Politik
Das Chamer Kinderparlament zeigte sich diskutierfreudig und voller Ideen

Bei seiner zweiten Session wurden die Themen Umwelt und Bewegungspark erörtert.

Dorotea Bitterli
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Im Kinderparlament Cham wird eifrig diskutiert und schliesslich abgestimmt.

Im Kinderparlament Cham wird eifrig diskutiert und schliesslich abgestimmt.

Bild: Mathias Blattmann (Cham, 24. September 2022)

Sechzehn Dritt- bis Sechstklässler, neun Mädchen und sieben Buben, sitzen in einem der Nebenräume des Lorzensaals im Kreis und beraten im Rahmen der Herbstsession des Kinderparlaments Cham darüber, wie sich ihr Wunsch, einen Indoor-Bewegungspark einzurichten, verwirklichen liesse.

Eine kleine Arbeitsgruppe hat sich damit seit der Frühlingssession im März eingehend befasst und stellt nun zur Debatte, wie er konkret aussehen soll: Mit Trampolinen, «Ninja Warrior»-Parcours und einem Würfelbad? Warum drinnen und nicht im Freien? Mit welchen Argumenten könnte man den Gemeinderat davon überzeugen? Und wie wäre das zu finanzieren?

Die Finger schiessen nur so in die Höhe, die Ideen sprudeln, die Kinder stehen auf und setzen sich wieder, vergessen, dass Erwachsene da sind, sind intensiv dabei. Schliesslich stimmen sie über eine Probewoche ab, die in einer Turnhalle während der Schulferien stattfinden soll, und sind mit sechzehn in die Höhe gehaltenen grünen Karten einstimmig dafür.

Die Idee für ein Chamer Kinderparlament entstand im Rahmen der Ortsplanungsrevision. Partizipation von Kindern darf gemäss Schirmherrin Christine Blättler-Müller, Gemeinderätin und Vorsteherin Soziales und Gesundheit, kein leeres Motto bleiben. Sie sollen sich bei Themen, die sie direkt betreffen, einbringen, dabei Rechte und Pflichten haben, sich en passant staatsbürgerliche Kompetenzen aneignen und erfahren, dass sich Engagement lohnt.

Mitmachen können unter der Projektleitung von Céline Müller, Fachperson Gemeinwesenarbeit, und Franziska Zutter alle Chamer Kinder der dritten bis sechsten Primarstufen. An der ersten Session des Kinderparlamentes (Kipa) im März 2022 nahmen 15 junge Parlamentarierinnen und Parlamentarier teil und diskutierten darüber, für welche Anliegen sie sich in Zukunft einsetzen möchten. Daraus gründeten sich zwei Arbeitsgruppen: «Umwelt» und «Bewegungspark».

Naturnahe Lebensräume für Tiere und Pflanzen

Bis zur Herbstsession am 24. September haben sie sich zweimal zu Sitzungen getroffen, um ihre Themen weiterzuentwickeln. Naturnahe Lebensräume für Tiere und Pflanzen einerseits, Abfall andrerseits, überhaupt die grossen Umweltthemen, scheinen Kinder zu beschäftigen – das spürt man, wenn sie für ein «Schmetterlingsparadies» bei der Papieri plädieren oder überall in der Gemeinde originelle Abfallkübel, nämlich Basketballkörbe mit fantasievollen Hinweisplakaten, aufstellen wollen.

Die zweite Session des Kipa erhielt prominente Unterstützung: Nebst den Gemeinderäten Christine Blättler-Müller und Drin Alaj und Gemeindepräsident Georges Helfenstein war sogar die «höchste» Zugerin, Kantonsratspräsidentin Esther Haas, zugegen. Sie sprach die Kinder als «Fraktionssprecher» der Schulhäuser Kirchbühl, Städtli 1 und 2 und Hagendorn an, verglich das jugendliche Debattieren mit dem Politisieren im Zuger Parlament und betonte, wie wichtig es sei, die eigene Stimme zu erheben: «Das ist das Schöne in der Demokratie: Alle dürfen reden, die wollen. Bleibt dabei, macht, dass man euch zuhört!»

In der Pause nach ihrer Motivation zur Teilnahme befragt, äusserten drei Kirchbühl-Schülerinnen folgende Gründe: «Ich helfe gerne mit» (Grace Rusch, 8), «Ich entscheide gerne Sachen, habe viel Fantasie und gute Ideen» (Gioia Kosumi, 9), «Weil ich der Umwelt helfen, etwas fürs Klima tun kann» (Leandra Reci, 8). Auf die Fortsetzung der Kipa-Sessionen darf man sich freuen.