Bauprojekt
Salesianum: Alfred Müller AG zieht Projekt zurück und nimmt einen neuen Anlauf

Es ist eine unendliche Geschichte. Seit 2008 arbeitet sich die Baarer Immobilienunternehmung an einem Projekt ab, welches auf dem Areal eine Wohnüberbauung mit Seeblick vorsieht. Gerichte, das Stadtparlament wie auch die Stimmberechtigten haben sich wiederholt mit verschiedenen Projekten befasst. Die Alfred Müller AG macht nun einen Salto rückwärts.

Marco Morosoli
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Die Baarer Generalunternehmung Alfred Müller AG zeigt im jahrelangen Gezerre um eine geplante Wohnüberbauung im Bereich des Salesianums in Zug Beharrlichkeit. Mit einem Jahresumsatz von 300 Millionen Franken und Immobilien, die mit einem Wert von 1,8 Milliarden Franken in den Büchern stehen, verfügt sie über liquide Mittel, blockierte Bauprojekte auszuhalten. Die Geduld hat aber selbst bei den Bauherrschaften aus Baar ein Ablaufdatum. Das zeigt eine am Donnerstag verschickte Medienmitteilung. In dieser lässt sich Christoph Müller, Präsident des Verwaltungsrats, so zitieren: «Statt langwieriger juristischer Auseinandersetzungen vor den Gerichten streben wir eine zeitnahe Umsetzung an und wollen neuen Wohnraum schaffen.» Letzteres sei ja in Zug zunehmend «ein rares Gut».

Der Bau von Eigentumswohnungen in einem Gebiet, das zu den einmal bestimmten Zuger Perlen gehört, ist beim Baarer Unternehmen jetzt Chefsache. Müller sagt auch, wie der Durchbruch zu schaffen ist: «Wir handeln unternehmerisch und kehren zurück zum Ursprungsprojekt, basierend auf dem Richtprojekt und dem genehmigten und rechtsgültigen Bebauungsplan.» Die Konsequenz: Das im Mai 2021 eingereichte Projekt zieht die Alfred Müller AG zurück und lässt es im Firmenarchiv verschwinden. Dies geschieht mitunter auch, weil die Firmenspitze in Baar zur Erkenntnis gekommen ist, dass sich das Projekt bei einem Gang durch alle rechtlichen Instanzen länger verzögern könnte.

Zurzeit sei ein neues Baugesuch in Arbeit. Bereits im Sommer will die potenzielle Bauherrschaft die fertigen Pläne zur öffentlichen Auflage bringen. Das Projekt sieht 56 Wohnungen vor. Die kurze Zeitspanne zwischen der Ankündigung und dem Lieferdatum erstaunt nur auf den ersten Blick, denn das bereits einmal ins Rennen geschickte Planungswerk lässt sich womöglich nicht eins-zu-eins kopieren, aber als Modell eignet es sich sicher noch. Die Kalkulationen in Bezug auf die Kosten sind aber sicher anzupassen, denn auch die im Baurecht zu erstellenden Wohnungen sind im Preis geklettert.

Salesianum: Die Vorgeschichte

Die Immobilienfirma Alfred Müller AG plante 2008 auf dem Salesianum-Areal im Süden Zugs 80 Wohnungen. Das Stadtzuger Parlament wie auch der Souverän hiessen den Bebauungsplan 2011 gut. Gegner des Projekts beschwerten sich 2012 beim Verwaltungsgericht. Dieses stellte eine zu hohe Ausnützungsziffer fest. Die Bauherrschaft passte den Bebauungsplan an. Das Stadtparlament wie auch der Souverän stellten bis 2016 das zweite Mal das Signal auf Grün. Nachbarn liessen 2016 den modifizierten Bebauungsplan erneut vom Verwaltungsgericht überprüfen und verloren. Beim Bundesgericht blitzten sie 2020 auch ab. Der Bebauungsplan war rechtskräftig. 2021 legte die Alfred Müller AG ein neues Projekt auf. Dieses stoppt sie Anfang 2022. Ein neues Projekt soll im Sommer vorliegen. 

Die Idee, im Gebiet des Salesianums Wohnungen zu bauen, beschäftigt die Alfred Müller AG seit 2008 (siehe Kurzabriss in der Box). Bis der Bebauungsplan, welcher als Basis für das Projekt dient, alle Voraussetzungen erfüllte, zogen neun Jahre ins Land. Es gab zwei Fassungen der Planungsgrundlage. Ein erstes Papier genehmigten zwar der GGR und die Zuger Stimmbürger. Einsprecher riefen das Verwaltungsgericht an, welches von der Urheberschaft eine Nachbesserung verlangte.

Ein Bebauungsplan regelt, wie ein Gebiet zu organisieren ist

Das zweite Planwerk zogen die Beschwerdeführenden dann bis zum Bundesgericht. Dieses trat dann aber nicht auf die Beschwerde ein. Eine zentrale Feststellung war dabei, dass es bei der Beurteilung eines Bebauungsplans nicht um das Bauverfahren an sich gehe (1C_53/2019). Vielmehr gehöre eine solche Interessenabwägung zum nachgelagerten Baubewilligungsverfahren. Durch den Spruch der Lausanner Richter erlangte der Bebauungsplan Salesianum Rechtskraft.

Mittlerweile hat sich auch auf der in unmittelbarer Nähe gelegenen Liegenschaft St.Karl einiges getan. Wie die Zeitschrift «Bilanz» in ihrer Ausgabe vom 31. Mai 2021 schreibt, hat Niklas Nikolajsen «ein Schloss am Zugersee» gekauft. Sein Name: St.Karl oder Salesianum. Der Nordländer, welcher mittlerweile auch den Schweizer Pass hat, ist im Bitcoin-Universum zu Geld gekommen. Das Zürcher Wirtschaftsmagazin gibt den Kaufpreis für die Liegenschaft mit 18 Millionen Franken an. Dazu kämen noch 35 Millionen Franken für die Renovation. Daraus lässt sich ermessen, wie teuer die Wohnungen etwas oberhalb der Nikolajsen-Liegenschaft sein werden.

Wieso informiert die Alfred Müller AG bereits jetzt über das neue Projekt? Ivo Läuppi, Bauherrenvertreter, sagt dazu auf Anfrage: «Wir wollen die potenziellen Käufer informieren.» Das Interesse, an dieser Lage Wohneigentum zu erwerben, sei gross. Zur Frage, ob man mit erneutem Widerstand rechne, sagt Läuppi, dass die Strategie in Bezug auf den Personenkreis, welcher sich gegen die geplante Überbauung bis anhin wehrte, aktuell noch nicht vorliege.