Berufswahl Zug
«Die Einblickstage sind wie eine Schnupperlehre light», sagt Organisator Roland Frei

Am Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug (GIBZ) finden bis 8. April die Einblickstage statt. Rund 25 Berufe werden den Oberstufenschülerinnen und -schülern des Kantons Zug vorgestellt. Dabei dürfen sie auch selbst Hand anlegen.

Cornelia Bisch
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Es wird geschnippelt, gerollt, gesprüht und geföhnt. Im Klassenzimmer der Coiffeuse und Fachlehrerin Tanja Müller am Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug (GIBZ) arbeiten zehn Schülerinnen an Echthaarpuppenköpfen, deren Haare sie in Dauer- oder Fingerwellen legen, mit Heizgeräten behandeln, frisieren oder gar schneiden dürfen.

Selbst Hand anzulegen, macht Spass und vermittelt ein Gefühl für den Beruf.

Selbst Hand anzulegen, macht Spass und vermittelt ein Gefühl für den Beruf.

Bild: PD/Melanie Schumacher

Dies ist einer der dreistündigen Schnupperkurse für Zuger Oberstufenschülerinnen und -schüler, die zurzeit im Rahmen der Einblickstage am GIBZ stattfinden. Gesamthaft werden rund 25 Berufe vorgestellt, acht davon direkt in Zuger Betrieben. Es sind handwerkliche Berufe vertreten, aber auch solche im Pflege- und Dienstleistungsbereich.

«Vom Koch über die Schreinerin oder Informatikerin zum Pfleger und kaufmännischen Angestellten ist alles vertreten», zählt Fachlehrer Roland Frei auf, der die Einblickstage am GIBZ für die Oberstufenschülerinnen und -schüler des Kantons Zug organisiert. Dabei handelt es sich um eine Zusammenarbeit des GIBZ mit dem Gewerbeverband Zug, den öffentlichen Schulen des Kantons Zug und der Zuger Wirtschaftskammer.

1800 Lernende am GIBZ

Am Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug (GIBZ) arbeiten ca. 200 Mitarbeitende. Rund 1800 Lernende aus dem Gewerbe, der Industrie und dem Gesundheits-
und Pflegebereich besuchen den Unterricht in 28 verschiedenen Berufen der Grundbildung. Über 1000 Studierende belegen Kurse in der beruflichen Weiterbildung.

Einführung durch Lernende

Die Schülerinnen probieren Frisier- und Schneidetechniken an Puppen aus.

Die Schülerinnen probieren Frisier- und Schneidetechniken an Puppen aus.

Bild: PD/Melanie Schumacher

«Das ist eine hochmotivierte Gruppe», freut sich Fachlehrerin Tanja Müller, die selbst Teilzeit als Coiffeuse in Emmenbrücke arbeitet und den Kurs leitet. Letztes Jahr hätten die Schülerinnen sich gegenseitig die Haare behandelt. «Das ging aber zeitlich nicht so gut auf. Ausserdem mussten natürlich am Ende alle Haare wieder trocken und präsentabel sein.»

So entschied sie sich dieses Jahr für die Bearbeitung von Puppenköpfen. «Die Interessentinnen können eigentlich alles machen, ausser Färben.» Der Einsatz von Chemikalien sei aufgrund der Unfallgefahr und wegen möglicher Allergien nicht möglich.

In den Beruf eingeführt worden waren die Interessentinnen zuerst mit einem theoretischen Teil. «Wir erklärten ihnen, welche Anforderungen der Beruf stellt, welche Inhalte vermittelt und welche Hauptaufgaben erfüllt werden müssen. Auch Weiterbildungsmöglichkeiten waren ein Thema», berichtet die Fachfrau. Zwei Lernende hätten sie dabei unterstützt und von ihren Erfahrungen berichtet.

An den Einblickstagen des Gewerblich-industriellen Bildungszentrums Zug (GIBZ) bekommen Oberstufenschülerinnen und -schüler einen Einblick in die Berufswelt. Hier schaut sich Daniel Villarnovo mit Dozent Christian Lindauer ein Coding Problem an.
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Informatiker sind gesucht. Vielleicht wird auch dieser Junge, der heute noch die Oberstufenschulbank drückt, dereinst zu ihnen gehören.
Der Lernende Fabian Duss, erklärt den Jugendlichen, wie eine Kochschürzen anzulegen ist.
Auch die Zuger Regierungsrätin Silvia Thalmann-Gut (links) lässt sich von Prorektorin Regula Tobler einen Einblick geben.
Hoher Besuch an den Einblickstagen am GIBZ (von links): Patrick Stalder (Rektor GIBZ), Yvonne Kraft (Bildungs-Vorstandsmitglied Gewerbeverband Kanton Zug) und Stefan Schleiss (Regierungsrat).

An den Einblickstagen des Gewerblich-industriellen Bildungszentrums Zug (GIBZ) bekommen Oberstufenschülerinnen und -schüler einen Einblick in die Berufswelt. Hier schaut sich Daniel Villarnovo mit Dozent Christian Lindauer ein Coding Problem an.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 6. April 2022)

So nahe an der Praxis wie möglich

«Den Einsatz von Lernenden empfehle ich für die Einführungstage besonders», betont Frei. «Sie begegnen den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe und stehen selbst mitten in ihrer Ausbildung, können also ganz aktuell berichten.» Die Verantwortlichen würden die einzelnen Module so praxisnah wie möglich gestalten. «Ziel ist es, jetzt und für die Zukunft möglichst viele motivierte Jugendliche für eine Berufslehre zu gewinnen, die später als Ausgelernte die Wirtschaft unterstützen.»

Fachlehrer Roland Frei ist Organisator der Einblickstage am GIBZ.

Fachlehrer Roland Frei ist Organisator der Einblickstage am GIBZ.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 6. April 2022)

Geleitet werden die Module von Fachlehrpersonen des GIBZ. Der Anlass findet bereits zum sechsten Mal statt. Es nutzen jedes Jahr rund 500 Jugendliche das freiwillige Angebot. «Manche erscheinen sehr gut vorbereitet, haben sich einen Plan der Module gemacht, die sie besuchen wollen und sind sehr interessiert.» «Es ist gut, wenn die Jugendlichen in der Oberstufe auf den Anlass und die Module vorbereitet werden.»

Rückmeldung und weitere Infos

Am Ende jeder Mini-Schnupperlehre füllen die Teilnehmenden einen kurzen Fragebogen aus, auf dem sie eine Rückmeldung und ihre Kontaktdaten angeben, falls sie weitere Informationen wünschen.

«Dieses Angebot geht viel weiter als eine übliche Berufsschau wie etwa die Zentralschweizer Bildungsmesse Zebi, bei der man sich an Ständen kurz informiert.» Hier würden die Jugendlichen selbst Hand anlegen und den Beruf erleben dürfen. «Die Einblickstage sind wie eine Schnupperlehre light.»

Leider würden heute immer weniger Betriebe Schnupperlehren anbieten können, sodass die vier Einblickstage für die Jugendlichen eine gute Alternative seien. «Ausserdem unterstützen wir damit das Gewerbe und die Wirtschaft.»

Handyhalter im Schreinerkurs selbst gemacht

Einen praktischen kleinen Handyhalter, der auch als natürlicher Verstärker funktioniert, stellten die Jugendlichen im Schreiner-Modul her.

Einen praktischen kleinen Handyhalter, der auch als natürlicher Verstärker funktioniert, stellten die Jugendlichen im Schreiner-Modul her.

Bild: PD/Melanie Schumacher

In der Schreinerwerkstatt des GIBZ ist der Kurs gerade vorbei. Die zwölf Teilnehmenden, unter denen sich auch fünf junge Frauen befinden, verlassen fröhlich schwatzend und mit ihrem Werkstück in der Hand die Schulungsräume. «Jeder und jede Jugendliche hat selbst einen Handyhalter aus Holz hergestellt», berichtet Fachlehrer Willy Bissig.

Er hat sieben Lernende engagiert, die jeweils zwei Personen betreuten. Dabei seien interessante Gespräche entstanden, und auch die Lernenden hätten profitiert. «Die Freude am Beruf ist das Wichtigste», ist Bissig überzeugt. Das habe er den jungen Leuten auch deutlich zu verstehen gegeben. «Wenn jemand zudem nicht zwei linke Hände hat und etwas Begabung in Mathematik aufweist, ist das genug. Alles Weitere kann man lernen.»