Religion
Das Sakrale im Dämmerlicht: Thementage des Vereins Sakrallandschaft Innerschweiz

Der Verein Sakrallandschaft Innerschweiz widmet seine Thementage 2022 der natürlichen Lichtatmosphäre in heiligen Hallen. Dafür hat der Verein fünf Luzerner Kirchen ausgewählt mit ganz individuellen Wirkungen.

Andreas Faessler
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Die Piuskirche in Meggen mit ihren durchschimmernden Wänden aus Marmor ist eine von fünf ausgewählten Kirchen, in denen je nach Tageszeit einzigartige Lichtstimmungen herrschen.

Die Piuskirche in Meggen mit ihren durchschimmernden Wänden aus Marmor ist eine von fünf ausgewählten Kirchen, in denen je nach Tageszeit einzigartige Lichtstimmungen herrschen.

Bild: Peter Diem

In den Schöpfungsmythen sind Licht und Finsternis ein zentrales Motiv. Das Thema Licht spielt denn auch eine tragende Rolle in der Wirkung von Kirchenräumen. Die Auseinandersetzung mit Licht und Dunkelheit in Sakralgebäuden ist ein Weg, sich mit universalen Themen zu beschäftigen, beispielsweise via Kontemplation. Sie gehört zum Kern des religiösen Lebens. Im Gegensatz zur Meditation bleiben die Augen offen.

Mit dem langsam schwindenden Licht richtet sich der Blick mehr und mehr nach innen. Im konzentrierten Betrachten und nichts Sehen eröffnet sich ein Weg zur Transzendenz.

Natürliche Lichtregie

Der Verein Sakrallandschaft ­Innerschweiz widmet seine diesjährigen Thementage sakralen Lichtatmosphären. Dabei liegt der Schwerpunkt bei den Morgen- und Abenddämmerungen, wenn die natürlichen Lichtverhältnisse im Kircheninneren eine besondere Ausprägung haben. So stehen vom 21. bis zum 23. Oktober im Raum Luzern fünf Kirchen morgens und abends für die Menschen offen.

Das künstliche Licht ist ausgeschaltet, denn die Lichtregie soll ausschliesslich von der architektonischen Form, dem Sonnenstand und den Wetterverhältnissen bestimmt werden. Wie in den Jahren zuvor ­verfolgt der Verein mit diesen Themenanlässen das Ziel, die Schönheit von Sakralbauten der Zentralschweiz in den Fokus zu stellen und einem breiteren Publikum näherzubringen.

«Im Kulturerbe der Innerschweiz haben die sakralen Bauten, Orte und Schätze einen einzigartigen Stellenwert», betont man seitens Verein. Mit diesen Aktionen soll das unterstrichen werden. Im Zuge des Projektes 2022 – «Sakrale Lichtatmosphären» – werden die Lichtstimmungen in den ausgewählten Kirchen während der Dämmerung, vom Sonnenuntergang bis zur absoluten Dunkelheit und umgekehrt, erlebbar. Der Verein versteht das Projekt als neue, innovative Vermittlungsform des sakralen Kulturgutes.

«Das Konzept beruht auf kürzlich gemachten persönlichen Erfahrungen von Peter Diem, Projektleiter Verein Sakrallandschaft Innerschweiz», führen die Verantwortlichen aus und beziehen sich dabei auf eine Abenddämmerungskontemplation mit dem LED-Licht in der Stiftskirche Einsiedeln sowie auf eine Abend- und Morgendämmerungskontemplation mit Naturlicht im Zürcher Fraumünster.

Dieses neue Format werde nun in Luzern auf fünf Kirchen erweitert. «In architektonisch exemplarischen Kirchenräumen werden die Eindrücke der natürlichen Dämmerungen – ohne Kunstlicht – zu persönlichen Erfahrungen vermittelt», sagt dazu Vereinspräsident Rolf Maegli. Das Besondere daran sei die spektakuläre Einfachheit. Maegli: «Anstelle von aufwendigen Beleuchtungen spricht das Einsetzen oder Entschwinden des natürlichen Lichtes persönlich an und zeigt die sakralen Bauten und Einrichtungen sprichwörtlich in neuem Licht.»

Räumlich einzigartige Kirchenbauten

Selbstverständlich könne man so etwas vielerorts auch auf eigene Faust erleben. «Doch wer kommt schon explizit auf diese Idee?», so Maegli. Deshalb wird sie nun vom Verein aktiv an Interessierte herangetragen – mit räumlich besonders geeigneten Kirchenbauten, in denen spezielle Lichtatmosphären das Ergebnis durchdachter Lichtführung sind. Dazu gehören beispielsweise die topografische Einbettung, präzis gesetzte Lichtöffnungen, darauf abgestimmte Oberflächen oder die Befensterung mit bemaltem Glas.

Vom Betonbau bis zur barocken «Wunderkammer»

Für dieses Projekt ausgewählt worden sind die Stadtluzerner Kirchen St.Karl und die Johannes- sowie die Jesuitenkirche. Ausserhalb der Stadt sind es die Wallfahrtskirche Hergiswald ob Kriens und die Piuskirche in Meggen. «Sie alle sind betreffend Architektur, Raumprogramm und Lichtführung sehr unterschiedlich.

Das macht die Besichtigung mehrerer Kirchen abwechslungs- und lehrreich», notiert Sakrallandschaft Innerschweiz. «Verschiedene Lichtkonzepte können erlebt, verglichen und beurteilt werden. Beispielsweise der transluzente Kubus der Piuskirche in Meggen gegenüber der barocken Wunderkammer von Hergiswald.» So werde die Veranstaltungs­serie zum Studienobjekt.

«Sakrale Lichtatmosphären» vom 21. bis 23. Oktober. Genaues Programm und weitere Informationen unter www.sakrallandschaft-innerschweiz.ch