Die Zugerbergbahn erhält eine Auffrischung

Läuft alles rund, dann beginnen im Februar 2022 umfassende Bauarbeiten am Trassee der Zugerbergbahn. Gleichzeitig prüft der Betreiber noch etwas anderes auf Herz und Nieren.

Marco Morosoli
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Das Trassee der Zugerbergbahn wird im kommenden Jahr zum ersten Mal seit 1907 saniert.

Das Trassee der Zugerbergbahn wird im kommenden Jahr zum ersten Mal seit 1907 saniert.

Bild: Maria Schmid (Zug, 12. November 2020)

Das Prinzip der Standseilbahn ist so clever wie effizient. Ein Elektromotor, in der Bergstation platziert, zieht eine Gondel hoch, derweil eine talwärts rollt. In der Mitte der Strecke kreuzen sich die beiden Wagen. Der Betreiber der Bahn auf den Zuger Hausberg, die Zugerland Verkehrsbetriebe, will nun zum ersten Mal seit deren Inbetriebnahme am 14. Mai 1907 das Trassee nicht nur instand stellen, sondern faktisch neu bauen. Die Planungen für diese Rundumerneuerung ab Februar 2022 sind nun gemäss Philipp Hofmann, dem Geschäftsführer der Zugerbergbahn, bereits sehr weit fortgeschritten. So sagt er: «Es sind keine Einsprachen gegen das Projekt eingegangen.» Dies sei, so Hofmann, ein Beweis dafür, «dass wir das Projekt nachhaltig geplant haben und auch so umsetzen werden».

Von solcher Eintracht war beim Bau der Bahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch nichts zu spüren. Der ehemalige Zuger Ständerat Johann Georg Keiser (1837-1915/CVP) wehrte sich 1905 vehement gegen die Erstellung der Zugerbergbahn. Diese würde nur von «Plutokraten» und solchen benützt, die zu «verweichlicht» seien, zu «Fuss auf den Berg zu steigen». Keiser hatte die «unverfälschte Bergwelt» im Kopf. Andernorts bezichtigte Keiser diejenigen, welche sich für die Bahn starkmachten, als Kostgänger einer «Lumpen- und Wirtshausspekulation». Doch den Bau der Zugerberg-Bahn konnte Johann Georg Keiser nicht aufhalten. Im Jahr 1908, ihrem ersten vollen Betriebsjahr, transportierte die Bahn 46'509 Personen auf den Zuger Hausberg. Erstaunlich, dass bereits im ersten Betriebsjahr täglich 26 Kurse auf den Berg verkehrten. Aktuell sind es deren 36 Berg- und Talfahrten. Der Betrieb der Bahn teilen sich Bund, Kanton und die Stadt Zug nach einem klar definierten Schlüssel auf.

Die Spurbreite ist in der Schweiz sonst nirgends zu finden

Die Streckenlänge zwischen der Talstation Schönegg (561 Meter über Meer) und der Bergstation (926 Meter über Meer) beträgt 1,281 Kilometer. Speziell ist mit 985 Millimeter die Spurbreite der Zugerbergbahn. Sie ist damit in der Schweiz ein «Einsiedler». Wie der Geschäftsführer der Zugerbergbahn, Philipp Hofmann, erklärt, habe die Projektgruppe den «Fokus auf einen naturschonenden Bau» gelegt. Es werde 2022 extra eine Bauseilbahn erstellt, um das Material an den Ort zu bringen, wo es gebraucht wird. Zum Sanierungsteam gehört auch ein Baubiologe. So gehe auch das Thema Wildwechsel sicher nicht vergessen. Derzeit kann dieser Transfer meist über das Trassee erfolgen. Bei der Rundumerneuerung der rund 1,3 Kilometer langen Strecke soll in vielen Bereichen die sogenannte aufgeständerte Fahrbahn umgesetzt werden. Um bei dieser Streckenbauart den Wildwechsel weiterhin zuzulassen, muss allenfalls das Terrain angepasst werden.

Die Aufständerung haben Experten der Bauherrschaft in einer Machbarkeitsstudie empfohlen. Diese Methode vereinfache den Unterhalt. Es «fällt Laub, Schmutz und Schnee durch die Stahlkonstruktion hindurch und bleibt nicht auf dem Trassee liegen». Die praktizierte Streckenbauart ab Februar 2022 hilft auch gegen das Blockieren der Räder aufgrund von Witterungseinflüssen. Diese Bauweise hat sich zum Beispiel bei der Braunwaldbahn im Kanton Glarus bestens bewährt. Dass Nachhaltigkeit bei der Bauherrschaft kein leeres Wort ist, zeigt sich auch darin, dass die vorhandenen Schienen neuerlich Verwendung finden. Das ist sozusagen Bauen für die Ewigkeit.

Die Gondeln revidieren die Betreiber umfassend

Die erzwungene Betriebsruhe während des Streckenneubaus im Jahr 2022 nutzen die Zugerland Verkehrsbetriebe zudem zur Revision der beiden Gondeln. Diese sind seit 2009 in Betrieb. Die Fahrzeuge sind rollstuhlgängig und können ohne Triebfahrzeugführer verkehren. Den Betrieb auf den Zuger Hausberg halten die ZVB im Jahr 2022 rund zehn Monate lang mit Autobussen aufrecht. 2019 beförderte die Zugerbergbahn rund 350'000 Passagiere. Es nutzten auch schon 432'566 Personen die Zugerbergbahn (2005).

Noch unklar ist, wie viel die Zugerland Verkersbetriebe für die umfassende Sanierung in die Hand nehmen müssen. Vor elf Jahren hat eine Sanierung – jedoch ohne die komplette Erneuerung der Strecke – rund 7,4 Millionen Franken gekostet.

Den Preis gedrückt und Vertragsstrafe kassiert

Zum Vergleich: Das Zürcher Bauunternehmen Froté Westermann versprach, so ist es im Buch «Es begann mit einer Pioniertat» von Gerhard Oswald zu lesen, den Auftrag für das Tram (Bahnhof Zug–Schönegg) und die Standseilbahn (Schönegg–Zugerberg) für eine Zahlung von 640'000 Franken zu entrichten. Ein Dumpingpreis. Die Baufirma musste bei Terminverzögerungen wöchentlich 500 Franken Vertragsstrafe bezahlen. Es dürfte viel Geld gewesen sein, denn die Zugerbergbahn sollte 1906 betriebsbereit sein, war es allerdings erst rund ein Jahr später. Auf die Verspätung angesprochen, entschuldigte sich der Bauunternehmer einmal, «dass ihm plötzlich alle Baugruppen weggelaufen seien».