Gemeindeversammlung
Das Hünenberger Stimmvolk hat Kredite beschlossen und seine Steuern gesenkt – wenn auch nicht ganz so tief

Von den neun Traktanden an der Hünenberger Gemeindeversammlung gab nur eines zu reden.

Linda Leuenberger
Drucken

Wenn eine Gemeinde ihren Steuerfuss um fünf Prozentpunkte senken will, das aber fast der Hälfte der Leute an der Gemeindeversammlung zu wenig ist, dann wissen Sie, Sie sind in Zug.

94 von 215 Stimmberechtigten hoben am Montagabend im Saal Heinrich von Hünenberg die Hand für eine Motion der SVP, die Steuern von 65 auf 59 Prozent zu senken anstatt auf 60, wie es der Gemeinderat vorgesehen hatte.

Ein Steuerfuss im 50er-Bereich sei «psychologisch interessanter», lautete das Hauptargument, das die Präsidenten der SVP und FDP hervorbrachten. Damit überzeugten sie zwar eine beachtliche Menge von 94 Leuten, aber keine kritische Masse. Mit 110 Stimmen für den Vorschlag des Gemeinderats war das absolute Mehr knapp erreicht, die SVP-Motion versenkt und die Steuern auf 60 Prozent festgelegt.

Drohnenaufnahme von Hünenberg.

Drohnenaufnahme von Hünenberg.

Bild: Patrick Hürlimann

Alle Geschäfte einstimmig angenommen

Abgesehen von diesem kleinen Showdown verlief die Gemeindeversammlung äusserst unkontrovers. Zu Beginn verkürzte sich der Traktandenkatalog um einen Punkt auf neun. Die IG Zythus-Areal zog ihre Motion zurück, in der sie Ladestationen für E-Autos an der S-Bahn-Station Zythus gefordert hatte. Es mache keinen Sinn, so die Sprecherin, in Zeiten einer Energiemangellage E-Ladestationen zu diskutieren. Die IG werde die Motion in einer späteren Gemeindeversammlung wieder vorbringen.

Weiter sprachen die Stimmberechtigten einstimmig den Kredit für einen neuen Skatepark im Ehret. Es waren zwar junge Leute im Saal, die das Wort hätten ergreifen können, um sich nochmals für ihr Anliegen auszusprechen, aber wahrscheinlich ahnten sie schon, wie bequem die fast 600'000 Franken bei den Stimmberechtigten durchrutschen würden. Ebenso unaufgeregt einstimmig sprach die Stimmbevölkerung die Kredite für die Sanierung des Schulhauses Matten, für eine neue IT-Infrastruktur und den Entwässerungsplan.

Bevor zum Schluss mehrere Behördenvertreterinnen und Behördenvertreter verabschiedet wurden – darunter der bisherige Sicherheits- und Umweltvorsteher Hubert Schuler, der sich als Abschiedsgeschenk gewünscht hatte, seinen Gemeindelaptop behalten zu dürfen –, beantwortete der Gemeinderat die Interpellation eines Hünenbergers, in der dieser verschiedene Fragen gestellt hatte zum Zythus-Areal und dessen voraussichtlich baldigen Grundeigentümerin SBB.

Als der Gemeinderat mit seiner Antwort fertig war, trat der Interpellant ans Mikrofon. Eins wolle er noch loswerden. «Die Kommunikation mit dem Gemeindeschreiber», begann er, und man hätte eine Schimpftirade erwartet, «war so professionell und speditiv – bei einer solchen Verwaltung macht es schon fast Spass, Steuern zu zahlen.»