Digitalisierung
Neu sollen auch Zuger Zeitungen ab 1900 bis 1931 digital erfasst werden

Der neue Eigentümer des St.Karlshofs am Südende der Stadt Zug fand bei Umbauarbeiten zwei Seiten einer Ausgabe der «Luzerner Zeitung» aus dem Jahr 1866. Noch sind die Luzerner Ausgaben aus dieser Zeit nicht online verfügbar. In Zug ist man diesbezüglich weiter – und es sind weitere Digitalisierungsschritte geplant.

Marco Morosoli
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Kürzlich hat der mit Bitcoins handelnde Unternehmer Niklas Nikolajsen in den sozialen Medien ein Bild platziert. Darauf zu sehen ist eine am 29. September 1866 erschienene Ausgabe der «Luzerner Zeitung – Nachrichten für die innere Schweiz», die in den Mauern des historischen Salesianums, das zurzeit renoviert wird, gefunden wurde. Die damals einmal in der Woche erscheinende Zeitung ging 1871 im «Vaterland» auf. Letztere Zeitung fusionierte 1991 mit dem «Luzerner Tagblatt» zur «Luzerner Zeitung». Die im gleichen Medienhaus wie diese Zeitung erscheinende «Luzerner Zeitung» hat ihre Wurzeln somit im Printprodukt vor rund 156 Jahren.

Leider ist anhand des gefundenen Exemplars digital nicht zu eruieren, welche Schlagzeile das Blatt genau beschreibt. Kurz vor dem Erscheinen der oben erwähnten Tageszeitung ging der Deutsch-Deutsche Krieg zwischen Österreich und Preussen zu Ende. Der Grund für die erfolglose digitale Suche: Der Kanton Luzern ist auf der Schweizer Karte der Plattform E-Newspaper (www.e-newspaper.ch) immer noch ein weisser Fleck. Dies kann daher rühren, dass die Zentralbibliothek Luzern eine eigene Lösung für die Nutzung von alten Zeitungen aufbaute.

Eine Plattform, auf der Zeitungen aus der ganzen Schweiz einsehbar sind

Die vorgenannte Plattform ist ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen rund um die Schweizerische Nationalbibliothek. Die Idee dahinter: Zeitungen zu digitalisieren und sie dann der breiten Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Zahlreiche Kantone machen bei diesem Verbund mittlerweile mit, aus der Zentralschweiz beispielsweise der Kanton Zug seit dem Jahre 2015 oder seit 2020 der Kanton Nidwalden.

Im Jahr 2017 entschieden die aktuellen und potenziellen Partner schliesslich Massnahmen zur Weiterentwicklung der Plattform: Zeitungen, die von Institutionen digitalisiert wurden, die eine eigene Zugangslösung entwickelt haben, konnten mit einem Link auf die Website auf sich aufmerksam machen. Luzern ist aber dort noch nicht präsent.

In dieser Hinsicht ist der Kanton Zug schon viel weiter. Es sind bereits verschiedene Zeitungen aus dem 19. Jahrhundert aufgeschaltet. So können die Ausgaben des «Wochenblatts für die vier löblichen Kantone Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug» von 1814 bis 1849 eingesehen werden. Das am Schluss unter dem Namen «Der Freie Schweizer» erscheinende Blatt verabschiedete sich in sehr trockener Weise von den Lesenden: Es ist klein und versteckt das Folgende platziert: «Der ‹Freie Schweizer› kündigt damit die Nichtmehrerscheinung seines Blattes im Jahre 1850 an.» Diejenigen Abonnenten, welche noch Zahlungsausstände haben, sollen doch bitte noch im Januar 1850 ihre Schulden begleichen.

Bald können weitere Jahrgänge von Zuger Zeitungen digitalisiert werden

Kurz vor Weihnachten 2021 hat der Zuger Regierungsrat entschieden, das «Digitalisierungsprojekt Zuger Zeitungen II» mit einem Beitrag von 30'088 Franken aus dem Lotteriefonds mitzufinanzieren. Es sollen dabei, so geht aus einer Mitteilung des Regierungsrats hervor, die Zuger Zeitungen bis zum Erscheinungsjahr 1931 digitalisiert werden. Wie es weiter heisst, hilft die elektronische Archivierung insofern, dass die Zeitungsinhalte schneller mit der Volltextsuche zu finden sind. Es ist aber damit auch garantiert, dass die Zeitungen aus dieser Zeit langfristig geschützt sind. Der Abruf von zu Hause aus ist ja für Zuger Pressetitel bis 1900 schon heute möglich. Die Zeitungen bleiben aber weiterhin physisch in der Bibliothek Zug oder im Zuger Staatsarchiv im kantonalen Verwaltungszentrum an der Aa erhalten.

Um das Angebot nutzen zu können, braucht es einen Bibliotheksausweis, der bei der Bibliothek Zug gratis zu beziehen ist.