Fussball
Der SC Cham II hat den Aufstieg bereits vorgefeiert – am Samstag geht die Party weiter

Seit Wochen steht fest, dass die zweite Mannschaft des Sportclubs künftig in der 2. Liga interregional spielen wird. Zunächst gilt es aber noch, einen Innerschweizer Rekord zu egalisieren.

Raphael Biermayr
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Cham mit Fabian Hasler (links, gegen Ägeris Kristijan Ramljak) ist der Konkurrenz in der 2.-Liga-Meisterschaft längst enteilt.

Cham mit Fabian Hasler (links, gegen Ägeris Kristijan Ramljak) ist der Konkurrenz in der 2.-Liga-Meisterschaft längst enteilt.

Bild: Stefan Kaiser (Cham, 14. April 2022)

«Nein», sagt Pascal Nussbaumer und lacht matt, «ausgeschlafen bin ich nicht.» Der Erfolgstrainer des SC Cham II meldete sich am Dienstag wenige Stunden vor dem Rückflug telefonisch von Mallorca bei unserer Zeitung. Über Pfingsten feierte das Team auf der Baleareninsel den Aufstieg in die 2. Liga interregional in einer denkwürdigen Saison – obwohl diese gar nicht zu Ende ist. Dazu später mehr.

Die Chamer auf Mallorca.

Die Chamer auf Mallorca.

Bild: PD

Wäre es nach dem Wunsch des Trainerteams gegangen, hätte der Pfingstausflug nach Ibiza geführt. Doch aus finanziellen Überlegungen sei man dem Vorschlag der Mannschaft gefolgt und nach Mallorca geflogen, sagt Pascal Nussbaumer. 21 von 24 Mitgliedern von Mannschaft und Staff waren dabei. So viele mehr oder wenige junge Männer mit viel Freizeit auf einer berüchtigten Partyinsel. Da drängen sich wüste Bilder im Kopfkino auf. Nussbaumer sagt: «Alle sind anständig geblieben.»

Angebote anderer Klubs ausgeschlagen

Man neigt dazu, ihm das abzunehmen. Der Menzinger galt schon als Spieler von Zug 94 und Cham als grundehrlicher und direkter Typ und geizte selbst nach Siegen nicht mit Kritik an seiner Leistung oder der Leistung des eigenen Teams. Diese Linie führt der 37-Jährige als Trainer der zweiten Mannschaft im Sportclub weiter, unterstützt von den Assistenten Ueli Sturzenegger und Filippo Laisa.

Trainer Pascal Nussbaumer

Trainer Pascal Nussbaumer

Bild: Christian Herbert Hildebrand

Die drei haben ihre Verträge um eine Saison verlängert. Dies, obwohl Nussbaumer Angebote anderer Vereine für die Übernahme der dortigen Fanionteams vorgelegen hätte. «Was wir in Cham aufgebaut haben, ist grossartig und einfach unser Ding, das wollen wir weiterführen», sagt der Versicherungsvertreter, um offen hinzuzufügen:

«Dazu kommt, dass ich dank meines Berufs nicht auf das Trainersein angewiesen bin, sondern es als Hobby betrachten kann.»

Das gilt auch für sämtliche Spieler. Denn diese würden für den Fussball keine Entschädigung erhalten – auch keine Meister- oder Aufstiegsprämie, präzisiert Nussbaumer. Ein Grossteil des Mallorca-Trips ging ebenfalls auf eigene Kosten, die Donatorenvereinigung IG SC Cham unterstützte ihm durch einen Zustupf.

Erfolg macht auch einen Verein sexy

Trotz dieser bescheidenen Voraussetzungen – schon manche 3.-Liga-Klubs schaffen einen finanziellen Anreiz für Spieler – könne sich Nussbaumer kaum vor Anfragen von Spielern retten. «Der Erfolg des Vereins mit künftig einer Mannschaft in der Promotion League und einer in der 2. Liga interregional spricht sich herum und weckt das Interesse bei jungen Spielern», erklärt er.

Tatsächlich hat der SC Cham dank des Aufstiegs seines «Zwoi» eine Konstellation erreicht, die ausserhalb des Profibetriebs einmalig ist. Trotz des erwähnten Buhlens auswärtiger Spieler wird der Kader laut Nussbaumer grossmehrheitlich zusammenbleiben beziehungsweise um solche mit Chamer Stallgeruch ergänzt: Leo Suta kehrt aus Zug zurück, Thimo Laisa und Julian Wüest stossen aus der ersten Mannschaft dazu. Auch Vereinslegende Reto Scherer (32, 293 Pflichtspiele für Cham I) bleibt an Bord. Der Toptorjäger liegt derzeit mit 14 Treffern an zweiter Stelle in der 2. Liga.

Willisau hat bisher am meisten Punkte gesammelt

Der Aufstieg des Teams steht seit Wochen fest. Bereits sechs Runden vor Saisonschluss war es nicht mehr von einem der ersten Plätze zu verdrängen. Zwei Partien stehen noch aus. Am Samstag erfolgt im Rahmen des letzten Heimspiels gegen Sarnen (17 Uhr, Eizmoos) der offizielle Teil mit der Übergabe des Pokals für die gewonnene Meisterschaft im Innerschweizer Fussballverband. Eine Woche später geht es für die Chamer zum Abschluss nach Rothenburg.

Das Ziel des Trainers – abgesehen vom Rausschwitzen des Mallorca-Ausflugs: den Punkterekord seit der Aufstockung der Liga einzustellen. Nach der ersten Saison mit 14 Teams stand Willisau im Sommer 2018 mit 64 Zählern da. Cham II hat bisher deren 58 gewonnen.

Gewissheit herrscht bereits darüber, vereinsintern der erfolgreichste 2.-Liga-Meister zu sein. Denn die erste Chamer Mannschaft wies bei ihren Titeln 1997 und 1999 in jedem Fall einen tieferen Punkteschnitt als die heutige zweite Mannschaft auf.

Eine Zugfahrt zum Erfolg

Sportteams arbeiten mit lebensnahen Symbolen, die ihnen beim Erreichen ihrer Ziele helfen sollen. Was im Profibereich seit langem gang und gäbe ist, hat auch im Amateurbereich Einzug gehalten. So setzt der SC Cham II bei seiner Saison auf eine Zugfahrt.

Der Erfolgsfahrplan des SC Cham II.

Der Erfolgsfahrplan des SC Cham II.

Bild: PD

Deren Darstellung erfolgt mittels einer grossen Blache in der Garderobe, auf der aus den Händen von Trainer Pascal Nussbaumers Sohn Noe (3) nach jedem Sieg ein neuer Waggon angebracht wird. Zudem wird nach jeder Partie der «Lokführer» auserkoren, der diese Etappe der Reise sozusagen verantwortet hat.

Das Chamer Team im Erfolgszug.

Das Chamer Team im Erfolgszug.

Bild: PD