Ethik
Zwei Schülerinnen erarbeiten die Themen «Sexismus in der Bildung» sowie «Religion und Bildung»

Die Maturarbeiten von Chiara Burri aus Horw und Hannah Wirz aus Sempach zu Religion und Ethik werden von der Universität Luzern mit dem Luzerner Religionspreis ausgezeichnet.

Monika Wegmann
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Auch dieses Jahr küren die Theologische Fakultät und das Religionswissenschaftliche Seminar der Universität Luzern zwei Maturarbeiten mit dem Luzerner Religionspreis. Laut Mitteilung haben sich die beiden Autorinnen an zwei herausfordernde Themen gewagt, die sich mit Bildung beschäftigen, allerdings in unterschiedlichen Kontexten.

Hannah Wirz (links) und Chiara Burri erhalten eine Auszeichnung für ihre Maturaarbeit.

Hannah Wirz (links) und Chiara Burri erhalten eine Auszeichnung für ihre Maturaarbeit.

Bild: Benno Bühlmann

Die Fachjury sei sich einig gewesen, dass es diese Arbeiten beide auf den ersten Platz geschafft haben: Die Autorinnen, Chiara Burri aus Horw und Hannah Wirz aus Sempach werden an ihren Maturafeiern diese Woche den mit je 500 Franken dotierten Preis erhalten.

Genderrollen von Stereotypen bestimmt

Chiara Burri, Schülerin der Kantonsschule Alpenquai Luzern, hat sich in ihrer Arbeit «Sexismus in der Bildung: Der Weg zum genderorientierten Unterricht» mit einem aktuellen Thema befasst. Sie zeigt auf, wie die Gleichberechtigung in der Schule weiter vorangebracht werden kann. Dabei gehe sie fundiert und differenziert auf Ursachen und Lösungsansätze für einen gendergerechten Unterricht ein, so die Jury, die besonders positiv den praxisbezogenen Leitfaden zur Umsetzung des Anliegens erwähnt.

Im Gespräch sagt Chiara Burri: «Im Alltag fällt mir auf, wo Sexismus vorhanden ist; dazu gibt es viele Studien. Ich habe das Thema aus dem Blickwinkel der Kantonsschule analysiert und probiert, es allgemein auf die Schule als ganzes System auszuweiten. Mir ist aufgefallen, dass bei der Vermittlung der Genderrollen jedem Geschlecht bestimmte Eigenschaften zugeordnet werden, die von Stereotypen beeinflusst sind.

Danach werden Frauen eher zurückgebunden; so lernen sie, sich im Leben zurückzuhalten.» Die Ursache sieht Chiara Burri darin, dass Lehrinhalte oft traditionelle Bilder vermitteln. «Es fällt auf, dass jetzt die Tendenz zur Anpassung besteht. Aber in der Gesellschaft leben wir noch immer in patriarchalen Strukturen. Zudem sind in der Hierarchie der Schule die Männer oft in höheren Positionen.»

Dabei spiele die Schulzeit eine prägende Rolle im Leben, wie auch das soziale Milieu. Heute müsse man fragen, welche Rollenbilder vermittelt werden sollen, auch mittels der Sprache. Das Thema hat Chiara Burri mit Lehrpersonen diskutiert und festgestellt, dass bei den meisten ein Bedürfnis nach Information besteht. So hat sie einen Leitfaden für die Lehrpersonen ihrer Schule erstellt.

«Ich habe das Gefühl, dass genderspezifische Themen in der Ausbildung der Lehrkräfte noch nicht so wichtig sind.» Ihr sei bewusst geworden, dass das Thema Gleichberechtigung in der Schule viele Aspekte beinhalte. «Man sollte eine längere Studie machen. Experten haben mir bestätigt, dass dazu noch nicht viel geforscht worden ist.» Ihre Analyse mit Anhang und Literaturverzeichnis hat sie für interessierte Lehrkräfte online gestellt.

Die Koranschüler im Senegal

Die zweite Auszeichnung geht an Hannah Wirz von der Kantonsschule Musegg Luzern. Mit ihrer Arbeit «Die Talibés im Senegal – im Spannungsfeld verschiedener Kindheits- und Bildungskonzepte» weist sie auf die schwierigen Lebensumstände der jungen Koranschüler hin und beleuchtet eine westafrikanische Welt.

Sie erkläre laut Jury verständlich die bildungspolitischen und religiösen Verflechtungen, in denen die jungen Koranschüler leben und betteln müssen, was im Widerspruch zu Menschen- und Kinderrechten steht. Auf das Thema sei sie durch eine Bekannte ihrer Mutter gekommen, die mit ihrem senegalesischen Mann Hilfsprojekte für die dortigen Strassenkinder gegründet hat.

Die Bekannte habe berichtet, dass es im Senegal für muslimische Eltern eine Ehre bedeute, wenn ihr Kind eine Koranschule besuchen könne. Die öffentliche Schule sei eher verpönt – wegen ihrer westlichen Ideologie. Aus unserer Sicht sei das eher negativ für das Kind, so Hannah Wirz, doch diese Form der Bildung sei traditionell tief verankert, die Koranverse sollen den Charakter bilden.

«Die Hilfsorganisationen versuchen, die Kinder dort herauszuholen, ihnen Schlafplätze und Freizeitgestaltung anzubieten oder sie den Eltern zurückzubringen. Auch Hannah Wirz findet dieses System nicht gut: «Es ist besser, wenn Kinder neben dem religiösen Aspekt eine breit gefächerte Ausbildung erhalten. Andererseits ist der Westen sehr leistungsorientiert. Vielleicht sollten wir uns wieder mehr auf das Geistige konzentrieren.»

Sie nahm auch Kontakt mit einem hiesigen Koranlehrer auf, der habe sich offen gezeigt. «Anfangs habe ich nicht verstanden, warum man das System nicht ändert. In den Gesprächen habe ich erkannt, dass dies für Hilfsorganisationen schwierig ist. Die Tradition spielt eine Rolle, denn die Religion ist dort mit allen Lebensbereichen verknüpft. Heute habe ich ein besseres Verständnis für andere Personen.»