Beatrice Landolt: «Ich achte von allen Seiten her auf das Licht»

In der Galerie Billing in Baar zeigt Beatrice Landolt ihre atmosphärischen Malereien – erstmals in der Schweiz.

Monika Wegmann
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Lebt seit 2014 wieder in der Schweiz: Betrice Landolt. Heute widmet sie sich nur noch der Malerei.

Lebt seit 2014 wieder in der Schweiz: Betrice Landolt. Heute widmet sie sich nur noch der Malerei.

Bild: Patrick Hürlimann (Baar, 26. Oktober 2020)

Keine Frage, das künstlerische Flair steckt schon lange in Beatrice Landolt, auch wenn sie heute mit 73 Jahren erstmals ihre Malereien ausstellt, zumindest in unserem Land. Das hängt damit zusammen, dass die quirlige Künstlerin mit dem langen Zopf im Silberhaar rund 50 Jahre in den USA gelebt und sich dort der Keramik und Malerei gewidmet hat. Daher der Titel der Ausstellung «Looking Back», weil Beatrice Landolt, die derzeit in Menzingen lebt, in den Bildern viele Erinnerungen an vergangene Zeiten verwebt.

Die in gegenständlicher Manier mit Öl- und Pastellkreide gemalten Bilder, welche die Galerie Billing derzeit zeigt, strahlen eine ästhetische und surreale Atmosphäre aus. Insbesondere die im gegenständlichen Stil gehaltene Serie, zu denen «Das Publikum» gehört. Darauf steht der Hinterkopf einer Frau übergrossen Insekten gegenüber, deren Körper in allen Farben fluoreszieren. Morbid wirkt «To the Other Shore», wo die Künstlerin Insekten mit Knochen kombiniert hat. Ähnlich im Stil aufgebaut ist «Looking Back», allerdings ist hier ein schmaler Streifen Ozean erkennbar, der, wie Beatrice Landolt sagt, «für mein Heimweh nach den USA steht».

Ganz anders ist ihre Hommage an die Designerin Christa Carouge ausgefallen, nachdem sie deren Ausstellung in Zug gesehen hat. Die beiden Werke «Christa in Grey I und II» zeigen wenige, schlichte Kleiderausschnitte, aber nicht wie im Original in Schwarz, sondern in Grau. Andere Werke mit Brunnenelementen, die sie in Ölpastell auf Leinwand realisiert hat, erinnern sie an Reisen in Europa. Auch Kirchen und stimmungsvolle Bilder des Zugersees sind zu sehen.

Fotos sind der Ausgangspunkt

Die Kirchen oder Landschaften, die ihr speziell aufgefallen sind, werden zuerst fotografiert. «Aber ich achte von allen Seiten her auf das Licht. Das Sujet übernehme ich und transformiere es. Ich spiele mit der Information. Wenn ich fotografiere, habe ich bereits das spätere Motiv im Kopf», erläutert die Künstlerin im Gespräch. Manche Elemente wie die Insekten übernehme sie aus dem Internet und baue sie ins Bild ein. Auf der Leinwand skizziere sie die Proportionen mit wenigen Strichen. «Ich fange einfach an. Das Motiv entwickelt sich während des Schaffensprozesses. Mit meinen Bildern will ich auch nicht politisieren oder philosophieren. Ich lasse es einfach laufen.»

Neben der Malerei in Öl und Ölpastell stellt die Künstlerin einige kleinere keramische Arbeiten aus, die an ihre frühere Tätigkeit auf diesem Gebiet erinnern.

Heute malt sie nur noch

Beatrice Landolt ist im Kanton Zug aufgewachsen. Sie besuchte in den sechziger Jahren die Ballettakademie in Zürich, ging nach London und besuchte ab 1971 die Hochschule für bildende Kunst in Berlin mit dem Schwerpunkt Keramik.

Als freischaffende Künstlerin (Keramik, Malerei) lebte sie danach in den USA. Im Jahre 2014 ist sie wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Und voller Motivation ergänzt sie: «Seit ich in Europa bin, male ich nur noch, denn das ist körperlich nicht so schwer wie die Arbeit mit der Keramik. Die Malerei ist in den letzten Jahren für mich sehr wichtig geworden, ich gehe jeden Tag in mein Chamer Studio.»

Hinweis
Die Ausstellung Looking Back von Beatrice Landolt läuft bis 22. November in der Galerie Biiling in Baar, Haldenstrasse 1. Die Öffnungszeiten: Mo, Do, Fr, 14–18 Uhr, Sa, 10–16 Uhr.