Zug
Zankereien in der Nachbarschaft werden zum Theaterstück

Das Kinder- und Jugendtheater Zug thematisiert die Nachbarschaft mit einem Stück der besonderen Art.

Sina Engl
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Viele Szenen haben die Kinder selbst ausgearbeitet. Im Bild: Basil Bollhalder und Pauline Prigarine als Bewohner mit dem Waschküchenschlüssel im Haus.

Viele Szenen haben die Kinder selbst ausgearbeitet. Im Bild: Basil Bollhalder und Pauline Prigarine als Bewohner mit dem Waschküchenschlüssel im Haus.

Bild: Roger Zbinden (Zug, 19. Dezember 2021)

Viele kennen es. Es gibt Streit um die Sauberkeit der Waschküche, die Nachbarin klingelt am Sonntag in der Früh, weil ihr der Zucker zum Backen ausgegangen ist, und man kommt nicht mehr zur Ruhe, weil die Tochter der Familie im unteren Stock ausgerechnet Geige lernen muss. «Unter Nachbarn» heisst denn auch das neue Stück der «Theater Ratten» des Kinder- und Jugendtheaters Zug, das am Freitag seine Premiere feierte. Es handelt genau von den Spannungen und Konflikte, die rund um das Wohnen hin und wieder entstehen.

Das Stück beginnt überraschend, da die 16 jungen Schauspielerinnen und Schauspieler nicht auf der Bühne stehen, als das Licht ausgeht. «Wer hat einen roten Socken in meine weisse Wäsche gelegt, jetzt ist alles rosa!», ertönt es stattdessen aus den Zuschauerreihen, durch welche die Jugendlichen nach und nach auf die Bühne laufen und das Publikum mit ihrem alltagsnahen Thema bereits zum Lachen bringen. «Haben Sie etwas bei Ochsner Sport bestellt? Vor meiner Tür liegt ein Päckli», fragt eine Schauspielerin einen Zuschauer, bevor sie weiter auf die Bühne geht. Auf der Bühne angekommen, stellen sich die Schauspielenden auf und nehmen Posen von entsetzten oder entnervten Nachbarinnen und Nachbarn ein.

Die Waschküche wird zum Sreitpunkt.

Die Waschküche wird zum Sreitpunkt.

Bild: Roger Zbinden (Zug, 19. Dezember 2021)

In der nächsten Szene treffen sich zwei Nachbarinnen und ein Nachbar beim Müllsortieren. Schon nach kurzer Zeit brodelt die Gerüchteküche. «Habt ihr schon von Herrn Moritz’ Rosen gehört?», fragt die eine Nachbarin. Die beiden anderen reagieren mit Entsetzen, die Rosen von Herrn Moritz seien ja heilig. «Sie sind zertrampelt worden, mutwillig!» Da sei sie sich ganz sicher.

Entstanden aus Improvisationen

Schon bei dieser Szene haben die jungen Schauspielenden das Publikum auf ihrer Seite. Das Stück kommt wegen seiner treffenden Anekdoten wunderbar an. Auch die Jugendlichen sind mit grosser Freude dabei. Das liegt vielleicht auch an der besonderen Entstehungsgeschichte des Stücks. Das Theater ist aus Improvisationen der Theatergruppe entstanden. Zu Beginn der Proben im Oktober stand lediglich das Thema fest. Was genau am Schluss auf die Bühne kommen würde, war unklar. Mirjam Dettwiler und Mirjam Walker, die gemeinsam Regie führten, entwickelten während der Proben aus den Ideen der Jugendlichen das Skript. «Es ist natürlich super für die Kinder zu sehen, das ihre eigenen Figuren und Ideen dann darin vorkommen», erzählt Walker.

Im Bild: Fiona Bussmann, (links) spielt eine Bewohnerin, Simeo Betschart ist Waschmaschinenmechaniker (Mitte) genau wie Mirte de Gruijter.

Im Bild: Fiona Bussmann, (links) spielt eine Bewohnerin, Simeo Betschart ist Waschmaschinenmechaniker (Mitte) genau wie Mirte de Gruijter.

Bild: Roger Zbinden (Zug, 19. Dezember 2021)
Pauline Prigarine als Nachbarin.

Pauline Prigarine als Nachbarin.

Bild: Roger Zbinden (Zug, 19. Dezember 2021)

Nur eine Szene sei aus dem Buch «Der Waschküchenschlüssel» von Hugo Lötscher übernommen worden. In diesem Teil des Stücks geben die Schauspielerinnen und Schauspieler den Waschküchenschlüssel auf eine Reise durch das Treppenhaus. Die Szene zeigt, wie pingelig manche Mitbewohner sein können, wenn es um die Waschküche geht. Den Schlüssel an seinem Waschtag freundlicherweise einem Vater mit kleinen Kindern für einen zusätzlichen Waschtag zu übergeben, kann nämlich eine Handvoll Probleme mit sich bringen…

Zum Finale hin spitzt sich das Stück zu

Nach einer kurzen Pause nimmt das Stück eine unerwartete Wendung. Die ganze Siedlung soll abgerissen werden! Die Spannungen zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern nehmen nur noch weiter zu. Doch das allen bevorstehende Unglück, scheint doch zu verbinden. Gegen Ende des Theaterstücks kommen die Nachbarinnen und Nachbarn zu einer Party zusammen. Es gibt keinen Grund mehr zur Trauer, denn dank einem Lottogewinn kauft ein Nachbar die ganze Siedlung der Verwaltung ab und bewahrt seine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner vor dem Auszug.

«Mir macht das Theaterspielen mega Spass», sagt Schauspielerin Eva aus Zug nach der gelungenen Premiere.

«Ich kann frei sein. Ich weiss immer, was ich sagen muss und stehe einfach sehr gerne auf der Bühne.»