HÜNENBERG: «Werde die Gäste wahnsinnig vermissen»

Nach 20 Jahren hört Cornelia Waldispühl-Amgwerd im Restaurant Wart auf. Der Grund: Sie und der Korporationsrat hatten unterschiedliche Auffassungen zum Pachtzins.

Rahel Hug
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Noch bis am kommenden Mittwoch wird Cornelia Waldispühl-Amgwerd in der Wart-Gaststube wirten. Dann ist für sie Schluss.Bild: Werner Schelbert (Hünenberg, 16. Dezember 2016)

Noch bis am kommenden Mittwoch wird Cornelia Waldispühl-Amgwerd in der Wart-Gaststube wirten. Dann ist für sie Schluss.Bild: Werner Schelbert (Hünenberg, 16. Dezember 2016)

Die «Wart» ist ein geschichtsträchtiger Ort. Hier trafen sich die Hünenberger früher, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Vor über 300 Jahren wurde das Restaurant gebaut. 1926 liess die Korporation das Haus sanieren und die Fassade durch den Zürcher Künstler Heinrich Appenzeller bemalen.

Hinter den historischen Mauern geht nun eine Ära zu Ende. 20 Jahre lang hat Cornelia Waldispühl-Amgwerd hier gewirtet. Am kommenden Mittwoch wird sie ihren letzten Arbeitstag bestreiten. Die gebürtige Hünenbergerin verlässt das beliebte Gasthaus, weil sie sich mit der Besitzerin, der Korporation, nicht über den Pachtzins einigen konnte. Die Korporation bestätigt diese Information in einer Medienmitteilung. Man habe sich aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zum Pachtzins trotz intensiver Gespräche nicht finden können, heisst es. Gleichzeitig wird der langjährigen Wirtin für ihr Engagement gedankt. Diskussionen über den Pachtzins habe man schon vor acht Jahren geführt, erzählt Waldispühl im Gespräch.

Vor rund einem Jahr sei für sie der Entscheid gefallen, Ende 2016 aufzuhören, falls man sich weiterhin nicht einigen könne. Der Frust ist der 53-jährigen Wirtin anzumerken. «Ich bin traurig, dass diese Ära zu Ende geht. Ich werde die Gäste wahnsinnig vermissen», sagt sie. Ihr sei es ein Anliegen, ihrem Team und allen Gästen zu danken. «Alle haben ihren Teil zum Gelingen beigetragen.» Während ihrer Zeit in der «Wart» hat Cornelia Waldispühl den Wandel in der Branche, Stichwort Promille-Obergrenze und Rauchverbot, hautnah miterlebt. «Es war nicht einfach, sich zu behaupten. Wir haben immer versucht, etwas Besonderes zu bieten», sagt Waldispühl und meint dabei unter anderem die zahlreichen Kulturanlässe, die sie organisiert hat. Die «Wart» sei ein Restaurant für alle gewesen, neben den Geschäftsleuten beim Fünfgängemenü hätten sich die Leute aus dem Dorf zum Jassen getroffen.

Emmer Firma übernimmt interimistisch

Ihre Mitarbeiter, darunter Küchenchef Andreas Geisendorf, hätten alle eine Anschlusslösung gefunden, ist Waldispühl erleichtert. Sie selber hat ebenfalls Pläne, wie es weitergehen soll. «Die sind aber noch zu wenig konkret, um sie zu verraten.»

Und was passiert in der «Wart»? Der Korporationsrat habe sich umgehend um eine aufbauende Nachfolgeregelung bemüht, heisst es in der Mitteilung der Eigentümerin. «Trotz fachkundiger Unterstützung gelang es dem Rat leider nicht, innert nützlicher Frist einen neuen Pächter zu finden, da die Wirte meist längerfristige Mietverträge haben.»

Das Restaurant Wart wird per 1. Februar trotzdem wieder eröffnen – die Firma Amareno aus Emmen wird das Lokal interimistisch weiterführen. «Dies verschafft dem Korporationsrat Zeit, um einen am Restaurant Wart interessierten und qualifizierten Wirt zu prüfen und eine gute und zukunftsorientierte Lösung zu finden.» Cornelia Waldispühl ihrerseits hofft, dass dereinst ein passender Pächter die «Wart» übernimmt: «Es wäre schade, wenn das Restaurant für immer durch eine anonyme Grossfirma betrieben würde.» Trotz ihrem Wehmut bleibt die Vollblut-Gastronomin, wie sie sich selber bezeichnet, optimistisch: «Das Leben geht weiter. Ich freue mich auf die Ustrinkete. Es wird ein fröhlicher Abend mit musikalischer Unterhaltung.»

Hinweis

Am Mittwoch, 21. Dezember, findet um 18.30 Uhr die Ustrinkete statt. Am Freitag, 23. Dezember, steht zwischen 14 und 17 Uhr Weihnachtsdekoration zum Verkauf.

Rahel Hug