Leserbrief
Es braucht flächendeckende Massentests

«Ein Prozent der Getesteten ist positiv», «Zuger Zeitung» vom 15. Dezember

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Im Bericht bezweifelt der oberste Infektiologe Marcel Tanner von der Covid-19-Taskforce den Nutzen von Massentests. Einen Nutzen sieht er in Altersheimen, «wenn dort Ansteckungen aufträten». Dass solche Äusserungen von einem Experten kommen, der unseren Bundesrat berät, erschüttert mich. 1 Prozent der Getesteten, die ohne oder mit leichten Symptomen zum Test im Kanton Graubünden angetreten sind, wurden positiv getestet. 1 Prozent bedeutet 1000 Personen auf 100000 Einwohner. Die Inzidenz, also die Anzahl positiver Fälle, die nach Symptomen getestet wurden, bezogen auf 100000 Einwohner, beträgt im Kanton Graubünden für die letzten 14 Tage zirka 700. Das bedeutet, dass auf 7 positiv getestete Personen mit Symptomen 10 Personen kommen, die positiv sind, aber wegen fehlender Symptome nicht getestet werden. Diese 10 Personen müssten auch in Quarantäne, weil sie zeitweise auch ansteckend sind, ohne dass sie es wissen.

Wenn aber die Mehrzahl der Infizierten nicht in Quarantäne ist, weil sie eben nicht getestet wurden, was nützen dann Contact-Tracing und Quarantäne der übrigen? Geradezu schockiert bin ich von der Äusserung, dass Altersheime erst getestet werden sollen, «wenn dort Ansteckungen aufträten». In einem solchen Fall ist man mit Testen vollkommen zu spät, da sich, wie verschiedene Beispiele zeigen, das Virus unbemerkt schon über grosse Teile des Altersheims ausgebreitet hat. Ein nachträglicher Test hilft den Coronatoten dann wenig. Eine solche Haltung ist meiner Meinung nach schon fast fahrlässig. Ich hätte mich gerne in einem der beiden Schnell-Testzentren im «Zugerland» testen lassen (auch auf meine Kosten), aber erstens habe ich keine Symptome und zweitens bin ich über 65 Jahre alt und kann daher nicht getestet werden.

Es ist zu befürchten, dass nun alle ihr Heil in der bevorstehenden Impfung statt in flächendeckenden Tests suchen. Aus meiner Sicht kriegen wir die Pandemie nur in den Griff, a) mit einem totalen Lockdown, oder b) mit flächendeckenden Tests. Was dann am Schluss günstiger ist, kann man selber abschätzen. Sollen eine dritte Welle und weitere Lockdowns verhindert werden, geht das nur über flächendeckende Massentests. Der Kanton Graubünden hat gezeigt, wie es geht und was es kostet.

Josef Wüest, Steinhausen