Leserbrief
Demokratie ist kompliziert, aber sie lohnt sich

Antwort auf den Leserbrief von alt Kantonsrat Martin Stuber, Ausgabe vom 5. Oktober

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Der Leserbrief stiftet Unklarheit, wo die Dinge eigentlich klar sind. Es geht um die Wahlanalyse in Bezug auf den Kantonsrat und um ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat von mir, das sich auf die neue Stadtzuger Delegation im Kantonsrat bezog. Dort haben wir nämlich die offenbar von manchen Beobachtern übersehene Entwicklung, dass die grösste Stadtzuger Partei, die FDP, im Kantonsrat ein Stadtzuger Mandat abgeben muss. Leider trifft es Karen Umbach, die ich als Kollegin sehr schätze und die in der FDP auch für Vielfalt steht. Um einen Kopf gewachsen ist dafür die Stadtzuger ALG-Fraktion im Kantonsrat: von drei Sitzen auf vier Mandate. Gleichzeitig bleibt die Stadtzuger SP-Vertretung im Kantonsrat stabil bei drei Mandaten. ALG und SP kommen damit neu auf sieben statt wie bisher auf sechs Sitze.

Damit setzt sich der positive Trend seit den letzten acht Jahren fort. Bezogen auf die Stadtzuger Vertretung im Kantonsrat hatte das grün-linke Lager nämlich nach den Wahlen 2014: fünf Sitze, 2018: sechs Sitze und jetzt sind es sieben Sitze. Fazit: Es ging in dem im Leserbrief zitierten Artikel um Mandate, nicht um Prozente. Der Titel lautete: «Wahlen Kantonsrat: GLP gewinnt zwei Sitze und wird damit zur Fraktion – Mitte verliert zwei Mandate.»

Ich habe in dem besagten Interview auch nicht verhehlt, dass das Gesamtresultat des Kantonsrats aus linker Sicht durchzogen ist und es auch zu Verlusten kam. Manchmal stehen übrigens in der Öffentlichkeit auch Verlierer (am einen Ort) als Gewinner (am anderen Ort) dar. Das beste Beispiel dafür ist die «Mitte»: Sie verlor nicht nur zwei Mandate, sondern auch 1,6 Prozent an Parteistärke – gleichwohl erzielte sie im Regierungsrat mit Laura Dittli ein Glanzresultat (zu Ungunsten der Linken). Sie wurde als Gewinnerin des Tages wahrgenommen. Das zeigt: Demokratie ist kompliziert, aber es lohnt sich, sie respektvoll mitzutragen und mitzugestalten.

Barbara Gysel, gewählte Zuger Stadträtin sowie Stadtpräsidiumskandidatin