Kommentar «Chefsache»
Freistellung des Leiters der Durchgangsstation Steinhausen: Die Reaktion kommt zu spät

Er postete auf seinem Facebook-Profil rund ein halbes Jahr lang homophobe, sexistische und weitere problematische Beiträge. Geklagt wurde aber schon früher über den Leiter der Durchgangsstation Steinhausen. Nun ist der Schaden definitiv angerichtet.

Harry Ziegler
Harry Ziegler
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«Sehr gemein» sei er gewesen, er habe gemobbt und schikaniert. Die Rede ist vom mittlerweile freigestellten Leiter der Durchgangsstation Steinhausen. Gestolpert ist er allerdings, wie unsere Zeitung am Donnerstag publik machte, nicht über Gemeinheiten, Mobbing oder Schikanen. Gefallen ist er über homophobe, sexistische und prorussische Posts auf Facebook.

Dass ein leitender kantonaler Angestellter derartige Äusserungen tätigt, ist grundsätzlich bedenklich und muss in der nun getroffenen vorsorglichen Freistellung und der eingeleiteten Untersuchung gipfeln. Vor allem, wenn die Person in einem schon an sich heiklen Bereich wie dem Zuger Asylwesen arbeitet. Aber: Mindestens eine Untersuchung wäre bereits früher angebracht gewesen. Nämlich dann, als die Mobbing- und Schikane-Vorwürfe bekannt wurden.

Stattdessen hat es die Direktion des Innern vorgezogen, ein mögliches Problem auf Kosten des Personals auszusitzen. Da stellt sich unweigerlich eine Frage. Was ist wichtiger: Das Image des Kantons oder das Wohl des Personals? Geht man von der aktuellen Freistellung des Stationsleiters aufgrund der Facebook-Posts aus, scheint klar: Die Sorge ums Image ist wichtiger als jene ums Personal.

Dahingestellt bleibe einmal, ob dabei die Sorge um den Ruf des Kantons oder jenen des Departementsvorstehers im Vordergrund steht. Da hilft es auch nicht, dass der Departementsvorsteher nun erklärt, von den problematischen Posts überrascht worden zu sein. Diese Aussage beschädigt sowohl das Image des Departementsvorstehers als auch jenes des Kantons als Arbeitgeber.

Das ganze aktuelle Problem mit dem damit einhergehenden Rufschaden hätte das zuständige Departement vermeiden können, hätte es die Zeichen und Bedenken, die bezüglich des Leiters der Durchgangsstation bereits früher ausgesandt worden waren, gehört und ernst genommen.

Fazit: Solche Aktionen schaden dem Ruf des Kanton und wären bei früherem Hinschauen absolut unnötig. Lehre daraus: Departementsvorsteher hört auf das Personal und nehmt die Anliegen ernst. Denn in den meisten Fällen hat dessen Murren einen Grund. Und einmal zu viel hinschauen, schadet dem Image des Kantons und dem eigenen ganz sicher nicht. Im Gegenteil.