Leserbrief
Ferien werden masslos überschätzt

Gedanken zu den Auswüchsen des Massentourismus

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Ich glaube, wären die Menschen zu sich selbst ehrlich, müssten sie zugeben, dass die meisten Ferien des Massentourismus nichts anderes als sinnlosen Stress bedeuten. Streit mit den Kindern, mit den Hotelgästen, oft miese Leistung der Ferienanbieter, überlastete Sehenswürdigkeiten. Würde man sich in der Bibliothek ein Buch holen, hätten wir weniger Stress und einen tieferen Einblick. Man könnte sich die anstrengende Anreise sparen. Aber man muss halt etwas Fantasie haben und sich vorstellen, man sei dort. Die schönsten Ferien, die ich je erlebt habe, waren im Tirol. Ich genoss den ganzen Tag im Schatten, zigarrerauchend und bücherlesend, das unbeschwerte Dasein. Meine Partnerin erkundete währenddessen wandernd die Umgebung. Einmal ging ich sogar mit. Bei den verschiedenen ausgezeichneten Essen und am Abend bei einem Drink diskutierten wir stundenlang. Es war herrlich und vor allem stresslos. Erlebnisferien wären für mich ein Graus! Dass ich mich so auch ökologisch vernünftig verhalte, sei nur nebenbei erwähnt. Jeder muss wissen, wie er seine Ferien verbringt, aber lassen Sie sich hierbei nicht vom Mainstream verführen.

Selbst den Kindern sind vielleicht Ferien zu Hause, mit gelegentlichen Kurzausflügen, lieber als Stressferien in Italien am überfüllten Strand. Und weshalb nicht einmal nur zwei oder drei Tage an einen Strand gehen? Der Geschmack des Meereswassers kann kein Buch liefern, aber fast alles andere schon. Und wenn Sie in der Schweiz bleiben, müssen Sie Ihre Kinder auch nicht mit einer Impfung gefährden.

Michel Ebinger, Rotkreuz