Ferienpass
Linsen-Burger und Altbrot-Waffeln: Diese mobile Schulküche soll Zuger Kinder für nachhaltiges Essen begeistern

Im Rahmen des Ferienpasses besuchen Schülerinnen und Schüler zurzeit das sogenannte Slow Mobil, das zurzeit in der Stadt Zug weilt. Die Verantwortlichen haben sich eine schwierige Aufgabe gestellt.

Fabian Gubser
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Leiterin Lou Echenique präsentiert die fertigen Waffeln, selbstgekocht von den acht Schülerinnen und Schülern.

Leiterin Lou Echenique präsentiert die fertigen Waffeln, selbstgekocht von den acht Schülerinnen und Schülern.

Bild: Matthias Jurt (Stadt Zug, 21. Juli 2022)

Er steht zwischen dem Podium 41 und dem Siehbachsaal: ein weisser Bauwagen. Die aufgemalten Schnecken erinnern an einen Zoo, tatsächlich steht aber im Innern mehr das ebenfalls aufgemalte Gemüse und Obst im Zentrum.

Betritt man nämlich den Bauwagen, blickt man auf eine komplette Küche mit Esstisch. An diesem Donnerstagnachmittag sitzen acht Primarschülerinnen und -schüler auf den zwei Bänken. Angemeldet haben sie sich über den Ferienpass.

Herzhaft greifen sie zu. Auf dem Tisch: Waffeln aus Altbrot mit Aprikosenkompott. «Mmh, so fein!», ist das allgemeine Fazit. Aber: «Es könnte noch süsser sein!» Immerhin die Hälfte würde das Gericht zu Hause nachkochen.

Das Slow Mobil von innen: Hinten die Küche, vorne der Esstisch.

Das Slow Mobil von innen: Hinten die Küche, vorne der Esstisch.

Bild: Matthias Jurt (Stadt Zug, 21. Juli 2022)

Die Waffeln sind selbstgemacht. Unterstützt hat die Kinder dabei Lou Echenique (23). Die angehende Lehrerin aus der Stadt Zug sagt: «Ich habe gemerkt, dass es grosse Unterschiede bei den Kindern gibt: Einige kochen sehr oft zu Hause, andere äussert selten». Das Rezept habe schlussendlich mehr Zeit in Anspruch genommen als gedacht.

Die Kinder erzählen: «Zuerst haben wir das alte Brot zerhackt, um es dann mit Eiern, Milch und Birnen zu vermischen und zu kneten.» «Dann haben wir daraus mit dem Waffeleisen Waffeln gemacht.» Für das Kompott wurden die Aprikosen in Streifen geschnitten, mit Zimt vermischt und gekocht.

Die Schülerinnen und Schüler haben sich übrigens aus Interesse am Kochen und aus «Gluscht», wegen der Waffeln, angemeldet.

Die Kinder sind anfangs skeptisch

Hinter dem umgebauten Bauwagen, dem Slow Mobil, steht der fast gleichnamige Verein Slow Mobil CH. Damit erklärt sich auch die aufgemalte Schnecke.

«Unser Ziel ist es, Kindern gesundes und nachhaltiges Essen näherzubringen», sagt Annik Müller, die den zweiwöchigen Aufenthalt der mobilen Schulküche in Zug organisiert. Vergangene und diese Woche hätten jeden Tag jeweils morgens und nachmittags acht Kinder gekocht. «Wir sind praktisch ausgebucht.» Das Slow Mobil macht bereits zum zweiten Mal in Zug Halt.

Was heisst es, gesund und nachhaltig zu kochen? «Saisonale und lokale Lebensmittel verwenden – und vegetarisch», so Müller. Auch auf der Speisekarte: Burger mit einem Linsenpatty oder Hotdog aus selbstgemachtem Brot mit Curry-Rüebli als Wurst. Wichtig sei zudem das Gemeinschaftserlebnis. Tatsächlich bemerkt ein Schüler beim Essen der Waffeln: «Wir haben viel gelacht beim Kochen!»

Annik Müller räumt ein, dass die selbstgestellte Aufgabe nicht einfach sei: «Oft sind die Kinder kritisch gegenüber Neuem, etwa grüner Pasta aus Spinat – doch, wenn sie reinbeissen, mögen sie es.»

Das Slow Mobil ist seit 2019 in der Schweiz unterwegs. Die Kochkurse können Kindergärten und Schulen wochenweise buchen. Zum Teil werden dabei auch die Eltern einbezogen. Die Kurse drehen sich um Themen wie Food-Waste oder Essen und Klimaschutz, die an diesem Donnerstagnachmittag aufgrund der begrenzten Zeit aber eher im Hintergrund sind. Unterschiedlichen Personen leiten die Kurse. In Zug ist es neben Lou Echenique auch eine Hauswirtschaftslehrerin.

Steht noch bis Freitag neben dem Siehbachsaal: das Slow Mobil.

Steht noch bis Freitag neben dem Siehbachsaal: das Slow Mobil.

Bild: Matthias Jurt (Stadt Zug, 21. Juli 2022)

Gegründet haben den Verein Slow Mobil CH Julia Baumann, Nachhaltigkeits-Chefin von Lidl Schweiz, und Jean-Marc Imhof, Gründer der Firma Slow Food Travel. Der Verein sei unabhängig, stehe aber gemäss Annik Müller dem Schweizer Verein Slow Food CH nahe. Auf dessen Website steht, man sei eine global aktive Basisbewegung, die «ein Recht auf gutes Essen für alle» postuliert und auffordert, «Verantwortung für das Erbgut der Biodiversität, der Kultur und des Wissens wahrzunehmen».

Demnächst wird das Slow Mobil in Bern Halt machen.