Leserbrief
Es ist eine Schande

«Rat traktandiert Energiegesetz ab», Ausgabe vom 2.Juli

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Auch wenn das CO2-Gesetz vom Stimmvolk abgelehnt wurde und nun das kantonale Energiegesetz ins Stocken gerät, könnte unter Anwendung der bestehenden Gesetzeslage viel bewirkt werden. Die Bewilligungspraxis, der Vollzug, wird jedoch zumindest in einer Gemeinde im Kanton Zug nicht ernst genommen.

Unsere Reihenhaussiedlung wurde 1981 mit Fokus auf Energieeffizienz gebaut und ist im Zuger Bautenführer der bemerkenswerten Bauten gelistet. Die Gebäude, die seinerzeit schon mit Dreifach-Verglasung ausgestattet und weit über die damalige SIA-Norm gedämmt wurden, erreichen mit neuer Dreifachverglasung im GEAK die Energie-Effizienzklasse B. Jeweils am Ende der Reihenhaussiedlung befindet sich ein Annexbau. Damit wurden die beiden äusseren Reihenhäuser, die erfahrungsgemäss einen höheren Energiebedarf haben, wärmetechnisch «eingepackt». In einem befindet sich die Heizungsanlage, der andere wurde als Werkraum genutzt. Einer dieser Annexbauten wird seit mehr als 15 Jahren ohne Baubewilligung als Wohnraum vermietet. Die Aussendämmung dieses Anbaus beträgt, da nicht als Wohnraum, sondern als Wärmeschutz konzipiert, nur halb so viel wie diejenigen der Reihenhäuser.

Die Gemeinde hat trotz Kenntnis diese nicht bewilligte Nutzung jahrelang geduldet. Die Siedlungsverwaltung ist auch nicht eingeschritten, denn auch ihre Mitglieder haben unbewilligte Umnutzungen vorgenommen. Erst nach wiederholter Beschwerde sah sich die Gemeinde genötigt, ein Baugesuch zu verlangen. Statt den Eigentümer für die unbewilligte Nutzung zu büssen, wurde die nachträgliche Bewilligung schlank durchgewinkt. Der gesetzlich erforderliche Energienachweis wurde nicht verlangt und dies im Jahr 2021!

Es ist eine Schande – eine im Jahr 1981 energieeffizient gebaute Siedlung wird im Jahr 2021 beim Annexbau zu einer Energieschleuder mit jetzt behördlicher Genehmigung. Der Regierungsrat hat das Ganze für gut befunden und die Einforderung des Energienachweises wieder an die Gemeinde delegiert. Der Energienachweis wird wie eine heisse Kartoffel behandelt, keiner will sie in die Hände nehmen. Die Dämmstärke eines Wohngebäudes und der Energienachweis werden so zu einer bedeutungslosen Nebensache.

Dieses ist nur ein Beispiel von weiteren. Was nützen verschärfte kantonale Energievorschriften, solange im Kanton Zug Baugesuche schlank durchgewinkt werden und die bestehende kantonale Energiegesetzgebung nicht vollzogen wird? Was lernen wir daraus?

Andrea Beck, Hünenberg