Baar
Das neue Buch von Claudia Schneider dreht sich um das Bewusstsein als hilfreiches Instrument

«Spannender als jeder Krimi», fand die 58-Jährige die Recherche für ihr kürzlich veröffentlichtes Werk.

Monika Wegmann
Drucken

Eine Reise nach innen und zu sich selbst: Das war für die Baarer Journalistin und Reisebuchautorin Claudia Schneider (58) die rund zehn Jahre dauernde Arbeit an ihrem neuesten Sachbuch «Was wir über Bewusstsein wissen sollten». Beim Lesen des 504 Seiten umfassenden Werkes kann man nur ahnen, welch immenses Engagement sie damit geleistet hat. «Es ist Schicht um Schicht entstanden», sagt sie. Auf ihren weltweiten Reisen sei sie schon öfter auf das Thema Bewusstsein gestossen. «Es hat mich schon immer sehr interessiert, und unterwegs konnte ich erfahren, wie andere Kulturen damit umgehen. Alle Völker haben ihre Philosophien und Wahrheiten. Interessant ist zudem, was die Wissenschaft weltweit zu dem Thema sagt.»

Claudia Schneider hat 2009 mit der Recherche für ihr Buch begonnen.

Claudia Schneider hat 2009 mit der Recherche für ihr Buch begonnen.

Bild: Matthias Jurt (Baar, 28. Oktober 2021)

In 2009 begann Schneider mit der Recherche, las Bücher und Studien aus verschiedenen Ländern, verglich wissenschaftliche Erkenntnisse und sprach unter anderen mit Fachleuten aus Neurologie, Biologie, Psychologie, Ethnologie und Religion. «Die Recherche war spannender als jeder Krimi», sagt sie im Gespräch. Die Arbeit erforderte daneben Geduld und Durchhaltewillen, weil das Thema Bewusstsein nicht nur die Neurologie betrifft, sondern auch andere Wissenschaften. «Für jedes Kapitel habe ich verschiedene Wissenschafter befragt. Es gab auch welche, die kein Interesse hatten, doch ich habe immer jemanden für eine Auskunft gefunden und nach dem Gegenlesen oft positive Reaktionen erhalten.»

Das Wort Bewusstsein wird heute oft gebraucht, aber eine Definition ist gar nicht einfach. Claudia Schneider sagt:

«Für mich ist es ein wichtiges Grundelement unseres Daseins und essenziell für die Evolution. Es ist eine absolute Notwendigkeit.»

Sie kritisiert die einseitige Forschung, die seit über 200 Jahren der Materie so viel Aufmerksamkeit widme, aber weniger den inneren Vorgängen. Als positiv wertet die Autorin, dass sich Forscher heute eher Gedanken machten und mehr hinterfragten. Wichtig ist ihr auch, dass Leib und Geist (Seele) zusammengehören und dass sie mehr bewirken als die körperliche Versorgung, nämlich auch das Innenleben steuern. Beim Bewusstsein spielt das Gehirn eine wichtige Rolle, um das «Ich» sowie äussere und innere Vorgänge und unsere Emotionen wahrzunehmen und zu benennen. «Aber auch jede Zelle verfügt über spezifisches Bewusstsein.»

Den inneren Schweinehund überwinden

Claudia Schneider bezeichnet selbst das Unbewusste als hilfreiches Instrument. «Es lohnt sich, zu beobachten, wie die Menschen heute oft unbemerkt manipuliert werden.» Viele seien nicht so erpicht, sich mit dem Bewusstsein zu befassen. «Wenn man weiss, was man tun sollte, müsste man Verantwortung übernehmen und handeln. Das Thema ist für das Individuum wie für die Gesellschaft wichtig. Manchmal lohnt es sich, den inneren Schweinehund zu überwinden. Aber das gelingt nicht immer, und das wollen auch nicht alle, was ich respektiere.»

Die Autorin will eine Brücke schlagen zwischen der Wissenschaft und den Interessierten.

«Es gibt zwar viele Bücher über das Bewusstsein, aber es fehlt so etwas wie eine Übersicht».

Hier setzt sie mit ihrem Buch an, das dank Crowdfundings im vergangenen Frühling in einer Auflage von 800 Exemplaren erschienen ist. Es ist kein Ratgeber und keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern gut lesbar für alle, die sich mit dem Bewusstsein auseinandersetzen wollen. Die Schwerpunktthemen sind wie ein Nachschlagewerk mit Einführungen und kleinen Kapiteln übersichtlich gegliedert und zuletzt mit einer Literaturliste ergänzt.

Mit den Reaktionen auf die Publikation ist Claudia Schneider zufrieden: «Das ist meine persönliche Doktorarbeit, ich habe bereits viele positive Rückmeldungen erhalten. Mit dem Buch will ich auch andere ‹ankicken›, mehr nach innen zu horchen, es hat auch mein Bewusstsein verändert. Und die Schlüsselfrage bleibt: Wer bin ich?»

Claudia Schneider: «Was wir über Bewusstsein wissen sollten», Kommode Verlag Zürich, ISBN 978-3-9524114-2-1.