Leserbrief
Es braucht Intellektuelle

Gedanken zur gegenwärtigen Coronapandemie

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Corona ist ein Ereignis, welches nichts mit einem Trend zu tun hat, aber einiges über den Zustand unserer Gesellschaft verrät. Unsere mediale Gesellschaft verwechselt Ereignisse mit Trends. Trends sind soziologische langfristige nachhaltige Entwicklungen, welche die Gesellschaft verändern. Ereignisse wie die «Coronakrise» haben nichts mit Trends zu tun, aber sie können solche auslösen.

Eine vertiefte Analyse unserer Reaktion auf Corona zeigt jedoch, dass unserer Gesellschaft die Ideen ausgegangen sind. Wir haben die Herrschaft über die Bewältigung von Ereignissen Technokraten überlassen, welche weder willens noch fähig sind, Ideen zu haben, geschweige denn Trends zu erkennen. Integrale Zusammenhänge zu erkennen, ist nicht ihre Sache. Dazu fehlen ihnen die Ideen, denn nur die Ideen bringen die Menschheit weiter, und für Ideen braucht es Intellektuelle. Seit der Aufklärung und der Überbetonung der Rationalität.

Greift eine selbstherrliche Überheblichkeit von Fachspezialisten um sich, fehlen jeder Bezug zu Ideen und jede Demut. Man glaubt, die Natur beherrschen zu können, und sucht nicht mehr nach Ideen, denn diese Suche braucht Bildung und unser Bildungssystem betont das Wissen. Die desaströse Reaktion auf das Erkältungsvirus Corona zeigt, wohin uns der Irrweg Aufklärung geführt hat. Nicht einmal die Grundwerte der Aufklärung wie Freiheit und Persönlichkeitsrechte und Chancengleichheit werden wahrgenommen. Ideen, wie mit dem Zustand unserer Gesellschaft umgegangen werden sollte, fehlen völlig.

Michel Ebinger, Rotkreuz