Kolumne
«Standpunkt»: Ein Zurlauben-Fonds

Gemeinderat David Meyer darüber, dass man manchmal über den Tellerrand hinausschauen muss, um eine Lösung zu finden.

David Meyer, Gemeinderat GLP
David Meyer, Gemeinderat GLP
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Der Zurlaubenhof steht in der Stadt Zug und hat regionale Bedeutung. Die Stadt kann das 400-jährige Gehöft kaufen. Und so wird es rasch politisch, denn soll man das kaufen oder nicht?

Ein derart einmaliges Ensemble für die Zukunft sichern zu können, kommt wirklich nur sehr selten vor. Vergleichbares geschah damals in den 1980er-Jahren mit der Burg Zug, auch dort konnte man die Burg aus jahrhundertealtem Familienbesitz abkaufen und sie ist seit 1983 als Museum für alle zugänglich.

Dass die Allgemeinheit historische Zeitzeugen kauft, das ist, wie die Burg Zug zeigt, kein Experiment, sondern bereits erfolgreiche Praxis. In Zug sind wir uns dessen nicht so bewusst, weil es in letzter Zeit kaum je auftrat, denn es gab nur wenig Historisches, das zum Kauf steht. Nun ist es aber wieder so weit.

Nur ist es mit dem Zurlaubenhof nicht ganz gleich wie bei der Burg Zug, denn zum Gehöft gehört auch Bauland, mit prächtiger Aussicht und entsprechend viel Potenzial für gehobene Wohnungen.

Dass die Stadt mit Steuergeldern in ein gehobenes Wohnungssegment eindringt, widerspricht eigentlich einer guten Staatsführung. Aber der Zurlaubenhof kann nur als Gesamtpaket mit dem Bauland gekauft werden und er hat historischen und starken Identitätscharakter für die Region.

Der Zurlaubenhof war ab dem 17. Jahrhundert der Hauptsitz der «Firma» Zurlauben, welche die jungen Männer aus dem Zugerbiet rekrutierte und für die Kriegsdienste nach Frankreich schickte. Das hatte regionale Auswirkung. Wer damals keinen Hof erben konnte, dem bot sich meist nur die Möglichkeit des Kriegsdienstes, denn Industrie zum Arbeiten gab es noch nicht und Gewerbe war Sache der Zünfte. Auch kam damals aus den Reihen der Zurlauben immer unangefochten der Zuger Delegierte für die Tagsatzungen der Eidgenossenschaft. Sie stellten sozusagen garantiert immer den Zuger Ständerat. Nach der Französischen Revolution brach das Geschäft dann zusammen.

Wenn die Stadt den Zurlaubenhof kaufen würde, könnte man auf der bebaubaren Wiese vergünstigte Wohnungen erstellen. Aber dies passt nicht recht zwischen das altehrwürdige Gehöft des Zurlaubenhofs und der historischen Athene und wird dem Potenzial der Parzelle kaum gerecht.

Es gibt eine viel neuere Entwicklung in der Stadt Zug der letzten Jahre, denn viele Wohnblöcke kommen langsam ins Alter und werden mit Neubauten ersetzt oder totalsaniert. Danach sind die Mieten höher. Langjährige Zugerinnen und Zuger können sich deshalb immer schwerer in der Stadt halten, sobald ihr bisheriges zu Hause umgebaut und teurer neuvermietet wird. Unverschuldet müssen sie wegziehen. Dies ist stossend.

So haben wir Grünliberalen eine Anfrage bei der Stadt eingereicht, ob ein städtischer Fonds eröffnet werden kann, in welchen Einnahmen fliessen wie zum Beispiel Erträge aus der Vermietung von städtischen Wohnungen vom Zurlaubenhof oder auch aus anderen Quellen. Mit diesem Fonds könnten langjährige Ortsansässige zweckgebunden unterstützt werden, sodass Mietaufschläge nach Hausumbauten teilweise übernommen werden können.

Das hätte den Vorteil, dass berücksichtigte Personen weiterhin in ihrem angestammten Quartier verbleiben können und somit ihr soziales Umfeld behalten. Ein solcher Fonds wäre nicht als alleinstehende Massnahme zu sehen, sondern er ist ein weiteres Puzzleteil neben anderen Mitteln für faire Mietpreise.

Das alles ergäbe für einmal lauter Gewinner in dem sonst meist blockierten Themenfeld des städtischen Wohnungsbaus.

In der Kolumne «Standpunkt» äussern sich Mitglieder des Grossen Gemeinderats Zug zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.