Gemeinderatswahl
Eine Kandidatin und zwei Kandidaten für den freien Sitz im Gemeinderat Unterägeri

Mit der Wahl von Fridolin Bossard (FDP) zum Gemeindepräsidenten wird ein Platz in der gemeindlichen Exekutive frei. Die FDP möchte ihren zweiten Sitz verteidigen. Die Mitte und die SVP je einen zweiten dazugewinnen.

Carmen Rogenmoser
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Unterägeri, von Oberägeri aus fotografiert.

Unterägeri, von Oberägeri aus fotografiert.

Bild: Matthias Jurt (Oberägeri, 30. Oktober 2021)

Der Gemeinderat Unterägeri ist schon vor den Gesamterneuerungswahlen vom kommenden Oktober im Wandel. Mit dem Rücktritt des langjährigen Gemeindepräsidenten Josef Ribary (FDP) per Ende 2021 wurde ein Sitz frei. Der bisherige Gemeinderat Fridolin Bossard wurde in stiller Wahl zum neuen Präsidenten gewählt.

Für den freien Platz bewerben sich eine Kandidatin und zwei Kandidaten: Manuela Inglin-Henggeler von der FDP, Andreas Koltszynski von der Mitte und Thomas Werner von der SVP. Die Wahl findet am 9. Januar 2022 statt.

Manuela Inglin-Henggeler.

Manuela Inglin-Henggeler.

Bild: PD

Manuela Inglin-Henggeler ist als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission der Einwohnergemeinde Unterägeri sowie der katholischen Kirchgemeinde seit längerem politisch aktiv. Zudem kennt sie sich auch im Hintergrund bestens aus, hat die 49-Jährige doch die Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten gemacht. Die einzige Kandidatin, die die bisherige Männerrunde etwas aufmischen könnte, kandidiert:

«Weil ich die Lebensqualität unserer Wohngemeinde sehr schätze und deshalb gerne meinen Teil dazu beitragen möchte, dass wir in Zukunft eine attraktive Gemeinde mit hoher Lebensqualität haben werden.»

Ihr Augenmerk liege unter anderem auf einem achtsamen Umgang mit den Menschen sowie dem Lebensraum und Klima. Ausserdem setzt sie einen Schwerpunkt auf moderne Schulen mit Raum für Selbstständigkeit, Kreativität und Handwerk. Einsetzen möchte sie sich auch für das Unterägerer Gewerbe und für ein Verkehrsnetz für alle. Mit ihr könnte die FDP die beiden Sitze im Gemeinderat verteidigen.

Manuela Inglin-Henggeler ist verheiratet und Bürgerin von Sattel und Oberägeri. Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist sie in Unterägeri, wo sie sich insbesondere beim Wasserballverein Frosch Ägeri engagiert. Die Versicherungsfachfrau spielt seit vielen Jahren in der höchsten Damenliga und war auch im Vorstand. Zudem ist die Kandidatin eine begeisterte Fasnächtlerin, zu ihren Hobbys gehören ausserdem Biken und Wandern.

Ein zweiter Sitz für die Mitte?

Andreas Koltszynski.

Andreas Koltszynski.

Bild: PD

Ebenfalls kein Unbekannter im Dorf ist Andreas Koltszynski. Er nimmt nach der letzten Gesamterneuerungswahl 2018 den zweiten Anlauf für den Sprung in den Gemeinderat. Damals erreichte er das absolute Mehr, wurde aber stimmenmässig von den bisherigen Kandidaten überboten. «Diesmal kandidiert erstens niemand links von mir und zweitens reicht das absolute Mehr», sagt Koltszynski dazu.

Der 46-Jährige bezeichnet er sich als

«eine gut vernetzte, konsens- und lösungsorientierte Person».

Einsetzen möchte er sich für eine praxisorientierte Bildungspolitik, bezahlbaren Wohnraum, ein aktives Vereinsleben sowie Investitionen in die Umwelt, den öffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr.

Andreas Koltszynski kennt man in Unterägeri auch aufgrund seines sportlichen Einsatzes. Der ausgebildete Turn- und Sportlehrer arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Sport und Gesundheitsförderung des Kantons Zug. Er ist verheiratet und dreifacher Familienvater. Der gebürtige Unterägerer hat die gesamte Juniorenzeit und einige Jahre auch in der ersten Mannschaft des FC Ägeri gespielt. Bis vor kurzem war er als Juniorentrainer tätig. Er ist ausserdem Mitglied des Tennisclubs Unterägeri.

Mit Koltszynski würde die Mitte einen zweiten Vertreter im Gemeinderat haben. Gleiches gilt für die SVP, falls Thomas Werner das Rennen macht.

Auch die SVP will mitmischen

Thomas Werner.

Thomas Werner.

Bild: PD

Der dritte im Bunde muss wohl nicht gross vorgestellt werden. Der SVP-Mann ist ein gestandener Politiker. Seit 2010 vertritt er Unterägeri im Kantonsrat und seit neun Jahren ist er Präsident des Freien Sport Clubs Unterägeri. Stolz sei er zudem, dass er 2017 in Unterägeri als Ehrenbadjöggel der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft unterwegs sein durfte.

Für den polit-erprobten Kandidaten ist genau jetzt der Richtige Zeitpunkt für den Schritt in den Gemeinderat: «Ich durfte die Zuger Politik kennen lernen. Dieses Know-how möchte ich nun von Herzen ‹für üses Unterägeri› einsetzen.»

Der 49-jährige Kriminalpolizist ist in Oberägeri aufgewachsen, er spielte aber im FC Unterägeri Fussball und «verbrachte die wilden Jahre im legendären Brüggli-Pub», wie er selber sagt. Seit 15 Jahren wohnt der zweifache Familienvater in Unterägeri.

«Ich bin politisch erfahren und bringe vom Beruf her Führungserfahrung mit. Ich habe im Ägerital keine Abhängigkeiten und bin deshalb in der Lage, mich völlig offen und unabhängig für das Wohl der Bevölkerung einzusetzen»,

sagt er auf die Frage, weshalb er der richtige Kandidat für den Gemeinderat ist. Unterägeri sei in den letzten Jahren enorm gewachsen, sagt Werner und ergänzt: «Mit einer vernünftigen Raum- und Verkehrsplanung soll Unterägeri weiterhin ein schöner, lebendiger aber gemütlicher Ort mit guter Infrastruktur bleiben.» Auch die Sicherheit liege ihm am Herzen – neben den Vereinen, der Tradition und der Kultur Unterägeris, so der Polizist.

Etwas weniger angenehm für Thomas Werner dürfte die momentane Aufmerksamkeit aufgrund seiner Aussagen in einem Film von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sein. Die Reportage setzte sich mit der Frage auseinander, ob in der Schweiz eine Verschwörungstheorie zu satanistisch motivierter, ritueller Gewalt an Kindern grassiert.

Reporter Robin Rehmann interviewte Werner in dessen Funktion als Ermittlungsleiter Kinderschutz der Stadtpolizei Zürich. Dabei sagte Werner, zwar habe es bei entsprechenden Meldungen trotz intensiver Abklärungen keine Verurteilungen gegeben, er sei aber überzeugt, dass diese Form von Gewalt an Kindern existiere.

Die Aussage liess immerhin die Interpretation zu, Werner könnte hinter der Theorie stehen. Auf Anfrage unserer Zeitung verwies Werner an die Medienstelle der Stadtpolizei Zürich. Diese teilte mit: «Thomas Werner bezog sich bei seiner Antwort generell auf organisierte Misshandlung von Kindern. Die Aussage war im Kontext unglücklich.» Weiter schrieb sie, Konsequenzen habe er «selbstverständlich» keine zu befürchten.