Wirtschaftsbeilage 2021
Kleinräumigkeit kann laut der Zuger Volkswirtschaftsdirektorin auch von Vorteil sein

Die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann setzt nicht nur auf tiefe Steuern. Unternehmen müssen sich im Kanton wohlfühlen.

Harry Ziegler
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Die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut (Die Mitte).

Die Zuger Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut (Die Mitte).

Bild: Matthias Jurt (Zug, 19. November 2021)

Der Kanton Zug wächst an allen Ecken und Enden. Nicht nur bevölkerungsmässig. Die Wirtschaft im Kanton Zug wächst genauso stark. Es stellt sich deshalb die Frage: Wo kann dieses Wirtschaftswachstum im Kanton wie stattfinden, und was ist der Auslöser? Mit den Fragen zur wirtschaftlichen Expansion beschäftigt sich Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut (Die Mitte).

Zug sei einer der beliebtesten Wirtschaftsräume. Dies unter anderem dank der hohen Standortattraktivität, erklärt Statthalterin Silvia Thalmann-Gut. Aber nicht nur. «Wenn man die Zuger Wirtschaft betrachtet, sind die Nähe, die kurzen Wege, die Vernetzung ein grosser Vorteil.» Neben der genannten Standortattraktivität sei zudem die diversifizierte Branchenstruktur ein nicht zu unterschätzender Wachstumstreiber. Es sei, so die Volkswirtschaftsdirektorin, der Mix aus lokalen und internationalen kleinen, mittleren oder grossen Firmen, der die Weiterentwicklung des Kantons vorantreibe. Sie betont, dass das Wirtschaftswachstum nicht auf Teufel komm raus stattfinden solle, es müsse vielmehr qualitativ sein. Der Fokus werde entsprechend auf diese qualitative Entwicklung der Wirtschaftsräume im Kanton gelegt.

Spricht man von Wirtschaftsräumen im Kanton Zug, sind nicht nur Gewerbestandorte wie beispielsweise Industriegebiete gemeint, sondern auch Cluster (siehe Link am Ende des Textes). Cluster sind definiert als Netzwerke eng zusammenarbeitender Unternehmen. Cluster entstehen vor allem aus der regionalen Ballung von Unternehmen und anderen Organisationen, die ein gemein­sames Tätigkeitsfeld verbindet. Im Kanton Zug ist beispielsweise an den so­genannten Life Science Cluster mit Pharma, Biotech und Medtech oder ICT inklusive Fintech und Blockchain zu denken.

Was sich entwickelt, wird begleitet

Cluster entstehen einerseits aus enger Zusammenarbeit von Unternehmen, die im selben oder in einem verwandten Tätigkeitsfeld arbeiten; andererseits entstehen sie aus der regionalen Ballung. Wofür der kleine, überschaubare Kanton Zug wie geschaffen ist. Silvia Thalmann-Gut: «Cluster-Bildung ist nicht etwas, was wir als Kanton initiieren oder steuern können.» Entwickelt sich etwas Neues, komme es darauf an, wie wohl sich Unternehmen fühlen, wie sie begleitet und unterstützt werden. «Wir haben keine Liste mit Wunschclustern für die Zukunft. Wenn sich etwas entwickelt, dann sind wir da und treiben diese Entwicklung voran», führt Silvia Thalmann-Gut aus. Damit ein Cluster entstehen könne, müsse sehr vieles zusammenpassen. Neben den attraktiven Steuern müsse beispielsweise der Standort geografisch gut liegen, in Zug sei dies beispielsweise die Nähe zum Flughafen. Für Silvia Thalmann-Gut ist klar, dass die Entwicklung eines Clusters begleitet werden müsse. «Mit allen Themen.» Der Kanton versuche, die besten Bedingungen für ein wirtschaftsfreundliches Umfeld zu schaffen. «Dazu gehören auch gegenseitiges Vertrauen, Erreichbarkeit und Stabilität», sagt die Volkswirtschaftsdirektion. Wichtig sei zudem das Vernetzen der jeweiligen Akteure.

«Es gibt Unternehmen, die gezielt nach diesem Umfeld suchen.» Das bedeute, dass sie vielfach in derselben Branche tätig seien oder allenfalls Zulieferer von Unternehmen in einem Cluster seien. Solche Unternehmen meldeten sich häufig wegen dieses Umfelds.

Kurze Wege in alle Richtungen

Die Volkswirtschaftsdirektion beobachtet die Entwicklungen innerhalb des Kantons. «Wenn sich ein neuer Cluster entwickelt, schauen wir, welche Player sich bereits im Kanton Zug befin- den», erklärt Silvia Thalmann-Gut. «Wir überlegen uns, welche Ergänzungen sinnvoll wären.»

Laut Silvia Thalmann-Gut kennen sich die meisten Player bereits. Dennoch seien sie interessiert daran, sich über verschiedene Plattformen auszutauschen. «Das ist nichts Neues, aber wir als Kanton sind sehr daran interessiert, dass es Möglichkeiten gibt, damit sich Unternehmen finden.» Der Begriff «Cluster» bedeutet zwar Ballung, muss aber nicht automatisch dazu führen, dass sich alle Unternehmen in einem einzigen Gebiet ballen. Durch die Kleinräumigkeit des Kantons können Unternehmen in der Stadt Zug domiziliert sein und mit Unternehmen in Rotkreuz unkompliziert und schnell zusammenarbeiten, weil die Wege kurz sind. «Uns wird von den spezialisierten Unternehmen, zum Beispiel aus der Pharmabranche, zurückgemeldet, dass sie hier die benötigten Fachkräfte finden. Das heisst, dass wir bei qualifizierten Arbeitnehmern als Raum bekannt sind, der Lebensqualität bietet. Man befindet sich in einem effektiven Umfeld, in dem es laut Silvia Thalmann-Gut nicht nur für die Arbeitgeber, sondern auch für die Arbeitnehmer interessant sei. Das Gesamtpaket stimme im Kanton Zug.