Corona
«Das Zuger Contact-Tracing ist aufgrund der hohen Fallzahlen sehr stark belastet»

Steigen die Corona-Fallzahlen, nimmt auch die Arbeit des Contact-Tracing zu. Aktuell arbeiten im Kanton Zug 45 Personen in diesem Bereich. Noch können sie innert nützlicher Frist Infizierte und Kontaktpersonen erreichen.

Interview: Harry Ziegler
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Das Zuger Contact-Tracing ist aktuell stark belastet, kann aber noch zeitgerecht reagieren.

Das Zuger Contact-Tracing ist aktuell stark belastet, kann aber noch zeitgerecht reagieren.

Symbolbild: Donato Caspari

Mit der steigenden Zahl an Coronainfektionen wird das Contact-Tracing immer wichtiger. Erste Kantone – unter ihnen Zürich – melden, dass das Contact-Tracing an Grenzen stosse. Im Kanton Zug wurden (Stand: Montag, 20. Dezember, 8 Uhr) 270 neue Fälle in den letzten 72 Stunden registriert. Aktuell sind 16 Personen hospitalisiert. Seit Pandemiebeginn wurden 15'950 Fälle sowie 149 Todesfälle registriert, wie der Website der kantonalen Gesundheitsdirektion zu entnehmen ist.

Gemäss Lagebeurteilung des Zuger Kantonsarztes Rudolf Hauri vom 17. Dezember sinkt die 7-Tages-Inzidenz weiterhin leicht. Im Durchschnitt der letzten 7 Tage sind täglich 121 neue Fälle hinzugekommen. Das sind 23 weniger als zu Spitzenzeiten. Erstimpfungen sind 92'000, Zweitimpfungen 85'000 sowie Auffrischimpfungen 26'000 verabreicht worden.

In Isolation befanden sich 845, in Quarantäne 350 Personen. Per 17. Dezember waren 17 Personen hospitalisiert, 4 davon auf der Intensivpflegestation. 11 der Hospitalisierten (65 Prozent) sind nicht geimpft. Rudolf Hauri stuft die epidemiologische Lage als bedrohlich ein. Die Lage des Contact-Tracing ebenfalls. Als kritisch beurteilt er die Lage der Gesundheitsversorgung. Die Skala umfasst 4 Stufen, wobei aktuell alle zu beurteilenden Bereiche entweder Stufe 3 (kritisch) oder Stufe 4 (bedrohlich) erreichen.

Der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri ordnet die Lage des Contact-Tracing im Kanton Zug ein.

Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt.

Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt.

Bild: Anthony Anex / Keystone

Wie viele Personen sind aktuell im Kanton mit Contact-Tracing beschäftigt?

Rudolf Hauri: Aktuell arbeiten 45 Personen im Contact-Tracing. Die meisten Personen arbeiten Teilzeit, insgesamt stehen rund 2000 Stellenprozente zur Verfügung.

Wie viele Fälle bearbeiten diese aktuell?

Die Mitarbeitenden bearbeiten pro 6-Stunden-Schicht im Schnitt zehn bis zwanzig Fälle. Der Aufwand kann sich von Fall zu Fall stark unterscheiden, etwa durch die unterschiedliche Zahl an Kontaktpersonen.

Genügen die personellen Ressourcen?

Das Contact-Tracing ist aufgrund der hohen Fallzahlen sehr stark belastet. Es gelingt aber nach wie vor, alle Infizierten sowie die Kontaktpersonen zeitgerecht zu kontaktieren. Normalerweise ist dies innert 24 Stunden der Fall, in Ausnahmefällen kann es bis zu 48 Stunden dauern, was zumeist mit der Erreichbarkeit der Personen zu tun hat. Bei Institutionen und Vereinen läuft die Koordination zudem über definierte Ansprechpersonen, sodass nicht in jedem Fall jede einzelne Person kontaktiert werden muss. Die Ansprechpersonen übernehmen dann diese Aufgabe und arbeiten mit dem Contact-Tracing zusammen.

Wird aktuell Personal rekrutiert?

Ja, das Personal des Contact-Tracings wird laufend ausgebaut, sowohl durch Neuanstellungen als auch Pensumserhöhungen.

Wie viele Personen fehlen allenfalls, um das Tracing auf der Höhe der Ereignisse zu halten?

Das Contact-Tracing kann aktuell bewältigt werden, die zusätzlichen Stellen werden vor allem für die Auskunftsstelle benötigt.

Gestaltet sich die Suche nach Personal schwierig?

Nein, die Rekrutierung gestaltet sich nicht schwierig.

Was muss eine Tracerin, ein Tracer mitbringen, um die Arbeit machen zu können?

Das Contact-Tracing ist in verschiedene Teams unterteilt. Die Personen, welche den Erstkontakt zu Infizierten aufnehmen, haben eine medizinische Ausbildung (Medizinstudium, Ausbildung zur Fachperson Pflege/med. Praxisassistentin/-assistent o.Ä.). Die Mitarbeitenden, welche Kontaktpersonen anweisen, sich in Quarantäne zu begeben, werden fachlich geschult, bei diesen Personen ist aber keine medizinische Ausbildung nötig. Dasselbe gilt auch für die Personen, welche sich um die Reiserückkehrenden kümmern.

Was braucht es noch?

Es sind bei allen Mitarbeitenden ein hohes Mass an Einfühlungsvermögen und viel Geduld notwendig, da die Gespräche teilweise sehr emotional verlaufen können. Auch Fremdsprachenkenntnisse sind natürlich ein grosses Plus, gute PC-Kenntnisse sind ebenso unabdingbar.