricht genoss, der war süchtig nach Spinnen. Sie waren die ultimative Auszeichnung dafür, dass man eine zufriedenstellende Flöten­stunde abgeliefert hatte. Ja, der Blockflötenunterricht bei Frau Huber war ein Ereignis.

Weniger wegen des Instruments oder des Musizierens, sondern wegen der Güte und Nachsichtigkeit, die die Lehrerin an den Tag legte. Ausdruck dieser Güte waren erwähnte Spinnen in Aufkleberform. Es gab auch andere Motive, man konnte seine Auszeichnung wählen. Einem ungeschriebenen Gesetz zufolge wusste jeder, dass Spinnen die Besten waren. Vielleicht weil das Sujet etwas gruslig und daher cool war. Allerdings gab es damals das Wort «cool» noch gar nicht im hiesigen Sprachgebrauch. Dafür Spinnen im Flötenheft. Und die waren ... wahrscheinlich sagte man «lässig».

Lässig in einem anderen Sinne war auch Frau Huber. Sie ertrug selbst die – manchmal absichtlich herbeigeführten – kreischendsten Misstöne mit beeindruckender Langmut. Und sie freute sich aufrichtig, wenn jemand die Tonleiter («Do-re-mi-fa-so-la-ti-do») richtig spielen konnte – manche sogar rückwärts! Ja, die Erinnerungen an diese Zeit ist eine schöne. Und obwohl das Können später in der Weihnachtsstube nicht einmal für ein halbordentliches «Stille Nacht» reichte, so hatte es im Flötenunterricht wenigstens nicht an Spinnen gemangelt.


 Harry Ziegler

Harry Ziegler

Ich liebe Musik. Solche, die andere machen. Ich bin, was das Musizieren betrifft – ob mit Instrumenten oder Stimme – absolut talentfrei. Deshalb war es für mich auch eine Qual, den Musikunterricht besuchen zu müssen. Meine Eltern hatten sich, wohl unter dem Eindruck pädagogischer Ratgeber, dazu entschlossen, ihren Erstgeborenen das Blockflötenspiel erlernen zu lassen. Sehr zu dessen Missfallen. Denn neben der bereits erwähnten Talentfreiheit war auch immer ein Nachmittag – der am Mittwoch, an dem ich sowieso frei und ohnehin viel Besseres als Musikmachen zu tun hatte – dahin.

Hinzu kamen die Stunden, die ich mit Üben verbringen musste. Und dass meine Eltern nach kurzer Zeit herausfanden, dass ich mein gequältes Flötenspiel aufgenommen und zur Täuschung abgespielt habe, hat nicht zur Motivation beigetragen. Zwei Tatsachen trösten mich allerdings darüber hinweg, beim Blockflötenspiel und allen weiteren Versuchen, ein Instrument – Klarinette – zu erlernen, gescheitert zu sein. Zum einen haben diese fruchtlosen Versuche meiner Liebe zur Musik nie einen Abbruch getan.

Auch wenn sich meine (leider ebenso talentfreien) Sprösslinge beklagen, mein Musikgeschmack ende beim Heavy Metal der 80er-Jahre. Was stimmt. Zum anderen musste mein jüngerer Bruder durch die genau gleiche Schule gehen. Aber auch er liebt Musik. Und, wie ich, nur die von anderen erzeugte.

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